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26.07.2012

08:54 Uhr

Pharmakonzern

Umbau kostet Roche viel Geld

Der umfangreiche Konzernumbau hat Roche die Bilanz über das zweite Quartal verhagelt. Der Schweizer Pharma- und Diagnostikkonzern steigerte aber den Umsatz spürbar und kam auch mit den Währungseinflüssen gut zurecht.

Roche ist mitten im Umbau - und der kostet zunächst einmal Geld. Reuters

Roche ist mitten im Umbau - und der kostet zunächst einmal Geld.

BaselMilliarden-Kosten für den Konzernumbau und der Entwicklungsstopp eines Herzkreislaufmedikaments haben dem Schweizer Pharma- und Diagnostikkonzern Roche das Ergebnis verhagelt. Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr ein Reingewinn von 4,37 Milliarden Franken, 17 Prozent weniger als vor einem Jahr. Operativ ist der Basler Arzneimittelhersteller aber auf Kurs und steht besser da als mancher Konkurrent. "Wir entwickeln uns sowohl im Pharmageschäft als auch in der Diagnostiksparte deutlich besser als der Markt", zog Konzernchef Severin Schwan am Donnerstag Bilanz und bekräftigte die Jahresprognose.

Roche strebt 2012 unter Ausschluss von Wechselkurseinflüssen einen Umsatzanstieg im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich an. Der Kerngewinn je Genussschein und Inhaberaktie, der Sonderkosten ausklammert, soll um einen hohen einstelligen Prozentbetrag steigen. In den ersten sechs Monaten kletterte er um acht Prozent auf 6,94 Franken und damit leicht stärker als von Analysten geschätzt.

Die Verkaufserlöse erhöhten sich im Zeitraum Januar bis Juni dank der anhaltenden Nachfrage nach Krebsmedikamenten wie MabThera und Herceptin sowie neu auf den Markt gebrachten Präparaten währungsbereinigt um vier Prozent auf 22,42 Milliarden Franken (18,6 Milliarden Euro). Das Hepatitis C-Mittel Pegasys und das Arthritis-Präparat Actemra stachen mit über 30 Prozent Plus heraus. Nach mehreren Quartalen mit rückläufigen Umsätzen zogen dieses Jahr auch die Verkäufe des Umsatzrenners Avastin wieder an. Neue Krebsmedikamente wie Zelboraf, Erivedge und Perjeta liefen gut an. Diese und weitere Hoffnungsträger sollen das künftige Wachstum sicherstellen.

Roche sieht sich dank einer prall gefüllten Medikamenten-Pipeline im Branchenvergleich gut aufgestellt und dem Preisdruck weniger ausgesetzt als Mitbewerber. Viele große Pharmakonzerne leiden darunter, dass umsatzstarke Präparate den Anspruch auf Markt-Exklusivität verlieren und damit der Konkurrenz durch Generika ausgesetzt sind. Bei AstraZeneca brach der Umsatz im zweiten Quartal um 21 Prozent auf 6,66 Milliarden Dollar ein, weil der britisch-schwedische Pharmakonzern massiv Geschäft an billigere Nachahmer-Medikamente verlor. Dem britischen Branchenriese GlaxoSmithKline, der dieses Jahr ursprünglich wieder auf einen Wachstumskurs einschwenken wollte, machen die Sparbemühungen in den europäischen Gesundheitssystemen einen Strich durch die Rechnung. Auch der Roche-Stadtrivale Novartis kämpft mit sinkenden Umsätzen.

An der Börse schlug der Semesterbericht keine großen Wellen: Die Roche-Genussscheine notierten stabil bei 167,90 Franken und entwickelten sich damit im Rahmen der europäischen Gesundheitswerte. Die Zahlen zeigen, dass Roche das Wachstumspotenzial des Markts für Krebsmedikamente ausschöpfen kann, erklärte Sarasin-Analyst David Kägei.

Die Kosten für die Aufgabe des langjährigen US-Standorts Nutley, den Entwicklungsstopp des Herzkreislaufmedikaments Dalcetrapib und weitere Restrukturierungen summierten sich im ersten Halbjahr auf 1,7 Milliarden Franken. Die Ausbeute an dem Forschungsstandort im US-Bundesstaat New Jersey blieb in den letzten Jahren dünn. Wichtige Umsatzbringer - allen voran die Krebsmittel Avastin und Herceptin - und vielversprechende neue Medikamente kamen von der US-Westküste aus South San Francisco. Dort hat die Biotechnologie-Tochter Genentech ihren Sitz, die Roche im Jahr 2009 voll übernommen hatte.

Die Schließung von Nutley soll jährlich Einsparungen von 370 Millionen Franken bringen. Im Rahmen des zweiten große Effizienzprogramms in zwei Jahren streicht Roche in den USA 1000 von insgesamt 20.8000 Stellen. Bereits Ende 2010 hatten die Schweizer nach Rückschlägen im Medikamentengeschäft und wegen der staatlichen Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen milliardenschwere Einsparungen auf den Weg gebracht und Tausende Beschäftigte entlassen.

Von

rtr

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