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21.04.2017

08:21 Uhr

Pharmakonzerne gegen Todesstrafe

„Unsere Arzneimittel sollen das Leben verlängern“

VonMaike Freund, Maike Telgheder, ap

Weil die Haltbarkeit des Giftcocktails abläuft, will der US-Bundesstaat Arkansas noch im April gleich eine ganze Reihe von Hinrichtungen vollstrecken. Das stößt auf erbitterten Widerstand – auch bei Firmen wie Fresenius.

Mehrere Pharmakonzerne wehren sich gegen die Vollstreckung der Todesstrafe in den USA. dpa

Todesstrafe

Mehrere Pharmakonzerne wehren sich gegen die Vollstreckung der Todesstrafe in den USA.

Düsseldorf, FrankfurtEs ist schon absurd, wenn Hinrichtungen deshalb vorangetrieben werden, weil die Haltbarkeit eines Medikaments abläuft. Doch das sieht der republikanische Gouverneur von Arkansas, Asa Hutchinson, ganz anders. Denn er wollte insgesamt acht Hinrichtungen in dem US-Bundesstaat noch im April durchführen, weil das Mittel Midazolam, das in dem tödlichen Cocktail enthalten ist, einen Monat später sein Verfallsdatum überschreitet.

Nun wehrt sich die Pharmaindustrie – darunter auch die US-Tochter des Pharmakonzerns Fresenius, Fresenius Kabi – gegen die Exekutionen. Denn auch ein Fresenius-Medikament – Kaliumchlorid – soll als Giftcocktail eingesetzt werden.

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„Wir sind strikt gegen diese Verwendung unserer Arzneimittel“, sagt der Sprecher von Fresenius Deutschland dem Handelsblatt. „Sie sind dazu bestimmt, Leben zu erhalten und die Lebensqualität kranker Menschen zu verbessern. Das lässt sich mit unserer Unternehmensmission nicht vereinbaren.“

Fresenius hat schon mehrfach an den Gouverneur von Arkansas geschrieben, und ihn aufgefordert, von der Verwendung abzusehen. Da das nicht passiert ist, hat Fresenius jetzt ein „klagebegleitendes Schreiben“ – also noch keine Klage – an das Gericht gerichtet. Auch das Unternehmen West-Ward Pharmaceuticals geht gegen Arkansas vor. West-Ward ist nach Recherchen der Nachrichtenagentur AP der Hersteller des Medikaments Midazolam.

Doch den Gouverneur von Arkansas interessieren diese Proteste offenbar wenig. Denn nun teilte das Pharmaunternehmen Pfizer mit, dass der Staat durch Tricks an weitere Medikamente gelangt sei. Und das, obwohl die Konzerne den Einsatz ihrer Medikamente zur Hinrichtung strikt untersagt hatten.

Nach Angaben von Pfizer hatten die Behörden Arzneien über den Pharmahändler McKesson bezogen. Letztgenannter hatte wiederum geklagt, weil der Bundesstaat beim Kauf des Mittels angegeben hätten, die Mittel für medizinische Zwecke nutzen zu wollen. Doch das Oberste Gericht hob am Donnerstag eine entsprechende Anordnung einer untergeordneten Instanz auf. Damit erlaubte es dem US-Bundesstaat Arkansas, das Mittel Vecuronium für Hinrichtungen zu benutzen, dessen Verwendung vorher untersagt worden war. Die Entscheidung des höchsten Gerichts in Arkansas beseitigt damit eine der größten Hürden für den Staat, der am Donnerstagabend (Ortszeit) eine Hinrichtung vornehmen ließ.

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