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08.09.2012

08:49 Uhr

Pharmakonzerne

US-Firmen auf Biotech-Markt dominant

VonSiegfried Hofmann

Anfangs zeigten sich die etablierten Pharmahersteller zögerlich auf dem Feld der Biotechnologie. Heute haben Biotechprodukte einen hohen Anteil bei den deutschen Pharmakonzernen.

Eine Labormitarbeiterin pipettiert im Qiagen-Standort Hilden eine Flüssigkeit. dpa

Eine Labormitarbeiterin pipettiert im Qiagen-Standort Hilden eine Flüssigkeit.

FrankfurtGenentech, Amgen oder Biogen Idec - der kommerzielle Durchbruch der Bio- und Gentechnologie ermöglichte einer Reihe von Newcomern den Eintritt in den Pharmamarkt. Dagegen engagierten sich die etablieren Hersteller anfangs nur zögerlich auf diesem in der Praxis noch unerprobten Feld.

Erst im Laufe der 1990er-Jahre investierten die Pharmakonzerne massiv in die Biotechnologie, und es kam zu einer Reihe milliardenschwerer Fusionen. Wichtigstes Beispiel dafür ist die Übernahme des Biotech-Pioniers Genentech durch Roche. Der Schweizer Konzern sicherte sich bereits 1990 für zwei Milliarden Dollar eine Mehrheitsbeteiligung bei dem US-Unternehmen.

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Das Rheumamittel Humira von BASF war ein großer Erfolg. Doch dann machten der Konzern den Fehler und verkaufte das Patent - das große Geld dafür streichen nun andere ein. Mit diesem Problem kämpfen viele deutsche Firmen.

Als Roche dann im Jahr 2009 die restlichen 44 Prozent der Genentech-Anteile erwarb, musste das Unternehmen dafür rund 47 Milliarden Dollar bezahlen. Ende der 1990er-Jahre kaufte Roche zudem das deutsche Familienunternehmen Boehringer Mannheim, das stark in der biotechnischen Produktion von Diagnostika engagiert war.

Zu den größeren Transaktionen auf dem Gebiet gehört ferner die Übernahme von Chiron durch den Schweizer Novartis-Konzern, der 2011 besiegelte Kauf des US-Biotech-Konzerns Genzyme durch die französische Sanofi oder die Übernahme der Schweizer Serono durch den Darmstädter Chemie- und Pharmahersteller Merck.

Dank der Übernahme von Genentech und Boehringer Mannheim ist Roche heute der weltweit größte Hersteller von Biotechprodukten. Sehr stark vertreten in dem Bereich sind ferner Amgen aus den USA als führender Epo-Produzent, der dänische Insulin-Spezialist Novo Nordisk und der US-Konzern Abbott dank des Erfolgs seines Rheumamittels Humira.

Auch bei den deutschen Pharmakonzernen Bayer und Merck haben Biotechprodukte inzwischen einen hohen Anteil. Bei Bayer gehören dazu neben Betaferon das Blutgerinnungsmittel Kogenate und das Krebsmedikament Nexavar mit zusammen etwa 30 Prozent Umsatzanteil.

Bei Merck ist das Gewicht sogar noch größer, bedingt vor allem durch den rund zehn Milliarden Euro teuren Kauf der Schweizer Serono-Gruppe im Jahr 2006 und den Erfolg des Krebsmittels Erbitux. Die Produktion erfolgt fast durchweg im Ausland. Aus den Tausenden Biotech-Firmengründungen seit Anfang der 1980er-Jahr sind einige eigenständige Großunternehmen hervorgegangen.

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Biotechmedikamente sind aufwendig in der Herstellung - haben aber eine hohe Wirksamkeit. Deshalb können sie auch zu besonders hohen Preisen vermarktet werden.

Dazu gehören neben Amgen unter anderem Biogen Idec, Gilead und Celgene mit Umsätzen von mehreren Milliarden Dollar und Börsenbewertungen in deutlich zweistelliger Milliardenhöhe. Dank dieser Flaggschiffe ist die US-Biotechindustrie nach wie vor global dominierend.

Unter den deutschen Biotech-Gründungen konnte sich bislang dagegen nur die Hildener Qiagen-Gruppe als eigenständiger und global erfolgreicher Diagnostikhersteller und Laborausrüster etablieren. Im Pharmabereich tun sich die jungen deutschen Biotechfirmen nach wie vor schwer, erfolgreiche Produkte zu entwickeln und die nötigen Finanzmittel für ihre Forschung zu sichern.

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