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01.08.2013

15:48 Uhr

Pharmariesen

Gewinne von Sanofi und AstraZeneca fallen

Europas Pharma-Platzhirsche verzeichnen wegen Patentverlusten und Währungseffekten teils zweistellige Umsatzrückgänge. Sanofi muss sogar seine Jahresprognose kassieren. Die Aktien der Konzerne verlieren deutlich.

Insulin-Produktion bei Sanofi im Werk in Frankfurt: Sieben Prozent weniger Gewinn prognostiziert. dpa

Insulin-Produktion bei Sanofi im Werk in Frankfurt: Sieben Prozent weniger Gewinn prognostiziert.

London/ParisPatentverluste und Währungseffekte haben die Gewinne der europäischen Pharmariesen Sanofi und AstraZeneca im abgelaufenen Quartal gedrückt. Der führende französische Arzneimittelhersteller Sanofi schraubte am Donnerstag deshalb sein Gewinnziel nach unten.

Sein britischer Rivale AstraZeneca bestätigte zwar seine Jahresprognose, rechnet aber nun mit einem stärkeren Anstieg der Kosten als bislang geplant. Das kam an der Börse nicht gut an: Sanofi-Papiere büßten zeitweise mehr als fünf Prozent ein, auch AstraZeneca-Aktien standen mit einem Kursminus von mehr als einem Prozent auf der Verliererliste.

Pharmabranche an der Patentklippe

Wichtige Patente laufen aus

Die Pharmabranche steht vor schwierigen Zeiten: Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Accenture werden bis zum Jahr 2015 rund 50 Blockbuster ihren Patentschutz verlieren – das sind Arzneien, die für mindestens eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr sorgen. Die Originalprodukte verlieren nach Patentablauf in der Regel massiv Marktanteile an die deutlich preisgünstigeren Nachahmer-Produkte der Generikahersteller.

Cholesterinsenker und Blutverdünner

Betroffen sind die Medikamente etlicher Pharmakonzerne. Etwa der Cholesterinsenker Lipitor, mit dem Pfizer einst mehr als 12 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr machte. Oder der Blutverdünner Plavix, der Sanofi und Bristol-Myers Squibb 2011 mehr als neun Milliarden Dollar in die Kassen spülte. Auch das Asthma-Mittel Singulair von Merck verliert seinen Schutz.

Generikahersteller profitieren

Von Ablauf der Patente profitieren die Hersteller von Generika: Sie dürfen die Arzneien kopieren und zu günstigen Preisen verkaufen. Das dämpft die Kosten – auch die Patienten profitieren davon.

Probleme mit dem Nachschub

Der Pharma-Industrie fällt es immer schwere, neue Blockbuster-Medikamente zu entwickeln. Das hat mit den strikteren Zulassungsbedingungen und den schärferen Kontrollen der Behörden zu tun. Ein Beispiel: Der deutsche Hersteller Merck stoppte das Multiple-Sklerose-Medikament Cladribin, weil es in mehreren Ländern keine Zulassung bekam.

Sanofi-Chef Chris Viehbacher geht jetzt für das Gesamtjahr von einem Gewinn aus, der sieben bis zehn Prozent geringer ausfallen wird als 2012. Bislang hatte er erwartet, dass die Ergebnisse stagnieren oder um höchstens fünf Prozent fallen werden.

Konkurrent AstraZeneca, die Nummer zwei der britischen Arzneimittelhersteller nach GlaxoSmithKline, rechnet zwar wie bisher mit einem prozentual mittleren bis hoch einstelligen Rückgang des Konzernumsatzes. Allerdings würden die Kosten 2013 nun stärker zulegen als bislang geplant. Der Gewinn werde im Vergleich zum Umsatz deutlich stärker zurückgehen. Manche Analysten werteten auch diese Aussagen als eine versteckte Prognosesenkung.

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