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04.03.2014

11:10 Uhr

Pharmariesen nähern sich an

Was die Wachablösung bei Roche bedeutet

An der Spitze des Pharmakonzerns steht jetzt, ähnlich wie Branchenkonkurrent Novartis, ein neuer Manager. Bislang war ein Austausch zwischen den beiden Konzerne keine Selbstverständlichkeit. Das könnte sich jetzt ändern.

Der Pharmakonzern Roche sitzt in Basel. Reuters

Der Pharmakonzern Roche sitzt in Basel.

ZürichEs könnte der Beginn einer neuen Ära im Verhältnis zweier Branchengrößen sein. Mit der Kür von Christoph Franz zum Präsidenten von Roche vollzieht rund ein Jahr nach Novartis auch der zweite Schweizer Pharmariese die Wachablöse an der Spitze des Verwaltungsrats. Die Geschicke der beiden Rivalen aus Basel werden dann künftig von deutlich jüngeren Managern gelenkt, die unbelastet von vergangenen Ereignissen miteinander reden können.

Erste Anzeichen für Tauwetter gibt es bereits: „Zwischen zwei Pharmakonzernen am gleichen Standort gibt es schließlich viele gemeinsame Themen“, sagte der vor einem Jahr zum Verwaltungsratschef von Novartis gewählte Jörg Reinhardt in einem Interview der Schweizer „SonntagsZeitung.“

Bislang war ein Austausch zwischen den Top-Managern der beiden Konzerne keine Selbstverständlichkeit. Das Verhältnis von Reinhardts Vorgänger Daniel Vasella und dem scheidenden Roche-Präsidenten Franz Humer galt als frostig, seit Vasella eine Beteiligung von knapp einem Drittel der stimmberechtigten Roche-Inhaberaktien aufgebaut hatte. Eine Aufgabe der beiden neuen Verwaltungsratschefs sehen manche Marktteilnehmer dann auch darin, diese Verflechtung wieder aufzulösen.

Die größten Pharmakonzerne nach Jahresumsatz

Platz 10

Teva (Israel)
20,3 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +/- 0 %

Pharma-Umsätze im Jahr 2013, Quelle: Unternehmen

Platz 9

Eli Lilly (USA)
21,0 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +1,9 %

Platz 8

Astra-Zeneca (Großbritannien)
25,7 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -8,1 %

Platz 7

Johnson & Johnson (USA)
28,1 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +10,9 %

Platz 6

Glaxo Smith Kline (Großbritannien)
33,5 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -1,3 %

Platz 5

Sanofi (Frankreich)
37,1 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -2,9 %

Platz 4

Merck (USA)
37,4 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -7,8 %

Platz 3

Roche (Schweiz)
39,0 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +3,9 %

Platz 2

Novartis (Schweiz)
47,5 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: +1,6 %

Platz 1

Pfizer (USA)
47,9 Milliarden Dollar

Veränderung zum Vorjahr: -6,5 %

„Kann schon sein, dass ein Mittelsmann von außen und Leute, die in dieser Sache keine Funktion hatten, die unvoreingenommen sind und eine neue Sichtweise mitbringen, dabei helfen können, den Ball ins Rollen zu bringen“, sagte Analyst Olav Zilian vom Broker Helvea. In Gesprächen mit Vertretern beider Unternehmen entstehe jedenfalls der Eindruck, dass jeder glücklich wäre, wenn Roche das Aktienpaket zurücknehmen würde, erklärte er.

Spekulationen, dass sich Novartis von dem umgerechnet gut elf Milliarden Euro schweren Roche-Anteil trennen könnte, machen die Runde, seit Vasella den Konzern vor einem Jahr verließ. Eile scheint sein Nachfolger Reinhardt damit allerdings nicht zu haben. „Die Aktien sind bei uns gut aufgehoben. Solange es bei Roche gut läuft, haben wir unsere Freude daran“, sagte er der „SonntagsZeitung“. Bei der Frage, ob Roche die Aktien zurückkauft, werden letzten Endes auch die Erben der Roche-Gründerfamilie Hoffmann-Oeri ein Wörtchen mitzureden haben. Sie kontrollieren den Konzern mit einer hauchdünnen Mehrheit von 50,01 Prozent der Stimmrechte.

Auf den früheren Bayer-Manager Reinhardt und sein Gegenüber am anderen Rheinufer bei Roche warten nach Einschätzung von Branchenkennern einige Herausforderungen. „Novartis hat noch einiges zu tun bei der Firmenstruktur“, sagte etwa Analyst David Kägi von der Bank J. Safra Sarasin. „Da gibt es bei Roche weniger Fragezeichen.“ Er glaube aber nicht, dass Reinhardt vor mehr Herausforderungen stehe, höchstens anderen.

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