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03.03.2006

07:27 Uhr

Piëch-Attacke

Pischetsrieder gibt nicht auf

Bernd Pischetsrieder stand zwei Tage lang in der Defensive. Die Angriffe des VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch beherrschten die Schlagzeilen. Doch wie das Handelsblatt erfahren hat, kommt für den VW-Chef Aufhören nicht in Frage, auch wenn Äußerungen vom Donnerstag so gewertet worden waren. Mittlerweile erscheint auch das Schweigen der Großaktionäre in einem anderen Licht.

Pischetsrieder hat den Kampf um den Chefsessel bei VW noch lange nicht aufgegeben. Foto: dpa

Pischetsrieder hat den Kampf um den Chefsessel bei VW noch lange nicht aufgegeben. Foto: dpa

hofFRANKFURT. „Es gibt keinerlei Anzeichen, dass Pischetsrieder seinen Vertrag frühzeitig lösen will. Er denkt nicht einmal daran“, heißt es aus der Zentrale von Europas größtem Autokonzern. Ein VW-Sprecher wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern.

Rückhalt bekommt Pischetsrieder von den Großaktionären Porsche und dem Land Niedersachsen. Ihr Schweigen sei nicht als mangelnde Unterstützung zu verstehen, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Dies sei mit allen so abgesprochen, um Spekulationen um Pischetsrieder zu vermeiden. An der Unterstützung durch Porsche-Chef Wiedeking und Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff bestehe für den VW-Chef kein Zweifel.

Dem Unternehmen hat die Attacke auf Pischetsrieder schon jetzt geschadet. Die VW-Aktie war mit einem Minus von mehr als 3,5 Prozent am Donnerstag größter Verlierer im Deutschen Aktienindex Dax . Aus dem Scharmützel um die Vertragsverlängerung „ziehen einige Anleger den Schluss, dass sich bei VW nicht alle auf die Restrukturierung konzentrieren, wenn noch Zeit für Nebenkriegsschauplätze bleibt“, kommentiert Autoexperte Patrick Juchemich von Sal. Oppenheim. Der Vertrauensvorschuss, der den Kurs zuletzt auf knapp 60 Euro gehievt hatte, habe wesentlich auf Absichtserklärungen beruht. „Wenn diese nicht mit Leben erfüllt werden, folgt die entsprechende Gegenreaktion“, erklärt Juchemich den Kursverfall.

Piëch hatte in einem Interview mit dem „Wall Street Journal Europe“ eine Vertragsverlängerung seines Nachfolgers in Frage gestellt. Das sei „wirklich eine offene Frage“, da die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat geschlossen gegen den amtierenden Vorstandsvorsitzenden votiere. Pischetsrieders Vertrag läuft 2007 aus. „Ich kenne keinen Vorstand in einem deutschen Unternehmen, der mit zehn Stimmen der Arbeitnehmerseite gegen sich überleben konnte“, hatte Piëch hinzugefügt. Branchenkenner werteten das als Versuch, Pischetsrieder zu beschädigen, dafür aber die Arbeitnehmer verantwortlich zu machen.

Pischetsrieder reagierte auf die Piëch-Attacke mit einem Interview in der „Financial Times“ (Donnerstagsausgabe). Auch er kenne keinen Vorstandschef, der gegen die komplette Arbeitnehmervertretung im Aufsichtsrat bestehen könne. Nach den dem Handelsblatt vorliegenden neuesten Informationen wollte der VW-Chef damit wohl zum Ausdruck bringen, dass er nicht von einem geschlossenen Veto von Betriebsräten und IG-Metall-Vertretern gegen seine Person ausgeht. Am Donnerstag war sein Zitat noch als Beleg dafür gewertet worden, dass der sich seiner Sache bei VW selbst nicht mehr sicher sei.

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