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27.01.2005

19:40 Uhr

Pierer überlässt Problem seinem Nachfolger

Handy-Geschäft überschattet Wechsel an Siemens-Spitze

Siemens-Chef Heinrich von Pierer tritt nach mehr als zwölf Jahren an der Konzernspitze mit einem deutlich über den Erwartungen liegen Quartalsgewinn ab. „Das Unternehmen ist insgesamt in einem sehr guten Zustand“, sagte Pierer am Donnerstag bei der Hauptversammlung in München. Trotzdem warten noch mehrere ungelöste Aufgaben auf den Nachfolger Klaus Kleinfeld.

Heinrich von Pierer wechselt in den Siemens-Aufsichtsrat. Foto: dpa

Heinrich von Pierer wechselt in den Siemens-Aufsichtsrat. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Im abgelaufenen Quartal steigerte Deutschlands größter privater Arbeitgeber den Gewinn stärker als erwartet, blieb aber einen konkreten Ausblick für das laufende Geschäftsjahr ebenso wie ein Lösungskonzept für das defizitäre Handygeschäft schuldig. Die Aktionäre lobten auf der Hauptversammlung von Pierer, der rund 35 Jahre bei Siemens tätig war, für sein Lebenswerk.

Unter dem Strich gebe es Chancen, das Konzernergebnis auf vergleichbarer Basis auch im laufenden Geschäftsjahr 2004/05 zu verbessern, sagte von Pierer, künftig Aufsichtsratschef, am Donnerstag in München. „Jedenfalls sind alle Anstrengungen darauf gerichtet.“ Die ertragsstarken Bereiche würden ihren Erfolgsweg fortsetzen. Auch die von Pannen geplagte Bahnsparte TS solle wieder schwarze Zahlen schreiben. Bei der Kommunikationssparte Com und dem IT-Dienstleister SBS gebe es jedoch Sonderlasten, die sich noch nicht beziffern ließen und damit eine genauere Prognose unmöglich machten.

Damit zieht sich die Restrukturierung des in zahlreichen Geschäftsgebieten tätigen Industriekonzerns weiter hin. „Es war enttäuschend, dass das Management keine Ausstiegsstrategie für das Handygeschäft vorgelegt hat“, sagte Bear Stearns-Analyst Axel Funhoff. Auch ein Umbaukonzept für SBS stehe aus. Siemens wollte bei dem Aktionärstreffen eigentlich einen konkreten Ausblick für das laufende Jahr präsentieren. Der US-Erzrivale General Electric (GE) hat für 2005 einen Gewinnanstieg um bis zu 15 % in Aussicht gestellt.

Von Pierer übergebe ein gut bestelltes Haus, sagte Daniela Bergdolt, Sprecherin der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), die den Manager noch vor fünf Jahren zum Abtritt aufgefordert hatte. „Ein „Sehr Gut mit einem Stern' würde der Benotung entsprechen.“ Henning Gebhardt, Fondsmanager bei der DWS, sprach von hervorragenden Leistungen. Allerdings bemängelten mehrere Redner die nur moderate Dividendenerhöhung und forderten eine Sonderausschüttung oder den Rückkauf von Aktien, um so den Kurs der Anteilsscheine zu heben. Im Gegensatz zu vielen anderen großen Konzernen gab es keinen Widerstand von Aktionärsschutzvereinigungen gegen den Wechsel Pierers vom Vorstandsvorsitz auf den Chefsessel im Aufsichtsrat.

Von Oktober bis November wies Siemens unter dem Strich einen Gewinn von einer (0,73) Milliarde Euro aus und übertraf damit die Schätzungen von Analysten. Allerdings war hierin ein Sondererlös von 208 Mill. € aus dem Verkauf von Juniper-Aktien enthalten. Der Umsatz sank um ein Prozent auf 18,17 Mrd. €. Als Ertragsperlen erwiesen sich einmal mehr die Bereiche Automatisierungstechnik (A&D), Kraftwerksbau (PG), der Automobilzulieferer VDO und die Medizintechnik (Med). Der neue Kommunikationsbereich Com, die mit 60 000 Mitarbeitern und 18 Mrd. Umsatz größte Sparte im Konzern, startete bereinigt um den Juniper-Ertrag mit einem Ergebniseinbruch auf 32 (Vorjahr 174) Mill. €.

Die Siemens-Aktie verlor nach Veröffentlichung der Zahlen zunächst bis zu 1,5 %, drehte dann ins Plus und notierte als größter Dax-Gewinner zwei Prozent fester bei 63 €.

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