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15.01.2014

16:33 Uhr

Pionierinnen der Wirtschaft

Mit den Waffen einer Frau

VonLukas Bay

Wenn Mary Barra heute den Chefsessel bei General Motors übernimmt, fällt die nächste Männerbastion. In vielen Branchen übernehmen Frauen das Regiment. Wie sich die Pionierinnen im Spitzenmanagement geschlagen haben.

GM-Chefin im Fokus

Frau schlägt PS: Mary Barra ist der Star der Automesse

GM-Chefin im Fokus: Frau schlägt PS: Mary Barra ist der Star der Automesse

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DüsseldorfFast hätte man die Hauptperson der diesjährigen Autoshow in Detroit übersehen. Neben dem GMC Canyon, einem riesigen Pick-Up-Truck, wirkte Mary Barra bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt doch etwas zierlich. Dabei gehört die kleine Frau neben dem großen Auto seit diesem Mittwoch zu den wichtigsten Automanagern der Welt. Als Chefin von General Motors ist sie die erste Frau an der Spitze eines globalen Autokonzerns und soll in den nächsten Jahren die Macht der Autojungs brechen.

Ihr Vorteil: Sie ist Pionierin, aber keine Exotin. Sie muss sich nicht erst in einer Männerwelt vorkämpfen, sondern ist längst akzeptiert. Die 52-Jährige hat bei General Motors alles von der Pieke auf gelernt. Vor mehr als 30 Jahren begann sie als Werksstudentin, legte einen Abschluss als Elektroingenieurin und Betriebswirtin nach – und arbeitete sich rasch hoch. 2011 übertrug ihr Vorgänger Dan Akerson ihr die Verantwortung für die Entwicklung neuer Autos, später auch für den Einkauf. Kurz: In ihrem Unternehmen kennt sie jeden Winkel.

Zehn Dinge, mit denen Frauen ihre Karriere riskieren

Lieber Spaß als Macht

Fragt man eine Frau: Was ist Ihnen an ihrem Job wichtig? Lautet die Antwort nicht, mein Firmenwagen, das üppige Gehalt oder der leistungsabhängige Bonus. Nein! Frauen wollen hauptsächlich Spaß an der Arbeit. Während 49 Prozent der Frauen sich ein freundliches Arbeitsumfeld wünschen und 44 Prozent Wert auf vielfältige Arbeitsaufgaben legen, sind nur 16 Prozent auf Prestige und 9 Prozent auf eine rasche Beförderung aus.

Keine Ellenbogenmentalität

Gerade in größeren Abteilungen müssen sich Mitarbeiter häufig gegen ihre Kollegen durchsetzen, um sich Gehör und Respekt beim Chef zu verschaffen. Doch gerade dieser interne Konkurrenzkampf gefällt vor allem Frauen nicht. Eine Umfrage von TNS Emnid und der Axa-Versicherung zeigt, dass über ein Drittel aller Frauen Angst vor dem Konkurrenzkampf mit Kollegen haben. Nur 15 Prozent ihrer männlichen Mitstreiter sorgen sich darum.

Übersteigerter Teamgeist

Teamfähigkeit gilt als einer der wichtigsten Soft-Skills und gerade Frauen bevorzugen diese Form des Arbeitens. Ein Experiment an der Universität Lyon hat gezeigt, dass Männer vor allem dann Teamarbeit nutzen, wenn sie in dem geprüften Bereich nicht so leistungsfähig sind. Frauen arbeiten generell lieber im Team, unabhängig davon wie stark sie selbst auf dem jeweiligen Gebiet sind. Eine durchaus positive Fähigkeit, solange die eigene Leistung nicht vom Können des Teams überschattet wird.

Falsche Studienwahl

Die karriererelevanten Studienfächer sind nach wie vor Wirtschaftswissenschaften, Jura und Ingenieurswissenschaften. Während bei den Wirtschaftswissenschaften im Wintersemester 2010 immerhin 45 Prozent der deutschen Studierenden weiblich waren und bei Jura sogar über die Hälfte, sieht es im Bereich der Ingenieurswissenschaften weiterhin düster aus. Die Maschinenbaustudiengänge verzeichneten gerade einmal einen Frauenanteil von neun Prozent. Bei Elektrotechnik waren es sogar nur sechs Prozent.

Zu wenig Selbstbewusstsein

Frauen verkaufen sich häufig unter Wert und trauen sich selbst viel zu wenig zu. Eine Studie des Beratungsunternehmens Accenture zeigt, dass Frauen sich selbst beschuldigen, wenn es um die Gründe für ihre schlechten Aufstiegschancen geht. 28 Prozent der befragten Damen sagen, ihnen fehlten die nötigen Fertigkeiten für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.  

Chefinnen unerwünscht

Nicht nur Männer wollen keine Frauen als Chef, sogar die weiblichen Arbeitnehmer sind von Frauen in Führungspositionen wenig überzeugt. Nur drei Prozent wollen eine Chefin. Neunmal so viele finden es besser einen Mann als Chef zu haben. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Meinungsforscher von Forsa.    

Rivalität unter Frauen

Damit in Zusammenhang könnte das Phänomen der Stutenbissigkeit stehen. Eine Studie der Universität Amsterdam belegt, dass Frauen zwar gut kooperieren können, aber nur so lange sie mit männlichen Kollegen zu tun haben. Sobald sie mit Frauen zusammenarbeiten sollen, ist es um den Teamgeist schlechter bestellt. Ein internationales Forscher Team setzte kürzlich sogar noch einen obendrauf. Sie fanden heraus, dass die Damen besonders schlecht miteinander können, wenn die jeweils andere bei den männlichen Kollegen gut ankommt. 

Über Geld spricht man nicht

Selbst Frauen in Führungspositionen verdienen immer noch deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung unter 12.000 Akademikern zeigt die Unterschiede. Ein männlicher Abteilungsleiter verdient etwa 5000 Euro monatlich, sein weibliches Pendant gerademal 3800 Euro. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen mit weniger zufrieden sind und andere Faktoren wichtiger finden.

Familie oder Beruf? Familie!

Zugegeben, es ist nicht einfach Familie und Karriere miteinander in Einklang zu bringen. 72 Prozent der Mütter von minderjährigen Kindern halten dieses Unterfangen für schwierig. Und die Mütter sind es letztendlich auch, die in Sachen Karriere den Kürzeren ziehen. Dafür verantwortlich sind die traditionellen Vorstellungen von Familie, die sowohl Männer als auch Frauen immer noch mit sich herumtragen. Während 2010 nur etwa 5 Prozent der Väter mit minderjährigen Kindern in Teilzeit arbeiteten, waren es über 68 Prozent der Mütter.  

Der fehlende Wille

Zu all diesen Karrierehemmnissen kommt ein zentraler Punkt hinzu. Viele Frauen wollen überhaupt nicht aufsteigen. Das Beratungsunternehmen Accenture fand heraus, dass nur jede fünfte Frau ihre Karriere überhaupt vorantreiben will. Ganze 70 Prozent sind mit ihrer aktuellen Position im Unternehmen zufrieden.

Es sind Frauen wie Mary Barra, die in der Wirtschaft derzeit noch eine Seltenheit sind. Frauen, die mit ihrem Fachwissen in Domänen vordringen, die bisher den Männern vorbehalten sind. Deutschen Autovorstände sind fast reine Männerrunden. Von den insgesamt 25 Vorständen bei BMW, Daimler und Volkswagen sind gerade einmal zwei weiblich: Milagros Caina Carreiro-Andree ist bei BMW für das Personal verantwortlich, Christine Hohmann ist Daimler-Vorstand für Integrität und Recht. Volkswagen verzichtet gleich ganz auf Frauen im Vorstand.

In puncto Gleichstellung kann die deutsche Wirtschaft offensichtlich noch viel von Amerika lernen. Der Anteil der Frauen in den Führungsetagen deutscher Dax-Unternehmen ist im vergangenen Jahr sogar noch gesunken, meldet das „Managerinnen-Barometer 2014“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Zum Jahresende 2013 waren lediglich zwölf Vorstandsposten von Frauen besetzt. Grund genug, vier Pionierfrauen vorzustellen – und Bilanz zu ziehen.

Kommentare (9)

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mon_yburns@central.banktunnel.eu

15.01.2014, 16:49 Uhr

Wann bekommt Frau Verteidigungsminsetrin UvDL endlich ihren vedinten Friedens-Nobelpreis? Für das in der amtszeit einen Angriff deshalb verhindert zu haben weil sie ihren Auftrag - in der Amstzeit neue Soldaten in die Wlet zu setzen - leisten muß. Auch Ministerin Schröders Beitrag bestand in erster Linie in genommener Elternzeit und des Engangements für eine Mütterrente. Sich schwängern lassen muß mindestens soviel wert sein wie beispielsweise die Entdeckung der Röntgenstrahlen!

mon_yburns@central.banktunnel.eu

15.01.2014, 16:53 Uhr

Wann bekommt Frau Verteidigungsminsetrin UvDL endlich ihren vedienten Friedens-Nobelpreis? Für das in der Amtszeit einen Angriff deshalb verhindert zu haben weil sie ihren Auftrag - in der Amtszeit neues Kanoenfutter in die Welt zu setzen - leisten muß und sich deshalb Angreifer bitteschön während einer Schwangerschaft zurückzuhalten haben. Wir erinnern uns: auch Ministerin Schröders Beitrag bestand in erster Linie in genommener Elternzeit und des Engangements für eine Mütterrente.

Sich schwängern lassen muß mindestens soviel wert sein wie beispielsweise die Entdeckung der Röntgenstrahlen!

abc

15.01.2014, 17:11 Uhr

Zitat: "die mit ihrem Fachwissen in Domänen vordringen, die bisher den Männern vorbehalten sind"

Hier stellt das HB eine Behauptung auf, der ich widerspreche. Es gibt in Deutschland keinen einzigen Beruf (außer katholischer Priester), der ausschließlich für Männer reserviert ist. Es gibt auch keine Branche oder Firma die Stellen ausschließlich für Männer reservieren.

Und das schon seit 1948, seit dem Zeitpunkt der Niederschrift des Grundgesetzes.

Was es gibt, ist eine lange Liste von Gründen weshalb Frauen _freiwillig_ und _ohne_Zwang_ keine Karriere machen wollen. Zum Beispiel weil Frauen lieber Teilzeit arbeiten, weil Frauen lieber "was mit Medien" machen, weil Frauen lieber Mütter werden.

Was es statt dessen gibt, ist eine ausufernde und allmählich masslos werdende Liste von Unterstützungen und (grundgesetzwidrige) Sonderlocken für Frauen. Zum Beispiel die Idee, Unternehmen und Behörden müssten Menschen nur deshalb einstellen, weil diese Menschen eine Vagina besitzen. Etwa das Professorinnen-Programm bei Hochschulen oder die gewünsche Frauenquote für Vorstände.

Es sind diese Sonderlocken für Frauen die frauenfeindlich sind und es sind die Unterstützer dieser Sonderbehandlung die frauenfeindlich sind. Denn die Unterstützer und Nutznießer der Frauen-Ungleich-Behandlung erklären damit, dass Frauen unfähig sind, es aus eigener Kraft nach ganz oben zu schaffen.

Und gegen ein solches Frauenbild verwehre ich mich.

Und ich verwehre mich dagegen, dass das Handelsblatt fleißige und mutige Frauen (wie etwa Beate Uhse aus Deutschland) dafür missbrauchen, um frauenfeindliche Quoten zu unterstützen.

Unternehmen benötigen Menschen die Leistungen erbringen, Unternehmen benötigen _keine_ Menschen deren einzige Qualifikation der Besitz eines bestimmten Geschlechtsorgans ist.

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