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09.01.2010

10:06 Uhr

PKW-Markt

Autozulieferer entdecken Indien

VonHelmut Hauschild

Die Branche nutzt die Messe in Neu-Delhi, um auf ihre neuen Werke auf dem Subkontinent aufmerksam zu machen.Besonders bei kleineren Mittelständlern ist ein regelrechter Wettlauf um Asiens drittgrößten Automarkt entbrannt. Doch die Branche gerät in den Preiskrieg.

Auch die Automobilzulieferer wollen den Boom nicht verpassen, den Experten Indien für das nächste Jahrzehnt voraussagen. dpa

Auch die Automobilzulieferer wollen den Boom nicht verpassen, den Experten Indien für das nächste Jahrzehnt voraussagen.

NEU-DELHI. Die krisengeplagte deutsche Autozulieferindustrie drängt nach Indien. Während in Europa und den USA das Geschäft am Boden liegt und brutales Kostenmanagement regiert, wird auf dem Subkontinent kräftig investiert. "Indien zählt neuerdings neben China zu den großen Hoffnungsträgern der Branche", beobachtet Klaus Bräunig, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA).

Besonders bei kleineren Mittelständlern ist ein regelrechter Wettlauf um Asiens drittgrößten Automarkt entbrannt, nachdem die Großen der Zulieferbranche zum Teil schon seit Jahrzehnten in Indien erfolgreich Geschäfte machen. Niemand will den Boom verpassen, den Experten dem Land für das nächste Jahrzehnt voraussagen. "Es wäre nachlässig, diese Chance ungenutzt zu lassen", erklärt Bernd Eppert, Vertriebsmanager des Solinger Sitzkomponentenherstellers C. Robert Hammerstein, warum sein Unternehmen trotz des Spardrucks daheim in wenigen Wochen ein Entwicklungszentrum im südindischen Bangalore eröffnen wird. Es ist das vierte für Hammerstein weltweit nach München, Detroit und Shanghai.

Starker Markt

Die Zahlen geben Eppert recht. 2009 stieg der Pkw-Absatz in Indien um 16 Prozent, und das ohne die Hilfe einer Abwrackprämie. Sogar das konjunktursensible Lkw-Geschäft erholt sich schon wieder von der Krise und wuchs um zwölf Prozent im dritten Quartal. Erstmals wurden damit in Indien mehr Autos verkauft als in Russland. Bis 2015, prognostiziert der Branchenverband Siam, werde sich der Pkw-Markt nahezu verdoppeln.

Kein Wunder, dass die deutschen Zulieferer und ihre indischen Tochterfirmen auf der vorgestern in Neu-Delhi eröffneten Auto Expo 2010, einer von Asiens drei Leitmessen für die Automobilindustrie, in Rekordstärke vertreten sind. Mit rund 30 Unternehmen stellt die deutsche Zulieferindustrie das größte Auslandskontingent, die Mehrzahl von ihnen hat zum Teil ehrgeizige Expansionspläne im Gepäck.

Der Mechatronik Brose-Zulieferer zum Beispiel will im Spätsommer dieses Jahres sein erstes Werk in Indien eröffnen. Dort werden zunächst elektrische Fensterheber hergestellt, weitere Produkte sollen folgen. Das Ziel sei es, in Indien die gesamte Wertschöpfungskette von der Entwicklung bis zur Endmontage abzudecken, kündigte Brose-Indien-Chef Ashwani Aggarwal auf der Auto Expo an. Im Visier hat der Coburger Zulieferer mit weltweit 13 500 Beschäftigten dabei nicht nur den Subkontinent. Auch für den Export soll das neue Werk produzieren. Laut VDA-Geschäftsführer Bräunig liegt Brose damit voll im Trend. Deutsche Zulieferer würden inzwischen bis zu 90 Prozent der in Indien gefertigten Teile in andere Märkte ausführen, beobachtet der Verbandsvertreter.

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