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02.06.2016

14:51 Uhr

PKW-Neuzulassungen steigen

Erholung am deutschen Automarkt – ohne VW

Während die Konkurrenz im Mai deutlich mehr Autos verkaufen konnte, sanken bei Volkswagen die Neuzulassungen – zumindest bei der Hauptmarke. Dafür steigert sich eine VW-Tochter kräftig.

Die VW-Hauptmarke kann an der Erholung des Automarkts nicht teilhaben. dpa

Neuwagen

Die VW-Hauptmarke kann an der Erholung des Automarkts nicht teilhaben.

HamburgVolkswagen kann wegen des Abgasskandals nicht von der Erholung am deutschen Automarkt profitieren. Während die Konkurrenz ihre Verkäufe im Mai teils kräftig steigerte, sanken die Neuzulassungen der Wolfsburger Hauptmarke VW binnen Jahresfrist um 0,6 Prozent. Insgesamt legte die Pkw-Nachfrage im vergangenen Monat um zwölf Prozent zu. Rund 287.000 Neuwagen kamen im vergangenen Monat auf die Straße, wie das Kraftfahrt-Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Mit ein Grund für den starken Zuwachs waren kalendarische Effekte. Der Mai hatte in diesem Jahr einen Arbeitstag mehr.

Neuerdings gehen wieder mehr Privatkäufer in die Schauräume der Autohändler. Bislang waren die Neuzulassungen vor allem wegen des guten Flottengeschäfts gewachsen. Seit Jahresbeginn stiegen die Neuregistrierungen um 6,8 Prozent auf knapp 1,4 Millionen Stück. Die Importeure erwartet für das Gesamtjahr nun 3,33 Millionen Neuzulassungen. Bisher hatte der Verband VDIK eine zum Vorjahr stabile Nachfrage von 3,2 Millionen Pkw prognostiziert.

Beliebteste Autoklassen bei Privatkäufern

Kompaktklasse nur noch knapp vor SUV

Wer sein Auto selbst zahlt, kauft besonders gern ein SUV. Rund jeder vierte auf eine Privatperson zugelassene Neuwagen war 2015 einer der modischen Crossover. Der Kompaktklasse – seit Jahrzehnten Spitzenreiter in der Beliebtheit – droht Rang zwei. Eine Übersicht der beliebtesten Pkw-Segmente bei privaten Neuwagenkäufern ....

Rang 6

Die Mittelklasse – im Gesamtmarkt immerhin auf Rang vier der beliebtesten Klasse – kommt bei den Privatkunden erst auf Platz sechs. Gerade mal 18,9 Prozent der Halter im Segment von VW Passat und Co. sind natürliche Personen aus Fleisch und Blut. Geringer ist die Quote nur in der oberen Mittelklasse (17,3 Prozent) und in der Oberklasse (13,8 Prozent).

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr rund 1,1 Millionen Neuwagen auf Privatpersonen zugelassen. Das entspricht einem Anteil von 34,2 Prozent am Gesamtmarkt von 3,2 Millionen Pkw.

Rang 5

Vans fand 2015 genau 84.631 Privatkunden: Bei den prototypischen Familienautos hätte man vielleicht einen höheren Privatkundenanteil als mäßige 32 Prozent erwarten können. Aber für junge Familien sind die praktischen Pampers-Bomber als Neuwagen häufig zu teuer, sind die Kinder größer und die Festgeldkonten voller, fährt man häufig lieber Limousine oder SUV als einen klobigen Van.

Ein einziges Modell fällt aus dem Rahmen: der sehr günstige Dacia Lodgy (ab 9.990 Euro) mit fast 80 Prozent Privatkunden – was die oben aufgeführte These letztlich stützt.

Rang 4

Kleinstwagen mit 89.317 Privatkunden: Lediglich jeder dritte Kleinstwagenkäufer bestellt das Fahrzeug auf eigene Rechnung. Größer ist der Anteil bei den besonders preisgünstigen Modellen.

So lassen beispielsweise rund 70 Prozent der Käufer eines Suzuki Celerio (zurzeit ab 9.690 Euro, 2015 zwischenzeitlich aber auch mal unter 7.000 Euro) das Fahrzeug privat zu.

Bei teureren Lifestyle-Modellen wie dem Fiat 500 oder dem Opel Adam ist das Verhältnis umgedreht.

Rang 3

Kleinwagen, 208.053 Privatkunden: Die Kleinwagen-Klasse ist ein typisches Privatkundensegment. Als Dienstwagen-Bonbon für das mittlere Management tendenziell zu klein, als Arbeitsgerät für Pizza-Kuriere tendenziell zu groß. Resultat ist ein weit überdurchschnittlicher Privatkundenanteil von 44 Prozent.

Rang 2

SUV, mit 253.186 Privatkunden in 2015: Während die SUV im Gesamtmarkt noch knapp eine Viertelmillion Neuzulassungen hinter der Kompaktklasse liegen, haben die Crossover auf dem privaten Markt schon ziemlich aufgeholt.

Der Privatkäuferanteil von 42 Prozent ist in der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) der höchste hinter Wohnmobilen (64 Prozent) und Kleinwagen (44 Prozent).

Rang 1

Kompaktklasse (292.597 Privatkunden): Immer noch das populärste Fahrzeugsegment der Deutschen, auf dem Privatkundenmarkt aber zunehmend unter Druck (siehe Rang zwei). Rund 65 Prozent der 2015 neu zugelassenen Fahrzeuge sind auf eine Firma angemeldet.

Vor allem die deutschen Hersteller engagieren sich stark im Flottenmarkt, beim VW Golf geht nicht einmal jedes dritte Auto an eine Privatperson.

Die Konkurrenten nutzen die Schwäche von VW offenbar, um durch Rabatte Kunden abzuwerben. „Derzeit findet in Deutschland ein erbitterter Kampf um Marktanteile statt, der in erster Linie über den Preis ausgetragen wird“, sagte Autoexperte Peter Fuß von Ernst & Young. Handel und Hersteller böten derzeit hohe Preisabschläge an. Obendrein trieben sie die Verkäufe durch taktische Zulassungen in die Höhe. Dabei lassen Hersteller und Händler Autos vorübergehend auf sich selbst zu und verkaufen sie anschießend mit hohen Preisabschlägen. „Die anderen Hersteller wollen VW Kunden abjagen“, sagte auch Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer. Allerdings sei der Markt insgesamt schwierig. Inzwischen hätten sich die Kunden an Rabatte gewöhnt. VW selbst gewähre hohe Preisabschläge, um nicht noch stärker ins Hintertreffen zu geraten.

Am stärksten unter den deutschen Automarken steigerte sich die VW-Tochter Audi, deren Zulassungen im Mai um 27 Prozent anschwollen, dicht gefolgt von der GM -Tochter Opel, die um knapp 26 Prozent zulegte. Auch die französischen Rivalen Peugeot (plus 21,2 Prozent) und Renault (37,9 Prozent) legten kräftig zu. BMW verkaufte 14,8 Prozent mehr von seinen Fahrzeugen als vor Jahresfrist. Deutlich schwächer war der Zuwachs bei Mercedes-Benz mit plus 5,6 Prozent.

Von

rtr

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