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16.01.2008

12:19 Uhr

PKW-Produktion

Mercedes forciert Entscheidung über Werk in Osteuropa

VonCarsten Herz

Neue Fabriken im Ausland sollen den deutschen Herstellern helfen, ihre Kosten zu senken. Getrieben von den eigenen Renditezielen will jetzt auch Mercedes über eine neue Produktionsstätte im Osten entscheiden. Langfristig soll eine Umstellung der Produktionssysteme massive Einsparungen ermöglichen.

Mercedes-Chef Dieter Zetsche auf der Automesse in Detroit. Foto: dpa dpa

Mercedes-Chef Dieter Zetsche auf der Automesse in Detroit. Foto: dpa

DETROIT. Daimlers Nobelmarke Mercedes-Benz wird schneller als erwartet über eine Fabrik in Osteuropa entscheiden. „Eine Entscheidung über ein mögliches Werk in Osteuropa für zusätzliche Produktionskapazitäten für die kommende Generation der A- und B-Klasse werden wir bis zum zweiten Quartal dieses Jahres fällen“, sagte Mercedes-Produktionsvorstand Rainer Schmückle am Rande der Detroit Auto Show dem Handelsblatt.

Bisher hatte der Autohersteller lediglich davon gesprochen, dass die Frage eines Werks in Osteuropa frühestens 2008 konkreter werde. Bisher wird die A- und B-Klasse allein im Werk Rastatt gebaut. Daimler erwägt als neue Variante für die nächste Generation der A- und B-Klasse einen kleinen Geländewagen unterhalb des neuen, in Detroit vorgestellten Mercedes GLK, der auf der C-Klasse basiert. Das sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche in Detroit.

Mercedes ist einer der wenigen PKW-Hersteller, die keine eigene Fahrzeugfabrik in Osteuropa haben. Die Region gilt sowohl als großer Absatzmarkt als auch kostengünstiger Produktionsstandort. Mercedes-Rivale Audi lässt seine Q7- und TT-Baureihen sowie Motoren längst im ungarischen Györ und in Bratislava in der Slowakei fertigen. Ein Mercedes-Werk in Osteuropa würde sich in die Strategie der Stuttgarter fügen, mit Mercedes-Benz Cars bis 2010 die operative Umsatzrendite auf zehn Prozent zu steigern. Um das Ziel zu erreichen, gebe es bei einigen Modellreihen noch Verbesserungsbedarf. Vor allem im Kompakt-Segment sieht Schmückle noch Nachholbedarf: „Bei der A- und B-Klasse sind wir noch nicht bei zehn Prozent, da gibt es für uns noch einiges zu tun.“

Neben anderen Maßnahmen sollen weitere Produktivitätsfortschritte die Margen weiter verbessern, sagte Schmückle. So habe die Mercedes-Gruppe 2007 ihre Effizienz um weitere zehn Prozent gesteigert, nach einem Plus von zwölf Prozent im Vorjahr. „Rund zwei Drittel des Weges haben wir damit bereits hinter uns.“

Das Renditeziel wird allerdings von der Konkurrenz aus München spitz kommentiert. „Wir haben uns ein realistisches Renditeziel gesetzt und streben nicht zehn Prozent um jeden Preis an, egal wie die Währungen bis dahin stehen“, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer dem Handelsblatt. Die Bayern haben sich statt dessen einen Korridor für die operative Rendite im Autogeschäft bis 2012 von acht bis zehn Prozent gesetzt. Derzeit sind es nicht einmal sechs Prozent. Auf dem Weg zu einer höheren Profitabilität schreckt das neue BMW-Management deshalb inzwischen auch vor einem Kulturbruch im Hause nicht mehr zurück und prüft einen umfangreichen Abbau von Stellen.

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