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17.09.2012

14:55 Uhr

Pläne gestoppt

OMV fördert kein Schiefergas in Österreich

Kein Fracking in Österreich: Der Öl- und Gaskonzern OMV will nicht mehr nach Schiefergas bohren. Grund dafür ist eine Gesetzesnovelle. Sie schreibt für jede Probebohrung eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor.

Umstrittenes Fracking: OMV wird nicht mehr nach Gas bohren. Reuters

Umstrittenes Fracking: OMV wird nicht mehr nach Gas bohren.

WienDer österreichische Öl- und Gaskonzern OMV gibt seine Pläne für die umstrittenen Bohrungen nach Schiefergas in Österreich auf. „Wir haben schon seit einigen Monaten die Arbeit eingestellt. Derzeit gibt es keine weiteren Pläne zum Thema Schiefergas in Österreich“, sagte OMV-Manager Christopher Veit am Montag. Grund dafür ist eine Gesetzesnovelle, die für jede Schiefergas-Probebohrung eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorschreibt. Weil der OMV damit die nötige Klarheit fehle, ob die kostspieligen Projekte auch umgesetzt werden könnten, rentiere sich das Vorhaben nicht mehr, erklärte der Konzern.

OMV wollte im kommenden Jahr im niederösterreichischen Weinviertel Probebohrungen starten, die etwa 130 Millionen Euro gekostet hätten. Umweltschützer hatten jedoch gegen das Vorhaben protestiert.

Was hinter „Fracking“ steckt

„Fracking“ - umstrittene Förderung von Erdgas

Das umstrittene „Fracking“ wird seit mehreren Jahrzehnten zur Gewinnung von Erdgas aus Gesteinsporen eingesetzt. Bei dem „Hydraulic Fracturing“ wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen.

Künstliche Fließwege

Um das Gas fördern zu können, werden künstliche Fließwege geschaffen. Dazu wird ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, so dass Risse im Gestein entstehen. Durch sie entweicht das Gas und gelangt schließlich an die Oberfläche.

Gefahr für das Grundwasser

Unter den Chemikalien sind auch gefährliche Stoffe, die bei unsachgemäßer Verwendung Mensch und Umwelt gefährden können. Kritiker weisen darauf hin, dass der Chemikalien-Cocktail bei Bohrpannen oder dem Durchstoßen von Wasserspeichern ins Grundwasser gelangen kann. Auch das Umweltbundesamt äußert Bedenken.

Beherrschbarkeit des Verfahrens

Energiekonzerne wie ExxonMobil betonen dagegen die Beherrschbarkeit des Verfahrens: Jeder Eingriff („Frac“) werde durch eine stabile Ummantelung der Bohrung von der Umwelt getrennt.

Lagerstätten in Deutschland

In Deutschland wird das Gas in „unkonventionellen Lagerstätten“ vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nord-Hessen und dem Oberrheingraben vermutet.

... und in der Welt

Über das weltweit größte Vorkommen verfügt laut einer Studie des US-Energieministeriums China, danach kommen die USA und Argentinien. In den USA sind die Energiepreise durch die massive Erschließung von Gasvorkommen eingebrochen - allerdings gibt es Berichte über massive ökologische Folgen.

Bei der in den USA bereits weitverbreiteten Fracking-Technologie wird eine mit Chemikalien versetztes Mischung aus Wasser und Sand in den Boden gepresst, um so Gas durch sehr kleine Risse im Gestein zu fördern. Kritiker verweisen darauf, dass die entstehenden Abwässer Chemikalien enthalten, die das Trinkwasser verunreinigen könnten.

Auch in Deutschland prüfen Unternehmen wie der US-Energiekonzern Exxon oder die BASF -Tochter Wintershall den Abbau von Schiefergas. In den USA hat die vergleichsweise neue Fördermethode den Gasmarkt revolutioniert. Durch die plötzlich abbaubaren Reserven fielen die Gaspreise dort auf rund ein Viertel des Niveaus in Europa.

Von

rtr

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