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17.09.2013

12:35 Uhr

Plastiksparte

Bayer spart im Kunststoffgeschäft

Das Geschäft mit Hightech-Kunststoffen für Stadiondächer, Autoteile und DVDs ist von Überkapazitäten und hohen Energie- und Rohstoffkosten gezeichnet. Deswegen verordnet Bayer seiner Plastiksparte einen Sparkurs.

Bayer spart im Kunststoffgeschäft. Hohe Rohstoffpreise und Überkapazitäten führte zu widrigen Marktbedingungen. dpa

Bayer spart im Kunststoffgeschäft. Hohe Rohstoffpreise und Überkapazitäten führte zu widrigen Marktbedingungen.

LeverkusenBayer -Chef Marijn Dekkers nimmt sich die Plastiksparte des Konzerns vor: Sie wirft ihm zu wenig Gewinn ab. "Deshalb müssen wir weiter Kosten sparen und noch effizienter werden", sagte Dekkers am Montagabend in Leverkusen. Die Marktbedingungen seien widrig - es gebe branchenweit zu viele Fabriken, Energie- und Rohstoffkosten seien hoch. Weil der wichtige chinesische Markt langsamer wachse, könnten die Kosten nur schwer in höhere Preise umgemünzt werden. "Es gibt Gespräche mit Arbeitnehmervertretern", sagte Dekkers.

Bayer hatte 2009 im Zuge der Wirtschaftskrise sein Kunststoffgeschäft stark umgebaut. "Deshalb hat es in den letzten fast vier Jahren keine Umstrukturierungen und Arbeitsplatzverluste gegeben", erklärte Dekkers. Ob bei den neuen Sparschritten Jobs gestrichen werden, wollte Dekkers nicht sagen. "Das besprechen wir intern." Die neuen Sparschritte würden aber nicht massiv ausfallen: "Kleine Anpassungen, aber nichts Großes." Die wirtschaftliche Lage der Sparte werde sich wieder aufhellen: "Wir rechnen allerdings damit, dass sich in den nächsten zwei, drei Jahren die Margen wieder verbessern, da die Auslastung der Anlagen zulegen dürfte", sagte Dekkers.

150 Jahre Bayer

Anfänge als Farbenfabrik

Die Geschichte des Weltkonzerns Bayer beginnt 1863 in Wuppertal-Barmen. Der Kaufmann Friedrich Bayer und der Färber Johann Friedrich Weskott gründen die Firma „Friedr. Bayer et. comp.“. Sie stellt zunächst synthetische Farbstoffe her.

Expansion und Umzug

Das Unternehmen wächst schnell, ebenso die Produktpalette – etwa um ein Medikament namens Aspirin. Bereits 1881 wird die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die „Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co.“. Im Zuge der Expansion zieht das Unternehmen 1912 nach Leverkusen um, dem heutigen Hauptsitz.

Die Wirren der Weltkriege

Weil Deutschland während des Ersten Weltkriegs international isoliert ist, schließen sich 1916 Bayer, BASF und Agfa zu einer Interessensgemeinschaft zusammen, die beispielsweise die schlechte Versorgung mit Rohstoffen verbessern soll. 1925 fusionieren die Unternehmen zur I.G. Farbenindustrie AG. In der NS-Zeit ist die IG Farben eng mit dem Regime verknüpft.

Neustart ins Wirtschaftwunder

Nach Kriegsende lebt Bayer als eigenständiges Unternehmen wieder auf: 1951 wird nach Zustimmung der Alliierten die „Farbenfabriken Bayer AG“ neu gegründet. Die Firma profitiert vom Wirtschaftswunder und expandiert bald auch international. Sie entwickelt und vermarktet chemische Produkte, Kunststoffe, Arzneien und Pflanzenschutzmittel.

Großer Umbruch

1999 trennt sich Bayer von seiner Tochter Agfa, 2005 von großen Teilen des Chemiegeschäfts, die inzwischen unter dem Namen Lanxess eigenständig weitergeführt werden. Ausgebaut hat der Konzern hingegen das Geschäft mit Gesundheit und Agrarwirtschaft, unter anderem durch den Zukauf der Crop-Science-Sparte von Aventis sowie der Übernahme von Schering.

Die Leverkusener hatten Ende Juli nach einem Gewinneinbruch die Prognose für die Sparte Material-Science gesenkt. Im zweiten Quartal lag die bereinigte operative Rendite des Geschäftsfelds nur bei 9,5 Prozent - ein Jahr zuvor fuhr Bayer noch 13 Prozent ein. Bayer ist der weltgrößte Hersteller von Polycarbonat-Kunststoffen mit einem Marktanteil von etwa 27 Prozent. Auch bei Polyurethan-Schaumstoffen ist Material-Science mit 20 bis 24 Prozent führend. Die Kunststoffe werden in Stadiondächern, Autoteilen, DVDs und Polsterungen verwendet. Bayer konkurriert im Polycarbonat-Geschäft unter anderem mit dem saudiarabischen Chemieriesen Sabic, bei Polyurethanen ist BASF ein großer Rivale.

Der Bayer-Chef bekräftigte, er wolle die Konzerngeschäfte über kleinere und mittelgroße Zukäufe ausbauen. Insgesamt gab Bayer laut Dekkers seit 2011 mehr als 2,1 Milliarden Euro für Übernahmen aus. Dazu kämen "erhebliche Summen" für Forschung und Entwicklung. "Wir planen im Zeitraum 2013 bis 2015 rund 18 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung sowie für Investitionen in Sachanlagen auszugeben", sagte Dekkers. 2012 waren es rund fünf Milliarden Euro. "Diese Summe ist nicht ungewöhnlich für ein Unternehmen der Pharmabranche", sagte NordLB-Analyst Thorsten Strauß.

Im Arzneimittelgeschäft und im Agrochemie-Bereich laufen die Geschäfte momentan auf Hochtouren - auch dank neuer Arzneien wie dem Thrombose-Hemmer Xarelto. So hatte Bayer seine Prognose für den Umsatz seiner wichtigsten neuen Medikamente im laufenden Jahr unlängst auf rund 1,4 von 1,0 Milliarden Euro angehoben. Zudem geht Bayer davon aus, dass neue Agrarchemie-Produkte, die zwischen 2011 und 2016 auf den Markt kommen, Spitzenumsätze von zusammen mindestens vier Milliarden Euro erzielen können. Bayer will beispielsweise 2015 neue Reis-Sorten auf den Markt bringen, die widrige Umweltweinflüsse besser verkraften können.

Von

rtr

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