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05.10.2012

17:50 Uhr

Platinwerk in Südafrika

Massenkündigung per SMS und E-Mail

Wilde Streiks in einer Platinmine in Südafrika haben Konsequenzen für die Beschäftigten. Der Betreiber Anglo American Platinum beklagt Einnahmeausfälle in zweistelliger Millionenhöhe und verkündet daher Entlassungen.

Verbrannte Autos vor dem Gelände der Platinmine von Anglo American Platinum in Rustenburg, Südafrika. AFP

Verbrannte Autos vor dem Gelände der Platinmine von Anglo American Platinum in Rustenburg, Südafrika.

JohannesburgDer größte Platinhersteller der Welt, Anglo American Platinum, hat 12 000 streikende Minenarbeiter entlassen. Nach drei Wochen wilder Streiks habe das Unternehmen Verluste in Höhe von 700 Millionen Rand (etwa 64 Millionen Euro) zu beklagen, heißt es in der am Freitag veröffentlichten Begründung des Unternehmens in Johannesburg.

Die Mitarbeiter seien per Mail oder SMS gekündigt worden, sagte der Streikführer Gaddafi Mdoda am Freitag. Der größte Platinproduzent der Welt betrachte die Streiks als illegal. Eine Sprecherin des Minenbetreibers wollte sich zu der Angelegenheit nicht äußern.

Mdoda kündigte am Freitag an, die Minenarbeiter würden ihren Streik trotz ihrer Kündigung fortsetzen. Seit dem 12. September befinden sich mindestens 20.000 Minenarbeiter von Anglo American Platinum im Ausstand. Die Streikenden fordern einen monatlichen Nettolohn in Höhe von 12.500 Rand (1.150 Euro).

Lediglich etwa 20 Prozent der Beschäftigten seien in den vergangenen Wochen zur Arbeit in den Minen von Rustenburg erschienen, so Anglo American Platinum. Die Produktion habe weitgehend eingestellt werden müssen. Nachdem etwa 12 000 Arbeitnehmer nicht zu den verschiedenen Disziplinar-Anhörungen und Gesprächen mit Firmenvertretern erschienen seien, würden diese nun entlassen, hieß es in der Stellungnahme des Unternehmens. Die Kumpel wollten mit ihrer Arbeitsniederlegung deutlich höhere Löhne durchsetzen.

Seit Monaten toben in Südafrika erbitterte Arbeitskämpfe in verschiedenen Sektoren. Derzeit erschweren Streiks der LKW-Fahrer und Transportarbeiter Geschäfte und Handel in vielen anderen Wirtschaftsbereichen. Auch Goldminen werden bestreikt. Bei schweren Zusammenstößen mit der Polizei sowie Gewalttaten gegen Sicherheitskräfte sind seit August etwa vier Dutzend Menschen getötet worden.

Südafrikas Präsident Jacob Zuma hatte angesichts der zahlreichen Arbeitskämpfe erst am Donnerstag vor wachsender Instabilität gewarnt. „Wir sollten nicht den Eindruck erwecken, eine Nation zu sein, in der ständig gekämpft wird“, sagte er vor Wirtschaftsvertretern in Johannesburg. Südafrika befinde sich derzeit wegen der Arbeitskämpfe „in einer schwierigen Periode“. Frieden und Stabilität seien aber unverzichtbare Bedingungen für Entwicklung und Stabilität.

Konflikte zwischen Minenarbeitern und der Polizei einer anderen Platinmine nahe Rustenburg hatten in den vergangenen Wochen für Aufsehen gesorgt, da es zu Konflikten mit der Polizei und etlichen Todesfällen gekommen war.

Kommentare (4)

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Analyst

05.10.2012, 20:34 Uhr

Wer nicht arbeitet fliegt raus - richtig so! Sollen sie doch ihre eigene Mine aufmachen.

IndianaJones

05.10.2012, 22:13 Uhr

Die Ausbeutung der Arbeiter läuft dort schon viel zu lange! Südafrika ist wohl eines der letzten Länder, die nun bald die Arbeitsversklaerei abschaffen werden.

StefanEltmann

11.11.2012, 20:35 Uhr

Kann es illegale Streiks überhauüt geben? JA, wenn sie von STAATLICHEN Bediensteten erfolgen, die einen Kündigungsschutz genießen. - Alle anderen Formen von Streiks sind ein fundamentales Menschenrecht.

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