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25.11.2011

15:18 Uhr

Pleite zu Weihnachten

6.600 Arbeitsplätze bei Manroland in Gefahr

Der weltweit drittgrößte Druckmaschinenhersteller Manroland hat Insolvenz beantragt. Rund 6.600 Beschäftigte müssen einen Monat vor Weihnachten um ihre Jobs fürchten. Auch der Konkurrenz steht das Wasser bis zum Hals.

Einige hundert Mitarbeiter von Manroland ziehen in Offenbach vor das Werkstor und blockieren eine wichtige Durchgangsstraße. dpa

Einige hundert Mitarbeiter von Manroland ziehen in Offenbach vor das Werkstor und blockieren eine wichtige Durchgangsstraße.

München/OffenbachEs ist seit Arcandor die größte Pleite in Deutschland innerhalb der letzten beiden Jahre: Der angeschlagene Druckmaschinenhersteller Manroland hat beim Amtsgericht in Augsburg einen Insolvenzantrag einreicht, nachdem die Verhandlungen mit einem potenziellen Investor auf der Zielgerade gescheitert sind. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Werner Schneider bestimmt.

Manroland will das Insolvenzverfahren für einen grundlegenden Umbau nutzen und möglichst viele Einheiten sanieren. „Bei aller Enttäuschung über den einzuschlagenden Weg bietet das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hinreichend Chancen, weil das Unternehmen überzeugende Produkte, das nötige Know-how und eine exzellente Mannschaft hat“, teilte der Konzern in Augsburg mit und bestätigte damit erstmals selbst die Pleite des traditionsreichen Unternehmens. „Auslöser für den Insolvenzantrag ist der erneute dramatische Einbruch im Auftragseingang, der seit Mitte Juli zu beobachten ist und sich zuletzt beschleunigt hat“, heißt es in der Mitteilung. Zudem klagten viele Kunden infolge der Finanzkrise über Schwierigkeiten, Aufträge finanzieren zu können.

Die größten deutschen Firmenpleiten

Platz 16

Schlott

Druckerei/1480 Beschäftigte

(Quelle: Statista)

Platz 15

Hansa

Pflegeheim/1600 Mitarbeiter

Platz 14

Mäc Geiz

Discounter/1600 Mitarbeiter

Platz 13

Sellner

Autozulieferer/1600 Mitarbeiter

Platz 12

Escada

Modekonzern/2200 Mitarbeiter

Platz 11

Q-Cells

Solarindustrie/2300 Mitarbeiter

Platz 10

Schiesser

Textilhersteller/2300 Mitarbeiter

Platz 9

Edscha

Autozulieferer/2300 Mitarbeiter

Platz 8

Wadan-Werften

Schiffsbau/2400 Mitarbeiter

Platz 7

Honsel

Autozulieferer/3000 Mitarbeiter

Platz 6

Karmann

Autozulieferer/3400 Mitarbeiter

Platz 5

Quimonda

Chiphersteller/4600 Mitarbeiter

Platz 4

Manroland

Maschinenbauer/6500 Mitarbeiter

Platz 3

Woolworth

Kaufhaus/9300 Mitarbeiter

Platz 2

Schlecker

Drogeriekette/25.000 Mitarbeiter

Platz 1

Arcandor

Handel und Touristik/52.000 Mitarbeiter

Damit müssen rund 6600 Beschäftigte des seit Jahren kriselnden Konzerns um ihre Arbeitsplätze bangen. Die Mitarbeiter sollen bereits für den November keine Löhne und Gehälter mehr ausgezahlt bekommen. Das berichtete die Betriebsrätin des Werkes Offenbach, Alexandra Roßel, am Freitag nach der Betriebsversammlung, die in einen Protestzug mündete. Wegen mangelnder Auftragslage hat der Konzern im Oktober die Arbeitszeiten am Stammsitz in Offenbach verkürzt und an den beiden weiteren Standorten in Augsburg und Plauen wird bereits seit März 2009 kürzer gearbeitet.

Hoffnungsschimmer für die Konkurrenz

Während um den einen die Geier kreisen, steigen an der Frankfurter Börse die Kurse des ebenfalls gebeutelten Rivalen Heidelberger Druck zeitweise um bis zu zehn Prozent. Eine Insolvenz von Manroland würde einen Konkurrenten aus dem Markt nehmen, erklärten Händler diese Reaktion. Auch die Papiere des Würzburger Unternehmens Koenig & Bauer (KBA) zogen an der Börse um mehr als fünf Prozent an. Die Wettbewerber hatten unter dem Preiskampf gelitten, den Manroland angezettelt hatte, um an Aufträge und frisches Geld zu kommen. Eine Marktbereinigung wäre dringend nötig, hieß es in Branchenkreisen.

Kommentar: Manroland scheitert an seiner Eitelkeit

Kommentar

Manroland scheitert an seiner Eitelkeit

Die Pleite des Druckmaschinenherstellers Manroland war vermeidbar. Dass es soweit kam, hängt zu weiten Teilen von strukturellen Problemen ab - aber auch an den Besonderheiten der Branche.

Seit längerem haben der Allianz-Investor Allianz Capital Partners (ACP) und MAN nach einem Käufer für das kriselnde Unternehmen gesucht - bislang ohne Erfolg. ACP hält 75 Prozent der Anteile und 65 Prozent der Stimmrechte. Ein Viertel der Anteile und 35 Prozent der Stimmrechte liegen bei MAN. Möglicherweise suchen beide Partner nun die Lösung in einem Insolvenzverfahren.

Die IG Metall wirft den Anteilseignern mangelnde finanzielle Hilfe vor. Die Alteigentümer seien nicht zu weiterer Unterstützung bereit gewesen, nachdem sich ein möglicher Investor überraschend zurückgezogen hatte, erklärte der stellvertretende Manroland-Aufsichtsratvorsitzende Jürgen Kerner am Freitag in Frankfurt. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat seien bestürzt über die Entscheidung. „Ein Unternehmen mit über 160-jähriger Geschichte und tausenden hochqualifizierten Beschäftigten kann man nicht einfach abschreiben“, sagte auch Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler. Unternehmen, Staatsregierung und Gewerkschaften müssten nun an einen Tisch.

Kommentare (12)

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Euroskeptiker

25.11.2011, 13:22 Uhr

lt. Wirtschaftpresse steht bereits ein Sanierungsplan:

Die Hälfte der Schulden werden erlassen
Die zukünftige Finanzierung wird durch Staatsbürgschaften sichergestellt
Der Bund kurbelt mit Direktinvestionen den Umsatz an

ach so, falsch gelesen: so werden wir ja die Griechen durchpäppeln

naja, die haben auch ein solides Wirtschaftsmodell mit leistungsfähigen Produkten und hochqualifizierten Arbeitern, da macht das ja Sinn ...

moneyman

25.11.2011, 13:54 Uhr

Herr Brüderle, wo ist bei dieser Firma der XXL Aufschwung?

XXL Aufschwung doch nur ein Märchen?

Oder besser gesagt" abba s had uch bositife Imbulse, is ne Misschungsfeia, son Sammelsuium, Bauhladen, teil ds Bauhladen is gut, vi pei Wurstmaxe nteil schmeggt nicht"

Account gelöscht!

25.11.2011, 14:04 Uhr

Danke für diese schöne Ironie. Konnte mir ein sattes Grinsen nicht verkneifen... :-))

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