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13.06.2013

20:38 Uhr

Porsche-Betriebsrat

Hück fordert Tarif-Bonus für Gewerkschafter

„Wer etwas haben möchte, muss einen Beitrag leisten“, sagt der Porsche-Betriebsratsvorsitzende Uwe Hück. Er findet es ungerecht, wenn nur einige Arbeitnehmer kämpfen, am Ende aber alle profitieren wollen.

Der Konzernbetriebsratschef der Porsche AG, Uwe Hück: Gewerkschaftsmitglieder sollen einen Bonus bekommen. dpa

Der Konzernbetriebsratschef der Porsche AG, Uwe Hück: Gewerkschaftsmitglieder sollen einen Bonus bekommen.

StuttgartDer Betriebsrat des Sportwagenbauers Porsche fordert, dass Gewerkschaftsmitglieder in künftigen Tarifrunden einen Bonus gegenüber ihren anderen Kollegen erhalten. „Es kann nicht sein, dass die IG-Metall-Mitglieder etwas erkämpfen, und zum Schluss kriegen all die Beschäftigten, die nicht mitgewirkt haben, das Gleiche“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Uwe Hück der „Stuttgarter Zeitung“ (Freitagsausgabe). „Wer etwas haben möchte, muss einen Beitrag leisten.“

Hück rief dem Blatt zufolge IG-Metall-Chef Berthold Huber in einem Brief auf, sich für eine finanzielle Besserstellung der IG-Metall-Mitglieder einzusetzen. „Die IG Metall sollte ihre Möglichkeiten offensiv nutzen, um für ihre Mitglieder einen zusätzlichen Bonus in den kommenden Tarifverträgen zu verankern“, fordert der Porsche-Betriebsratschef demnach in dem Schreiben.

Uwe Hück – Vom Lackierer zum Millionär

Herkunft

Uwe Hück wurde am 22. Mai 1962 als eines von fünf Geschwistern in Stuttgart geboren. Nachdem er früh seine Eltern verloren hatte, wuchs er in verschiedenen Kinderheimen auf. Sein älterer Bruder nahm sich 1990 das Leben.

Ausbildung

Nachdem er zeitweise eine Sonderschule besuchen musste, machte Hück schließlich seinen Hauptschulabschluss ("Dort erkannte endlich ein Lehrer, dass ich gar nicht dumm bin", Focus, 26/2008). Mit 15 Jahren verließ er sein Heim und absolvierte von 1977 bis 1981 eine Lehre als Maler und Lackierer.

1982 bis 1987

Nach seiner Karriere als professioneller Thaiboxer heuerte Hück 1985 bei Porsche als Lackierer an. Drei Jahre zuvor trat er in die SPD ein und machte als streitbarer Vertreter bald auf sich aufmerksam. 1987 wurde er Vertrauensmann in der IG Metall.

1990 bis 2002

1990 rückte er in den Betriebsrat. Seit 1994 für diese Arbeit freigestellt, übernahm er 1997 den Vorsitz des Betriebsrats der Standorte Zuffenhausen und Ludwigsburg, bevor er 2002 zum Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats gewählt wurde.

2005

2005 handelte Uwe Hück einen Standortsicherungsvertrag der Porsche-Betriebe in Deutschland bis zum Jahr 2010 aus. Dieser sah eine Stellengarantie vor sowie Investitionen von gut 600 Millionen Euro.

Juli 2010

Nach schwierigen Verhandlungen erkämpfte der im März 2010 für weitere vier Jahre als Porsche-Betriebsratschef gewählte Hück dann im Juli 2010 eine weitere Jobgarantie für 8.600 Porsche-Beschäftigte bis 2015. Mit der Aushandlung der fünfjährigen Standortsicherung habe man nach seinen eigenen Worten "einen intergalaktischen Erfolg erzielt" und "die höchsten Investitionen in der Porsche-Geschichte festgeschrieben".

August 2010

2010 übernahm Hück bei der Porsche AG den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitz. Nachdem er sich monatelang für das Stammwerk Zuffenhausen als Produktionsstandort des neuen Hybrid-Sportwagens "918 Spyder" eingesetzt hatte, bekam der Stammsitz vom Porsche-Aufsichtsrat Ende Juli 2010 schließlich den Zuschlag für den Bau des innovativen Drei-Liter-Wagens.

Oktober 2010

Im Vorfeld der Verhandlungen hatte Hück auf eine Beschleunigung der geplanten Ablösung des Wiedeking-Nachfolgers Michael Macht durch den designierten neuen Porsche-Chef Matthias Müller gedrängt, der bei den Gesprächen über die Standortsicherung auch schon mit am Tisch saß und nun bereits zum 1. Okt. 2010 seinen Dienst in Zuffenhausen antrat. "Arbeiterführer Hück blockiert den Konzern nicht, behält aber seinen Querkopf und zwingt Wolfsburg zu Zugeständnissen", wertete das Handelsblatt (22.7.2010) diesen Vorgang.

Die Porsche-Belegschaft empfinde es mehr und mehr als ungerecht, „dass auch diejenigen, die sich nicht gewerkschaftlich für die Rechte der Arbeitnehmer einsetzen, als Trittbrettfahrer in gleicher Weise von tariflichen Entgelterhöhungen und anderen tariflichen Errungenschaften profitieren“, heißt es in dem Brief an Huber. Hück zufolge haben die Betriebsratsvorsitzenden von Volkswagen, Audi und MAN ihre Unterstützung zugesagt.

Von

afp

Kommentare (5)

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HinzKunz

14.06.2013, 07:02 Uhr

Seltsame Ansichten eines Gewerkschafters! Sonst sind Gewerkschafter doch immer gegen die Ausbeutung der Leiharbeit und fordern, dass diese Beschäftigen das Gleiche verdienen sollten wie der Rest der Belegschaft. Und nun, sollen alle nicht Gewerkschaftsmitglieder schlechter gestellt werden?!?!

Account gelöscht!

14.06.2013, 09:27 Uhr

Hier muß ich Hück zustimmen. Es kann/darf nicht sein, daß die Trittbrettfahren von den Ergebnissen der Gewerkschaft profitieren.

Aktionaer

14.06.2013, 09:48 Uhr

Ich glaube der Gewerkschaft laufen die Mitglieder weg und nun soll auch noch der Arbeitgeber dafür sorgen, dass sein "Tarifgegner" stärker wird. Das ist ja wohl ein Witz. Warum schüttet die Gewerkschaft nicht einfach eine Bonus am Ende des Jahres an seine Mitglieder aus. Wie sagt Hück so schön. Wer etwas will, muss etwas leisten. Die Gewerkschaft will die Gesellschaft weiter spalten. Getreu dem Motto. Solidarität gibt's nur für Mitglieder. Ein Witz! Herr Hück

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