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29.06.2016

13:15 Uhr

Porsche-Hauptversammlung

Ferdinand Piëch fehlt beim Familientreffen

VonStefan Menzel, Martin Murphy

Eigentlich sollte die Hauptversammlung der Porsche SE der Ort für die öffentliche Rückkehr von Ferdinand Piëch sein. Doch der Patriarch lässt sich nur kurz blicken. VW-Chef Müller zeigte sich dagegen gut gelaunt.

Der VW-Patriarch, hier im April 2013, fehlte bei der Porsche-Hauptversammlung in Stuttgart. dpa

Ferdinand Piëch

Der VW-Patriarch, hier im April 2013, fehlte bei der Porsche-Hauptversammlung in Stuttgart.

StuttgartEs ist fast eine Volkswagen-Hauptversammlung im Kleinen. An diesem Mittwoch sind in Stuttgart die Aktionäre der Porsche SE zusammengekommen, genau eine Woche nach dem jährlichen Eignertreffen des VW-Konzerns. Wohl und Wehe hängen in Stuttgart von Volkswagen ab: Die Porsche SE ist die Holdinggesellschaft, in der die Familien Porsche und Piëch ihre VW-Anteile gebündelt haben.

Doch die prominenteste Person fehlt: Ferdinand Piëch. Der langjährige Vorstandsvorsitzende und Aufsichtsratschef von Volkswagen ist dem Treffen ferngeblieben, bei Porsche hat er noch ein Aufsichtsratsmandat. „Es ist ein unvorhergesehener Terminkonflikt eingetreten“, begründet Wolfgang Porsche das Fehlen seines Vetters unter dem leisen Raunen der Aktionäre. Seit seinem Ausscheiden bei Volkswagen vor einem Jahr macht sich Piëch rar, immer häufiger meidet der Familienpatriarch die Öffentlichkeit.

Wer Volkswagen verklagt

Große Probleme für VW

Volkswagen hat sich zur Beilegung des Dieselskandals in den USA mit Klägern auf Zahlungen von mehr als 15 Milliarden Dollar verständigt. Der außergerichtliche Vergleich mit Behörden und Dieselbesitzern ist der erste große Schritt zur Aufarbeitung der Manipulation. Weltweit sieht sich Volkswagen mit milliardenschweren Schadenersatzklagen auch von Anlegern konfrontiert. Die Inhaber von Aktien und Anleihen des Konzerns sind neben Autobesitzern und Behörden die dritte große Gruppe, die finanzielle Ansprüche an den Konzern stellt. Weltweit werfen Investoren dem Unternehmen vor, es habe die Öffentlichkeit im vergangenen Jahr über die Manipulation mit ihren schwerwiegenden finanziellen Folgen zu spät informiert. Der Konzern müsse deshalb auch für Kursverluste von VW-Wertpapieren aufkommen. Volkswagen hat diese Vorwürfe zurückgewiesen.

Andreas Tilp

Der Tübinger Rechtsanwalt hat nach eigenen Angaben beim Landgericht Braunschweig eine Klage eingereicht, mit der rund 280 institutionelle Anleger aus mehreren Ländern fast 3,3 Milliarden Euro Schadensersatz für Kursverluste fordern. Außerdem vertritt Tilp mehr als 1100 Privatanleger, die durchschnittlich einen Schaden von 47.000 Euro geltend machen.

Quinn Emanuel

Die Hamburger Kanzlei Quinn Emanuel reichte Klagen für rund 50 institutionelle internationale Investoren ein, darunter der milliardenschwere Pensionsfonds für Lehrer in Kalifornien, ein Staatsfonds und Hedgefonds. Die geforderte Summe beläuft sich auf 680 Millionen Euro. Unterstützt wird Quinn Emanuel vom Prozesskostenfinanzierer Bentham Europe, an dem der US-Hedgefonds Elliott beteiligt ist.

Pensionsfonds aus Boston

Der Pensionsfonds für Angestellte der US-Stadt Boston hat nach Angaben einer Anwaltskanzlei eine Sammelklage gegen Volkswagen eingereicht. Er hält Anleihen von Volkswagen und wirft dem Autobauer vor, seine Gläubiger getäuscht zu haben, wie die Kanzlei Labaton Sucharow mitteilte. Die Klage wurde bei einem US-Bezirksgericht in Kalifornien eingereicht.

Niederländische Stiftung

Eine als Stiftung eingerichtete Kläger-Organisation pocht auf einen außergerichtlichen Vergleich. Volkswagen könne so zu geringeren Kosten eine Welle von Schadensersatzklagen abwenden, erklärte Henning Wegener, Chef der nach niederländischem Recht gegründeten „Stichting Volkswagen Investors Claim“.

Nieding + Barth

Die Frankfurter Kanzlei hatte ebenfalls eine Klage am Landgericht Braunschweig angekündigt. Insgesamt strengten 66 Investoren aus den USA und Großbritannien dieselbe Klage an, die Volkswagen einen Verstoß gegen das Wertpapierhandelsgesetz wegen verspäteter Bekanntgabe der illegalen Abgasmanipulation von Diesel-Fahrzeugen in den USA vorwirft.

Alllianz und Dekabank

Der Versicherungskonzern Allianz und die Dekabank ziehen gegen Volkswagen wegen der Abgasaffäre vor Gericht. Finanzkreisen zufolge beteiligt sich das Wertpapierhaus der Sparkassen neben der Allianz-Tochter AGI an der Klage. Die Deka ist nach Reuters-Daten elftgrößter VW-Aktionär und hält einen Anteil von 0,6 Prozent.

Kleinanleger

In Deutschland gingen beim zuständigen Landgericht Braunschweig zudem rund 120 Klagen von Kleinanlegern ein, die Schäden von jeweils zwischen 600 Euro und zwei Millionen Euro geltend machen.

Auf der Volkswagen-Hauptversammlung vor einer Woche herrschte Katzenjammer. Die Dieselaffäre hat in Wolfsburg die übliche stattliche Dividende zunichte gemacht: 17 Cent gibt es gerade einmal für jede Vorzugsaktie, ein Jahr zuvor war es ungefähr noch etwa 30-mal so viel.

Porsche-Aktionäre müssen sich eigentlich nicht beschweren. In Stuttgart gibt es immerhin noch eine Dividende, die diesen Namen auch verdient. Die Hauptversammlung wird am Mittwoch eine Dividende von einem Euro je Aktie beschließen. Das ist allerdings nur die Hälfte dessen, was in den vergangenen Jahren ausgezahlt worden ist.

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Die stimmberechtigten Stammaktien liegen in der Porsche SE ausschließlich bei den Familien Porsche und Piëch. Freie Aktionäre kommen über die Vorzugsaktien ins Spiel, die aber nicht stimmberechtigt sind. Diese freien Anteilseigner wollen sich einmal im Jahr auf der Hauptversammlung Gehör verschaffen – etwa 5000 von ihnen sind am Mittwoch in Stuttgart in die Porsche-Arena gekommen.

Beim Spitzenpersonal ist die Doppelgleisigkeit von Volkswagen AG und Porsche SE klar abzulesen. Vorstandschef in Stuttgart ist Hans Dieter Pötsch, der Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen. Im Vorstand sitzen auch Matthias Müller, der Vorstandsvorsitzende in Wolfsburg, und Manfred Döss, der Chefjustitiar des VW-Konzerns. Wichtige Vertreter der Familien wie Wolfgang Porsche sind in beiden Aufsichtsräten vertreten. Das gilt genauso für einflussreiche Kräfte der Arbeitnehmerseite wie VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh.

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