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12.11.2015

20:14 Uhr

Porsche-Prozess

Es steht 2:0 für Wiedeking

VonMartin-W. Buchenau

Tag sechs im Porsche-Prozess gegen Ex-Branchen-Star Wiedeking und Ex-Finanzchef Härter: Erneut läuft es vor Gericht in ihrem Sinne, auch wenn die Hedgefonds noch auf einen Auftritt hoffen können.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE, Wendelin Wiedeking (rechts) zusammen mit seinem Anwalt Hanns Feigen. dpa

Prozess gegen ehemalige Porsche-Vorstände

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE, Wendelin Wiedeking (rechts) zusammen mit seinem Anwalt Hanns Feigen.

StuttgartEs mutet inzwischen schon ein bisschen wie ein Familientreffen an: Links im Saal 1 des Landgerichts Stuttgart sitzen die beiden jungen Staatsanwälte Heiko Wagenpfeil und Aniello Ambrosio einer ganzen Armada von Staranwälten gegenüber, angeführt von Hoeneß-Verteidiger Hanns W. Feigen, der Wiedeking vertritt, bis hin zu Härters Star-Verteidiger Sven Thomas. Im Zuschauerraum lauern die Anwälte der Hedgefonds. Jede Zeugenaussage im Strafprozess könnte eine Rolle für ihre milliardenschweren Schadenersatzklagen gegen die Porsche SE haben.

Auf einen Moment heute haben Hedgefonds, die Milliarden in der Übernahmeschlacht um Volkswagen verzockt hatten, gewartet: Die Staatsanwaltschaft will im Prozess wegen informationsgestützter Marktmanipulation gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und dessen Finanzvorstand Holger Härter auch Kapitalanleger befragen. Die Staatsanwälte wollen so klären, ob Anleger ihre Wertpapierkäufe aufgrund der Pressemitteilungen im Jahr 2008 getätigt haben.

Das in den vorangegangenen beiden Prozesstagen vorgestellte Gutachten, das die Angeklagten entlastete, sei als Beweismittel „nicht ergiebig genug“, monierte Staatsanwalt Heiko Wagenpfeil und gehe auch von falschen Modellvorstellungen aus. Richter Frank Maurer ließ zunächst offen, ob er auf den Antrag eingehen wird.

Das ist Wendelin Wiedeking

Vor Gericht

Anstatt am Steuer eines Sportwagens muss Manager Wendelin Wiedeking in den kommenden Monaten zumindest zeitweise auf der Anklagebank Platz nehmen. Für den einstigen Porsche-Chef ist das ein lästiges Kapitel, das er schnell wieder schließen will. Wer ist der Mann, der einst Deutschlands bestbezahlter Manager war?

Quelle: dpa

Porsches Lichtgestalt

Wendelin Wiedeking war in der Autobranche lange Zeit eine Art Lichtgestalt: Irgendwie war er stets auf der Überholspur. Als der Maschinenbauer 1992 an die Spitze des Sportwagenbauers Porsche berufen wurde, liefen die Geschäfte mau. Der gebürtige Westfale schaffte es, Überkapazitäten in der Produktion sowie im Personalbereich am Stammsitz Stuttgart-Zuffenhausen abzubauen und Porsche zum profitabelsten Autobauer der Welt zu machen.

Alphatier und Lebemann

Der heute 63-Jährige wurde der bestverdienende angestellte Manager Deutschlands. Medienberichten zufolge soll das machtbewusste «Alphatier» im Geschäftsjahr 2007/08 sage und schreibe 100,6 Millionen Euro für seine Tätigkeit beim PS-starken Unternehmen eingestrichen haben. 2009 musste Wiedeking nach der verlorenen Übernahmeschlacht mit VW seinen Chefsessel räumen. Er trat stets selbstbewusst auf, im edlen Zwirn und mit dicken Zigarren genoss er seinen Erfolg.

Unternehmer mit vielen Steckenpferden

Eine Rückkehr in die Chefetage eines großen Konzerns hat Wiedeking nach seinem Porsche-Abgang ausgeschlossen - er will sein eigenes Ding machen als Unternehmer. Sein Vermögen hat Wiedeking auch in zahlreiche Firmen investiert, etwa in die Italo-Restaurantkette Tialini. Auch Internet-Reiseportale und einen Schuh-Hersteller nennt er sein Eigen. Im Privaten setzt er auf Konstanz: Seine Frau und er sind seit Schulzeiten ein Paar, die beiden haben zwei Kinder.

Es ist ein Hoffnungsschimmer für Hedgefonds, wenn die Staatsanwälte mit Hilfe ihrer Aussagen das Gutachten des Professor Burghof erschüttern wollen. Der hatte den tatsächlichen Einfluss der Pressemitteilungen auf die Kursentwicklung weitgehend als nicht beweisbar erklärt. Noch lässt sich der Richter nicht in die Karten schauen, wie er denkt.

Auch nicht am sechsten Prozesstag, bei der Befragung des ersten Zeugen, der unmittelbar am Geschehen beteiligt war: Christoph von Bülow von der Kanzlei Freshfields, der damalige Rechtsberater des Porsche-Vorstands, der Wiedeking duzt. „Das geschah an irgendeinem Abend, sei bei enger Zusammenarbeit nicht ungewöhnlich, solle aber nicht im Sinne einer Freundschaft überbewertet werden“, erklärt der Berater dem Richter.

Von Bülow war bei vielen Strategiegesprächen dabei, auch als es um die Veröffentlichungspflichten ging. Der auf Übernahmen spezialisierte Anwalt sagte, es sei „außerhalb seiner Vorstellungskraft“, dass es schon vor dem 26. Oktober 2008, als Porsche seine Pläne offenlegte, einen verdeckten Beschluss zur Komplettübernahme von VW gegeben habe.

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Von Bülow bestätigte Wiedekings Version des ersten Prozesstags vom zerrütteten Verhältnis zwischen Wiedeking und Ferdinand Piëch, das ausschließe, dass es ein abgekartetes Spiel gegeben habe. Der damalige VW-Aufsichtsratschef war gleichzeitig auch Anteilseigner sowie Aufsichtsrat von Porsche. Ohne dessen Unterstützung schlug die Komplettübernahme später fehl.

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