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06.11.2015

19:18 Uhr

Porsche-Prozess

„In einer so chaotischen Situation ist nichts planbar“

VonMartin-W. Buchenau

Tag fünf im Porsche-Prozess gegen Ex-Branchen-Star Wiedeking und Ex-Finanzchef Härter: Die Manager sollen bei der Übernahmeschlacht um VW mit verdeckten Karten gespielt haben. Bisher läuft es vor Gericht in ihrem Sinne.

„Ich weiß gar nicht, warum ich eigentlich hier bin“, sagt Wiedeking. Reuters

Wendelin Wiedeking

„Ich weiß gar nicht, warum ich eigentlich hier bin“, sagt Wiedeking.

Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking lässt seinen schwarzen Porsche-Panamera direkt vor dem Stuttgarter Landgericht parken. Entspannt diskutiert der einst bestbezahlte deutsche Manager mit seinen Anwälten. Der Prozess wegen Marktmanipulation läuft bislang in seinem Sinne und auch an diesem Freitag sieht es gut für ihn aus. „Ich weiß gar nicht, warum ich eigentlich hier bin“, sagte Wiedeking in einer Prozesspause dem Handelsblatt.

Es ging an diesem Tag um den 26.10.2008. Porsche erklärte damals erstmals, dass es 75 Prozent der Volkswagen-Aktien einsammeln wolle, 42,6 Prozent der Aktien schon besitze und sich 31,5 Prozent über Optionen mit Barausgleich schon gesichert habe. Der Aktienkurs schnellte in den Tagen danach um ein Vielfaches auf 1000 Euro. Anleger, die auf einen fallenden VW-Kurs gewettet hatten, machten Milliardenverluste.

War jetzt diese Mitteilung schuld am Kursausschlag, war die Frage, die der Wirtschaftsprofessor Hans-Peter Burghof als Gutachter im Prozess Wiedeking und dessen damaligen Finanzvorstand Holger Härter beantworten sollte.

Das ist Wendelin Wiedeking

Vor Gericht

Anstatt am Steuer eines Sportwagens muss Manager Wendelin Wiedeking in den kommenden Monaten zumindest zeitweise auf der Anklagebank Platz nehmen. Für den einstigen Porsche-Chef ist das ein lästiges Kapitel, das er schnell wieder schließen will. Wer ist der Mann, der einst Deutschlands bestbezahlter Manager war?

Quelle: dpa

Porsches Lichtgestalt

Wendelin Wiedeking war in der Autobranche lange Zeit eine Art Lichtgestalt: Irgendwie war er stets auf der Überholspur. Als der Maschinenbauer 1992 an die Spitze des Sportwagenbauers Porsche berufen wurde, liefen die Geschäfte mau. Der gebürtige Westfale schaffte es, Überkapazitäten in der Produktion sowie im Personalbereich am Stammsitz Stuttgart-Zuffenhausen abzubauen und Porsche zum profitabelsten Autobauer der Welt zu machen.

Alphatier und Lebemann

Der heute 63-Jährige wurde der bestverdienende angestellte Manager Deutschlands. Medienberichten zufolge soll das machtbewusste «Alphatier» im Geschäftsjahr 2007/08 sage und schreibe 100,6 Millionen Euro für seine Tätigkeit beim PS-starken Unternehmen eingestrichen haben. 2009 musste Wiedeking nach der verlorenen Übernahmeschlacht mit VW seinen Chefsessel räumen. Er trat stets selbstbewusst auf, im edlen Zwirn und mit dicken Zigarren genoss er seinen Erfolg.

Unternehmer mit vielen Steckenpferden

Eine Rückkehr in die Chefetage eines großen Konzerns hat Wiedeking nach seinem Porsche-Abgang ausgeschlossen - er will sein eigenes Ding machen als Unternehmer. Sein Vermögen hat Wiedeking auch in zahlreiche Firmen investiert, etwa in die Italo-Restaurantkette Tialini. Auch Internet-Reiseportale und einen Schuh-Hersteller nennt er sein Eigen. Im Privaten setzt er auf Konstanz: Seine Frau und er sind seit Schulzeiten ein Paar, die beiden haben zwei Kinder.

Das Gutachten und die Aussagen des Professors dazu konnten den Vorwurf der Marktmanipulation nicht erhärten. In der Finanzkrise sei die Situation an den Börsen im Oktober 2008 so chaotisch gewesen, dass Kursturbulenzen der VW-Aktie mit wissenschaftlichen Methoden nicht eindeutig einer Porsche-Pressemitteilung zuzuordnen seien, sagte der Wirtschaftsprofessor am Freitag vor dem Stuttgarter Landgericht.

Die Mitteilung sei zwar grundsätzlich geeignet gewesen, den Markt zu beeinflussen, aber eben nicht in welche Richtung. Und ob sie tatsächlich den Kurs VW-Aktie beeinflusst habe „weiß ich nicht“, sagte Burghof.

Auch in einem weiteren Punkt bekam die Staatsanwaltschaft keinen Rückenwind durch das Gutachten. Die Anklage wirft Wiedeking und Härter mit der Mitteilung ein „planvolles“ Einwirken auf den Börsenpreis vor. Genau dies sei aber in den damaligen Marktverwerfungen nicht möglich gewesen, so Burghof. „In einer so chaotischen Situation ist nichts planbar.“ Ob der Kurs nach einer Pressemitteilung nach oben oder nach unten gehe, sei in solchen „Blasenzeiten“ zum Teil schlicht zufällig, weil manche Anleger die Mitteilung anders verstünden, Transaktionen tätigten und ihnen viele andere Anleger folgten – Kaskaden-Effekt nennt Burghof das.

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