Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.03.2014

14:42 Uhr

Porsche-Rechtsstreit

Hedgefonds verlieren im Porsche-Prozess

Teilerfolg für Porsche: Die Schadensersatzklage mehrerer Hedgefonds gegen die Porsche Holding wurde vom Landgericht Stuttgart abgewehrt. Weiterer juristischer Ärger steht dem Autobauer allerdings noch bevor.

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und der Porsche-Holding-Chef Wolfgang Porsche können in der Klagewelle einen ersten Erfolg verbuchen. AFP

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und der Porsche-Holding-Chef Wolfgang Porsche können in der Klagewelle einen ersten Erfolg verbuchen.

StuttgartDer VW-Großaktionär Porsche SE hat bei der Abwehr milliardenschwerer Schadensersatzforderungen im Zusammenhang mit dem Übernahmepoker um Volkswagen einen wichtigen Erfolg erzielt. Das Landgericht Stuttgart wies am Montag eine Klage von knapp zwei Dutzend amerikanischen Hedgefonds über insgesamt 1,36 Milliarden Euro Schadensersatz gegen die Porsche-Holding ab. Die Fonds hätten nicht nachweisen können, dass sie 2008 ihre Anlageentscheidungen aufgrund von Dementis von Porsche zu dem VW-Übernahmeplan trafen, erklärte Richterin Carola Wittig. Zudem sei nicht erkennbar, dass Porsche von den spekulativen Leerverkäufen der Fonds wusste und diese gezielt in die Irre führte, um ihnen zu schaden.

Die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte Porsche-Holding begrüßte das Urteil, das allerdings noch nicht rechtskräftig ist, weil die Fonds noch in Berufung gehen können. Von der Anwaltskanzlei der Fonds um Branchengrößen wie Glenhill Capital und Viking war vor Gericht nur ein Vertreter erschienen, der nicht näher Stellung nehmen wollte. Ein Sprecher von Porsche sagte, dies sei ein Etappensieg. Denn insgesamt haben rund 100 institutionelle und private Investoren an bundesweit vier Gerichten auf insgesamt 5,7 Milliarden Euro Schadensersatz geklagt. „Das Urteil bestärkt uns in der Auffassung, dass auch die Klagen in Hannover und Braunschweig unbegründet sind“, sagte er.

Die Hedgefonds sehen sich von Porsche getäuscht, weil der Sportwagenbauer im Frühjahr 2008 die Übernahme des viel größeren Wolfsburger Konzerns heimlich geplant, dies aber bis Ende Oktober öffentlich abgestritten habe. Dies habe sie zu Aktiengeschäften veranlasst, die ihnen nach Bekanntwerden des Übernahmeplans hohe Verluste einbrockten. Sie hatten sich VW-Aktien geliehen und diese verkauft - mit dem Ziel, sie später billiger zurückzukaufen und die Differenz als Gewinn einzustreichen. Mit der Ankündigung Porsches am 26. Oktober 2008, eine Mehrheit von 75 Prozent an VW anzustreben, schnellte der VW-Kurs aber zeitweise auf mehr als 1000 Euro in die Höhe. Die Fonds mussten die Papiere viel teurer kaufen, um ihre Leerverkäufe zu decken.

Wie Ferdinand Piëch einen Weltkonzern schuf

1990er-Jahre

1993: Als Ferdinand Piëch im Januar 1993 den Vorstandsvorsitz von VW übernimmt, kämpft der Konzern mit einem Einbruch des Nordamerikageschäfts, hohen Kosten und Verlusten. Der neue Chef holt den Sanierer José Igancio López nach Wolfsburg. Weil der Spanier Betriebsgeheimnisse mitgenommen haben soll, entbrennt ein langwieriger Rechtsstreit mit seinem alten Arbeitgeber General Motors.
1997: Dank Piëchs Internationalisierungsstrategie laufen fast zwei von drei Autos im Ausland vom Band. 
1998: Mit der Übernahme der Marken Bentley (Foto) und Bugatti steigt Volkswagen ins Luxussegment ein. 
1999: Der Lupo kommt als erstes Drei-Liter-Auto auf den Markt. Im gleichen Jahr übertrifft Volkswagen als erster europäischer Hersteller die Schwelle von 100 Millionen produzierten Fahrzeugen

2000

Mit der im Juni eröffneten Autostadt setzt Piëch sich und dem VW-Konzern ein Denkmal in Wolfsburg. 

2001

Mit dem Luxusmodell „Phaeton“ erweitert VW das Oberklassenangebot. Für die Produktion des Kompaktvans Touran wird mit der IG Metall ein eigenes Tarifmodell entwickelt.

2002

Volkswagen übernimmt die schwedische Scania komplett und stärkt damit das Lkw-Geschäft. Der Aufsichtsrat wählt im April des Jahres Bernd Pischetsrieder zum Vorstandschef. Piëch übernimmt den Vorsitz im Aufsichtsrat.

2007

Im Januar tritt Martin Winterkorn das Amt des Vorstandsvorsitzenden an. Der VW-Konzern liefert 6,2 Millionen Fahrzeuge aus - so viele wie noch nie zuvor. Insbesondere in China, Brasilien und Osteuropa vermeldet VW Zuwächse von bis zu 32 Prozent im Vorjahresvergleich.

2009

Der von VW gesponserte VfL Wolfsburg gewinnt die Deutsche Fußball-Meisterschaft.

2011

Volkswagen legt in Silao in Mexiko den Grundstein für ein neues Motorenwerk. Nach zweijähriger Bauzeit eröffnet in den USA das neue Werk in Chattanooga mit einer Jahreskapazität von 150 000 Autos.

2012

VW hält über eine Holding 100 Prozent der Anteile an der Porsche AG, die als eigenständige Marke geführt wird - der integrierte Konzern von Volkswagen und Porsche entsteht.

Das Gericht erklärte, letztlich sei es unerheblich, ob Porsche vor Oktober 2008 die Übernahme schon beschlossen habe oder nicht. Das Unternehmen sei nicht verpflichtet gewesen, seine Absichten offen zu legen und sei zu den öffentlichen Dementis geradezu gezwungen gewesen, um Spekulationen entgegenzutreten. Pressemitteilungen unterlägen nicht so strengen Voraussetzungen wie Pflichtveröffentlichungen, deshalb werde ihnen ohnehin geringeres Vertrauen entgegen gebracht. Der Markt habe sich damals trotz der anders lautenden Pressemitteilungen nicht darauf verlassen können, dass die Übernahme nicht später noch angestrebt werde.

Der Übernahmeplan scheiterte 2009 im Zuge der Finanzkrise, und VW rettete letzlich den hoch verschuldeten Sportwagenbauer vor dem Aus. Dieser musste sein Fahrzeuggeschäft an VW abgeben, so dass Porsche seit Mitte 2012 vollständig als zwölfte Marke zum VW-Konzern gehört. Größter Anteilseigner an VW wiederum ist die Holdinggesellschaft Porsche SE, die von den Familien des Porsche-Aufsichtsratschefs Wolfgang Porsche und des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch kontrolliert wird.

Das rechtliche Nachspiel des Übernahmepokers ist noch längst nicht abgeschlossen. Neben zivilen Schadensersatzklagen in Hannover, Braunschweig und Frankfurt durchleuchtet auch die Staatsanwaltschaft den Fall. Dem Landgericht Stuttgart liegt schon seit Dezember 2012 die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen die ehemaligen Porsche-Manager Wendelin Wiedeking und Holger Härter wegen Marktmanipulation vor. Die Strafverfolger ermitteln außerdem seit Februar 2013 gegen den kompletten früheren Aufsichtsrat wegen Beihilfe zur Marktmanipulation. Sie hat damit auch Wolfgang Porsche und seinen Cousin Ferdinand Piëch im Visier.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×