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01.08.2016

12:26 Uhr

Porsche SE

Dieselskandal lastet schwer auf VW-Großaktionär

Der VW-Großaktionär Porsche SE hat im ersten Halbjahr einen massiven Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Der Abgasskandal bei Volkswagen belastete das Ergebnis. Den Ausblick lässt das Unternehmen aber unverändert.

Der VW-Großaktionär leidet unter dem Dieselskandal. dpa

Porsche SE

Der VW-Großaktionär leidet unter dem Dieselskandal.

DüsseldorfDie Lasten des Dieselskandals bei Volkswagen hinterlassen auch in diesem Jahr tiefe Spuren in den Bilanzen des Großaktionärs Porsche SE. Das Konzernergebnis nach Steuern brach im ersten Halbjahr auf 980 Millionen Euro ein, wie die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte Holding am Montag mitteilte. Vor Jahresfrist waren es noch 1,65 Milliarden Euro.

Den Ausblick für das Gesamtjahr ließ die Gesellschaft unverändert: Das Konzernergebnis nach Steuern werde zwischen 1,4 und 2,4 Milliarden Euro liegen und sich damit wieder etwas erholen nach einem Verlust von 273 Millionen Euro im Vorjahr, als der VW-Skandal das Ergebnis bereits verhagelte. Hans Dieter Pötsch ist in Personalunion Vorstandschef der Holding sowie auch Aufsichtsratsvorsitzender von Volkswagen und überwacht damit die Bewältigung des Abgasskandals, in dem der Konzern wegen der Manipulation von Motoren bei elf Millionen Fahrzeugen weltweit steckt.

Heiße Schlacht um Volkswagen

Ein Machtkampf mit Folgen

Heute ist die Sache klar: Die Porsche AG ist eine VW-Tochter und zugleich ein Gewinnbringer für den Wolfsburger Konzern. Fast zwei Milliarden Euro überweist der Stuttgarter Bolidenbauer beispielsweise dieses Jahr an Volkswagen. Ende des vergangenen Jahrzehnts fehlte hingegen nicht viel und es wäre anders rum gewesen: Porsche hätte als VW-Großaktionär den Konzern nach seinem Gusto steuern können. 2008 erreichte die Übernahmeschlacht ihren Höhepunkt – der Prozess gegen Ex-Firmenchef Wendelin Wiedeking und dessen Vize Holger Härter ist letztlich eine späte Folge.

Schleichender Angriff

Seit 2005 baute Porsche – der lukrativste Autobauer der Welt – seine Beteiligung an VW schrittweise auf. Zunächst ging es um Produktions-Kooperationen und eine gute Anlage hoher Porsche-Gewinne. Später wurde klar: Es ging um die Mehrheit. Aber um welche Mehrheit? Wichtig ist hierbei ein Anteil von 75 Prozent – bei diesem Wert wäre ein sogenannter Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag im Bereich des Möglichen gewesen. VW sperrte sich heftig, vor allem Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch war lange Zeit dagegen.

Überraschende Kehrtwende

Bis Anfang Oktober 2008 beteuerte die Porsche-Spitze, keine Beherrschung anstreben zu wollen. Am 26. Oktober 2008 dann die Kehrtwende: Porsche bestätigte, 75 Prozent an VW anzustreben, sofern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Der VW-Kurs schnellte in zwei Tagen um das Fünffache nach oben. Das kam Porsche insofern gelegen, als der Wert seiner VW-Anteile deutlich stieg.

Das Scheitern

Die als größter Wurf der deutschen Industriegeschichte bejubelte Übernahmeabsicht scheiterte dennoch. Zwar hält die Porsche SE heute etwa 51 Prozent an VW, sie ist aber nur noch eine Beteiligungsgesellschaft – die Sportwagen-Produktion Porsche AG musste an die Wolfsburger verkauft werden, um die bei den Übernahmeschritten entstandenen Schulden decken zu können. Wiedeking und Härter mussten 2009 gehen.

Die Finanzholding war im Zuge des Übernahmekampfes zwischen VW und Porsche entstanden und hält rund 52,2 Prozent der VW-Stimmrechte. Der Sportwagenbauer Porsche AG wiederum ist eine reine VW-Tochter. Volkswagen ist damit nach wie vor für den Großteil des Gewinns der Porsche SE verantwortlich. Die Familiengesellschaft der Porsches und Piëchs hatte sich immer wieder uneingeschränkt zu ihrer Rolle als langfristig orientiertem Ankeraktionär von VW bekannt. Sie sei „auch weiterhin vom Wertsteigerungspotenzial des Volkswagen-Konzerns überzeugt“, hieß es nun im Geschäftsbericht.

Über die VW-Beteiligung hinaus schaut die Porsche-Holding sich zudem auch nach Übernahmezielen „entlang der automobilen Wertschöpfungskette“ um. „Neue Beteiligungsmöglichkeiten werden fortlaufend geprüft“, sagte der dafür zuständige Vorstand Philipp von Hagen zuletzt. Rund 100 Unternehmen habe sich Porsche angeschaut. Es gebe 20 Projekte, „davon drei heiße“. Bislang hat sich die Porsche SE aber nur am Verkehrsdatendienst Inrix beteiligt.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Auch muss die Holding ihr Geld wegen der laufenden Schadenersatzklagen zusammen halten. Vornehmlich Hedgefonds klagen wegen Marktmanipulation während der Übernahmeschlacht. Das Unternehmen soll seine Übernahmepläne mit falschen Mitteilungen verschleiert haben und so Anleger in die Irre geführt haben. Der Strafprozess gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen damaligen Finanzchef Holger Härter endeten aber mit lupenreinen Freisprüchen. bislang hat Porsche alle Schadenersatzklagen gewonnen. Allerdings laufen noch einige Anlegerklagen mit Milliardenrisiken für die Porsche SE.

Die Reserven der Holding schrumpfen aber – dies liegt auch an der im Frühjahr beschlossenen und umstrittenen Dividenden-Ausschüttung an die Anteilseigner um die Familien Piëch und Porsche. 308 Millionen Euro flossen für die Ausschüttung ab – dabei mussten die Anteilseigner aber Federn lassen. Denn im Vorjahr waren es noch über 600 Millionen Euro. Die Nettoliquidität belief sich per Ende Juni noch auf 1,32 Milliarden Euro, Ende 2015 lag sie bei 1,70 Milliarden Euro. Hier strebt die Porsche SE ohne Berücksichtigung von Investitionen zum Jahresende 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro an.

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