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27.04.2016

16:15 Uhr

Porsche SE

Millionenklage gegen VW-Dachgesellschaft

Die Klagewelle in der VW-Abgasaffäre rollt weiter. Ein Investor hat nun beim Landgericht Stuttgart Klage gegen die Porsche Holding eingereicht und fordert Schadenersatz in Millionenhöhe.

Wegen Verletzung der sogenannten Ad-Hoc-Pflicht in der Abgasaffäre wird die Porsche Holding von einem Investor verklagt. dpa

VW-Dachgesellschaft Porsche SE

Wegen Verletzung der sogenannten Ad-Hoc-Pflicht in der Abgasaffäre wird die Porsche Holding von einem Investor verklagt.

Stuttgart Ein institutioneller Investor hat wegen des Abgasskandals auch gegen die Volkswagen-Dachgesellschaft Porsche SE Klage eingereicht. Es gehe um die Verletzung der sogenannten Ad-Hoc-Pflicht, teilten die beteiligten Anwaltskanzleien am Mittwoch mit. Ein Sprecher des Landgerichts Stuttgart bestätigte den Eingang. Ein Porsche-Sprecher sagte: „Uns wurde bislang keine Klage zugestellt.“ Man könne sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

Der Investor verlangt dem Gerichtssprecher zufolge 5,7 Millionen Euro Schadenersatz, weil die Porsche SE ihre Aktionäre seiner Meinung nach früher über die Probleme hätte informieren müssen. VW-Manager wie der frühere VW-Chef Martin Winterkorn hätten schon frühzeitig Kenntnis von der Manipulationssoftware gehabt. Er saß zu der Zeit gleichzeitig auch im Vorstand der Porsche SE. Wegen der doppelten Vorstandszugehörigkeit sei auch bei der Porsche SE eine Mitteilungspflicht entstanden, so die Begründung.

Porsche Holding und VW – ein kompliziertes Verhältnis

Porsche und Volkswagen

Das Verhältnis zwischen Porsche und Volkswagen ist komplex. 2005 sicherte sich Porsche zunächst 20 Prozent der VW-Stammaktien und baute den Anteil in den Folgejahren sukzessive auf 50,73 Prozent aus. 2008 verkündete der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, den Anteil bei VW auf 75 Prozent aufstocken zu wollen. Doch kurze Zeit später musste der Sportwagenbauer seine Pläne begraben. Zu dem Zeitpunkt hatte Porsche 11,4 Milliarden Euro Schulden angehäuft.

Quelle: dpa

Die Porsche Automobil Holding SE

Die Porsche Automobil Holding SE wurde 2007 gegründet, um das Sportwagengeschäft der Porsche AG von der Beteiligungsverwaltung SE zu trennen. SE steht für Aktiengesellschaft auf Europaebene (Societas Europaea). Das operative Geschäft mit den Autos ist seither in der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG - kurz Porsche AG - gebündelt. Zunächst war die Porsche AG eine Tochter der Porsche Holding.

Der integrierte Konzern

Nach dem gescheiterten Übernahmeversuch einigten die Familien Porsche und Piëch sich darauf, einen integrierten Autokonzern zu bilden. Volkswagen übernahm Teile des Sportwagenbauers Porsche AG. 2012 wurde der Sportwagenbauer komplett an VW verkauft. Die Porsche-Holding wurde als VW-Mehrheitseigner das Dach des Gebildes.

Wer hat das Sagen?

Die auf der Hauptversammlung wichtigen, weil stimmberechtigten, Stammaktien der Porsche-Holding liegen seit dem Ausstieg des Emirats Katar allein in der Hand der Familien Porsche und Piëch. Die Vorzugsaktien halten institutionelle Anleger und Privatanleger.


Nach VW-Darstellung verdichteten sich erst ab Mai 2015 auch auf der Führungsebene des Konzerns die Hinweise darauf, „dass es zum Einsatz einer gegen US-Recht verstoßenden Software gekommen sein könnte“. Anleger und Medien erfuhren erst im September davon. Volkswagen selbst wurde bereits von Anlegern verklagt. Nun trifft es auch die Dachgesellschaft Porsche SE. Die Kanzleien wollen zusätzlich ein Kapitalmusterverfahren durchsetzen, mit dessen Hilfe 6500 Anleger von VW und Porsche Schadenersatz von 2,5 Milliarden Euro fordern.

Von

dpa

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