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31.07.2017

11:12 Uhr

Porsche SE

VW-Hauptaktionär verdoppelt Gewinn

Weil sich Volkswagen finanziell erholt hat, profitiert auch Großaktionär Porsche SE. Der Nettogewinn wurde im ersten Halbjahr verdoppelt. Doch der Dieselskandal ist auch für die Holding noch längst nicht ausgestanden.

Neben dem Investment in VW strebt die Holding schon länger weitere Beteiligungen an. dpa

Porsche SE

Neben dem Investment in VW strebt die Holding schon länger weitere Beteiligungen an.

FrankfurtDer VW-Großaktionär Porsche SE hat dank der finanziellen Erholung des Volkswagen-Konzerns vom Dieselskandal seinen Nettogewinn im ersten Halbjahr verdoppelt. Das Konzernergebnis nach Steuern sei von Januar bis Juni um 94 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro gestiegen, teilte die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte Holding am Montag mit. Obwohl damit fast schon das untere Ende der Prognosespanne erreicht ist, ließ die Porsche SE ihre Vorhersage von 2,1 bis 3,1 Milliarden Euro Gewinn nach Steuern für das Gesamtjahr unverändert.

Die Dachgesellschaft hält gut 52 Prozent der VW-Stammaktien. Der Betriebsgewinn der Wolfsburger kletterte im zweiten Quartal dank weiterer Sanierungserfolge bei ihrer Hauptmarke VW und einem weltweit robusten Absatz um mehr als das Doppelte auf 4,5 Milliarden Euro.

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Neben dem Investment in VW strebt die Porsche SE schon länger weitere Beteiligungen an. Im Juni gab sie den Kauf der PTV Planung Transport Verkehr AG aus Karlsruhe bekannt. Der Spezialist für Verkehrsmanagement-Software soll für rund 300 Millionen Euro übernommen werden. Dies werde im dritten Quartal abgeschlossen und zu einem entsprechenden Rückgang der Nettoliquidität von zuletzt 1,26 Milliarden Euro führen, erklärte das Unternehmen.

Die Welle der Schadenersatzklagen gegen die Porsche SE im Zuge des VW-Dieselskandals schwoll weiter an. Anleger werfen der Holding wie auch VW vor, zu spät über die Abgasmanipulation informiert zu haben. Das Volumen der Schadenersatzklagen beläuft sich mittlerweile auf 934 Millionen Euro. Hier ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen den früheren VW- und Porsche-SE-Chef Martin Winterkorn sowie die PSE-Vorstände Hans Dieter Pötsch und Matthias Müller, den jetzigen VW-Chef.

Die wichtigsten juristischen Baustellen für VW

Aktionärsklagen

Zahlreiche Anleger verlangen von Volkswagen Schadenersatz, weil sie nach dem Bekanntwerden von „Dieselgate“ im September 2015 zunächst hohe Wertverluste bei Aktien und Anleihen hinnehmen mussten. Diese solle ihnen VW erstatten. Ihr Argument: Das Management hätte den Kapitalmarkt deutlich früher über die Probleme informieren müssen, die Ad-hoc-Mitteilung dazu sei zu spät gekommen.

Entsprechende Vorwürfe der Marktmanipulation haben nun auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart auf den Plan gerufen, sie ermittelt gegen VW-Konzernchef Matthias Müller. Dabei geht es um dessen Amt im Vorstand der Porsche SE, dem Haupteigner von Volkswagen. Auch Müllers Vorgänger Martin Winterkorn sowie der Ex-VW-Finanzvorstand und heutige VW-Chefaufseher Hans Dieter Pötsch sind im Visier. Zuvor hatten schon die Braunschweiger Strafverfolger solche Untersuchungen gestartet – dort außerdem gegen den VW-Kernmarken-Chef Herbert Diess. Volkswagen ist der Überzeugung, alle Regeln eingehalten zu haben.

Das Volumen der bisherigen Anlegerklagen geht bereits in die Milliarden. Am Landgericht Braunschweig soll hierzu ein sogenanntes Kapitalanleger-Musterverfahren laufen, in dem ähnliche Ansprüche aus inzwischen gut 1500 Einzelklagen stellvertretend gebündelt verhandelt werden können. Die Sparkassen-Fondstochter Deka Investment wird dabei Musterklägerin. Das Verfahren könnte sich über Jahre hinziehen.

Zivilklagen

Auch viele Autobesitzer wollen Entschädigung. In den USA erreichte der Konzern für Hunderttausende betroffene Dieselautos einen Vergleich - allein für die 2,0-Liter-Wagen kostet VW das 14,7 Milliarden Dollar. Händler und US-Bundesstaaten klagten ebenfalls. Zum Vergleich für die größeren 3,0-Liter-Motoren (1,2 Milliarden Dollar) kündigte der zuständige US-Richter seine Zustimmung an.

In Deutschland entschieden verschiedene Gerichte: Die Manipulationen bedeuten keine Pflicht zur Kaufpreis-Erstattung. Doch es gibt auch andere Urteile. Hintergrund ist die Frage, ob die Fälschungs-Software ein so großer Mangel ist, dass Kunden vom Kauf zurücktreten können. Berichten zufolge gibt es landesweit weit über 1000 Einzelklagen.

In zahlreichen Fällen kann es laut Verbraucherschützern problematisch werden, einen konkreten Schaden zu beziffern und ihn zu beweisen. Unabhängig davon gibt es Forderungen, dass VW den Kunden auch in Europa stärker entgegenkommen müsse, etwa aus der EU-Kommission.

Weitere Ermittlungen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt außerdem wegen des Verdachts auf Betrug, allein hier geht es - einschließlich eines Verfahrens gegen Winterkorn - um 37 Beschuldigte. Gegen 6 weitere laufen Untersuchungen im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Hinzu kommen Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter, der zum Löschen von Daten aufgerufen haben soll. Anklagen gibt es bisher nicht.

In den USA bot ein vom FBI erarbeitetes „statement of facts“ im Januar die Grundlage für einen 4,3 Milliarden Dollar schweren Vergleich in strafrechtlichen Fragen. Unabhängig davon geht es dort aber weiter auch um die Schuld oder Unschuld einzelner Personen. Ein VW-Manager sitzt in Haft, ein langjähriger Ingenieur hat sich in einem Verfahren schuldig bekannt, fünf weitere Mitarbeiter sind angeklagt - darunter der Ex-Entwicklungschef der Marke VW, Heinz-Jakob Neußer. Auch in anderen Ländern laufen Untersuchungen.

Noch lange nicht ausgestanden sind auch die schon seit Jahren laufenden Schadenersatzklagen im Volumen von 5,4 Milliarden Euro im Zusammenhang mit der gescheiterten Übernahme von VW durch Porsche vor acht Jahren. Die Porsche SE wies sämtliche Vorwürfe zurück. Rückstellungen hat die Gesellschaft daher bisher nur für Anwaltskosten vorgenommen. Über eine Musterklage hat das Oberlandesgericht Celle eine Verhandlung für den 12. September am Landgericht Hannover angesetzt.

Von

rtr

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