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20.11.2014

14:22 Uhr

Preisabsprachen bei Lastwagen?

Lkw-Herstellern drohen hohe Geldbußen

Die EU-Kommission ermittelt wegen Preisabsprachen gegen mehrere Hersteller von großen und mittelgroßen Lastwagen. Auch deutsche Lkw-Bauer werden dabei offenbar unter die Lupe genommen.

Lastwagen in Schleswig-Holstein: Die EU-Kommission ermittelt gegen mehrere Hersteller wegen Preisabsprachen. dpa

Lastwagen in Schleswig-Holstein: Die EU-Kommission ermittelt gegen mehrere Hersteller wegen Preisabsprachen.

BrüsselMehreren Lastwagen-Herstellern drohen hohe Geldbußen. Die Brüsseler EU-Kommission hat die Firmen im Verdacht, unerlaubt Preise abgesprochen zu haben. Das teilte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Donnerstag in Brüssel mit. Das Ergebnis der Ermittlungen sei aber noch offen. Den Unternehmen würden nun formell die Beschwerdepunkte zugestellt.

Namen nannte Vestager nicht. Betroffen seien Hersteller von großen und mittelgroßen Lastwagen. Es handele sich um eine Vielzahl von Firmen, erklärte die Wettbewerbskommissarin. Sie verwies aber auf Durchsuchungen vom Januar 2011. Damals hatten die Unternehmen MAN in München und Daimler in Stuttgart sowie Scania und Iveco die Untersuchungen bestätigt.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert mit den Ermittlungen befasste Insider. Nach Aussagen aus dem vergangenen Monat seien Daimler und Volvo im Visier der EU. Mit Volkswagen (MAN und Scania), CNH Industrial mit Iveco, DAF (gehört zum US-Hersteller Paccar) und Volvo-Renault-Trucks würden sich die Ermittler ebenfalls befassen, hieß es.

Die größten Lkw-Bauer der Welt

Platz 10

Weichai Power - Shaanxi (China) - 104.100 neu zugelassene Fahrzeuge in 2013

Die Sinotruk-Tochter gehörte zu den ersten Firmen, die in China Dieselmotoren produzierte. In Deutschland wurde das Unternehmen durch seinen Einstieg beim Gabelstaplerhersteller Kion bekannt.

Quelle: IHS Automotive

Platz 9

Tata (Indien) - 133.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Mutterkonzern von Jaguar und Land Rover gehört auch im Nutzfahrzeugbereich zu den ganz Großen. Insbesondere im Heimatmarkt spielt das Unternehmen eine führende Rolle.

Platz 8

BAIC - Foton (China) - 136.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Daimlers Schlüssel zum chinesischen Markt ist auch die Kooperation mit den Chinesen. Mit dem Lkw-Bauer Foton, der zum Reich von BAIC gehört, betreiben die Stuttgarter seit 2012 das Joint-Venture BFDA.

Platz 7

Paccar (USA) - 139.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Hersteller aus Bellevue, Washington, baute im Zweiten Weltkrieg noch Panzer. Durch mehrere Übernahmen gehören die Amerikaner zu den Weltmarktgrößen im Lkw-Bereich.

Platz 6

CNHTC - Sinotruk (China) - 150.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Der hinesische Lkw-Produzent beherrscht rund 20 Prozent des heimischen Marktes. Seit 2009 hält der deutsche Lkw-Bauer MAN 25 Prozent an den Chinesen.

Platz 5

Volvo Trucks (Schweden) - 177.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Aus Göteborg in die Welt: Bei den ganz schweren Jungs gehören die Schweden zu den größten in Europa. Seit 2011 werden die Volvo Lastwagen auch in den USA gebaut.

Platz 4

Volkswagen (Deutschland) - 178.500 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit den Marken MAN und Scania unter ihrem Dach schaffen es die Wolfsburger im weltweiten Vergleich auf die oberen Ränge. Geht es nach den Plänen des Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch soll das Duo die Weltspitze erobern.

Platz 3

First Automotive Works (China) - 180.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit mehreren internationalen Herstellern unterhalten die Chinesen Joint Ventures, darunter Volkswagen und Toyota. Auch bei den Lastwagen gibt der Konzern, der einst mit sowjetischer Hilfe aus der Taufe gehoben wurde, den Ton an.

Platz 2

Dongfeng (China) - 264.400 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Ostwind, wie die Marke übersetzt heißt, bläst weiter kräftig. Im Segment der mittelgroßen Lkw beherrscht das Unternehmen den wachsenden Heimatmarkt. Nur ein Konzern verkauft noch mehr Lastwagen.

Platz 1

Daimler (Deutschland) - 355.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Neue Modelle geben dem Marktführer neuen Rückenwind - auch weil die Stuttgarter mit ihren internationalen Marken Freightliner, Fuso und Barat Benz auch international gut aufgestellt sind.

Am Donnerstag sagte eine Daimler-Sprecherin auf Anfrage, der Eingang der formellen Beschwerdepunkte werde erwartet. Ein Scania-Sprecher sagte, das Unternehmen kooperiere bei den EU-Ermittlungen und dulde keine unlauteren Geschäftspraktiken.

Das vermeintliche Kartell hat nach den Worten von Vestagers möglicherweise viele kleinere Unternehmen geschädigt, die auf die Lastwagen angewiesen sind. Eine eher gütliche Einigung, die mit einer Ermäßigung eventueller Geldbußen verbunden ist, nannte sie im aktuellen Fall „schwierig“. Bei unerlaubter Zusammenarbeit droht Unternehmen in Europa eine Buße von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

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