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03.07.2012

13:18 Uhr

Preisanpassungen

Eon und Gazprom einig über neue Gas-Verträge

Eon und Gazprom haben sich auf günstigere Gaslieferverträge geeinigt. Die langen Verhandlungen haben sich für Eon gelohnt. Der größte deutsche Energiekonzern kann seine Prognose nach oben korrigieren.

Eon hat sich mit Gazprom beim Gaspreis geeinigt. dpa

Eon hat sich mit Gazprom beim Gaspreis geeinigt.

DüsseldorfDer größte deutsche Versorger Eon hat sich mit dem russischen Gazprom-Konzern auf günstigere Gaslieferverträge geeinigt und daraufhin seine Prognose angehoben. Die Vereinbarung habe einen rückwirkenden Effekt bis zum vierten Quartal 2010, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Auf das Halbjahresergebnis 2012 habe die Einigung einen positiven Effekt von etwa einer Milliarde Euro. Für das Gesamtjahr erwarte Eon nun einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 10,4 bis 11,0 Milliarden Euro. Bislang hatte der Konzern 9,6 bis 10,2 Milliarden Euro angepeilt.

Gas aus Russland

Gegenwart

Gegenwärtig bezieht Deutschland ein Drittel seines Gases aus Russland, das auf einem Viertel der weltweiten Reserven sitzt, und Europa bezieht ein Viertel. Europa versucht, nicht zu abhängig zu werden, und will neue Quellen erschließen, beispielsweise in Aserbeidschan.

Vergangenheit

Vor mehr als 40 Jahren wurde die deutsch-russische Energie-Partnerschaft mit dem Erdgas-Röhren-Vertrag besiegelt. Damals sagte die Sowjetunion - mitten im kalten Krieg - Gaslieferungen in die Bundesrepublik zu. Im Gegenzug lieferte Mannesmann die Röhren und die Deutsche Bank finanzierte den Bau der Pipelines.

Zukunft

Doch selbst die EU-Kommission geht davon aus, dass Russland auch langfristig der wichtigste Lieferant bleiben wird. Zum einen wird der Gasverbrauch steigen, zum anderen sinkt die Förderung in der Nordsee. Die EU-Kommission rechnet damit, dass der jährliche Gasverbrauch in den Mitgliedstaaten bis 2030 von 500 auf 575 Milliarden Kubikmeter steigen wird und die Menge der russischen Lieferungen von 200 auf 215 Milliarden Kubikmeter.

„Mit den Vereinbarungen festigen wir unsere langjährige erfolgreiche Partnerschaft mit Gazprom“, erklärte Konzernchef Johannes Teyssen. Mit dem Abschluss der Verhandlungen mit Gazprom habe Eon nun die Preiskonditionen von 100 Prozent der aktuell ölpreisgebundenen Mengen erfolgreich neu verhandelt. „Diese Vereinbarung ist ein Kompromiss, der die derzeitigen Trends und Entwicklungen auf dem Gasmarkt berücksichtigt“, sagte Gazprom-Export-Chef Alexander Medwedew.

Der für die Dividende entscheidende nachhaltige Konzernüberschuss werde zwischen 4,1 und 4,5 Milliarden Euro betragen nach bislang angestrebten 2,3 bis 2,7 Milliarden Euro, teilte Eon mit. Die Eon-Aktie legte zu und notierte rund drei Prozent im Plus.

Neben dem Atomausstieg war das Gasgeschäft für Eon zuletzt einer der großen Belastungsfaktoren. Der Konzern schrieb hier teilweise hohe Verluste. Dies lag daran, dass Eon Ruhrgas seinem Lieferanten Gazprom in den langfristig festgelegten Verträgen noch hohe Preise zahlen musste, während die eigenen Großkunden wie Stadtwerke nur noch die wegen des inzwischen herrschenden Überangebots gefallenen Preise berappen wollen. Die Folge: Eon kaufte Gas teurer ein, als er es verkaufen konnte. Die Tochterfirma Eon Ruhrgas hatte deshalb im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 700 Millionen Euro wegstecken müssen.

Eon-Chef Teyssen hatte Gazprom-Boss Alexej Miller zu Zugeständnissen aufgefordert, biss damit jedoch lange Zeit auf Granit. Eon hatte bereits Schiedsverfahren eingeleitet. Die Vertragsänderungen spiegelten die veränderten Marktbedingungen wider, erklärte Gazprom nun. Langfristverträge bildeten aber weiter die Grundlage für russische Lieferungen nach Deutschland.

Die Vereinbarung könne zu höheren Gasexporten nach Deutschland führen, ergänzte der Gasriese. Gazprom gehört zu den wichtigsten Lieferanten der deutschen Energieriesen. Eon bezieht etwa ein Drittel seiner Lieferungen aus Russland. Die Laufzeit der Verträge reicht teilweise über das Jahr 2030 hinaus. Vor einigen Wochen hatten sich die Düsseldorfer bereits mit ihrem norwegischen Lieferanten Statoil auf neue Verträge geeinigt.

Auch Konkurrent RWE schrieb im Gashandel bisher zum Teil hohe Verluste. Gazprom hatte auch eine baldige Einigung mit dem Eon-Konkurrenten RWE als gut möglich bezeichnet. RWE bezieht ebenfalls einen Großteil seiner Erdgaslieferungen aus Russland. Der Konzern hatte die Erwartungen auf eine baldige Einigung mit den Russen jedoch gedämpft und weitere Zugeständnisse gefordert. "Die Vorschläge von Gazprom bleiben derzeit noch weiter hinter dem zurück, was wir mit anderen bereits erreicht haben", hatte RWE betont. Gazprom gilt als harter Verhandlungspartner. Nicht selten gab es bei Verhandlungen, wie etwa zur Beteiligung an Gasfeldern, noch in letzter Sekunde neue Verzögerungen.

Kommentare (4)

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Romulus

03.07.2012, 13:05 Uhr

Aha, so geht das! EON kann seine Prognose erhöhen.... Kein Wort davon, dass die über den Tisch gezogenen Kunden ebenfalls rückwirkend Geld zurück bekommen....Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Die langen Verhandlungen spielen doch nur EON in die Tasche, sind vielleicht von denen gar auf die lange Bank geschoben worden.
Wo sind denn hier unsere Wettbewerbshüter, Bundesnetzagentur usw... Aber es ist ja schon angekündigt, dass die Preise langfristig steigen müssen (der dumme Kunde muss sich halt damit abfinden). Und seit wann legt sich die Bundesnetzagentur für die Endkunden ins Zeug....

Account gelöscht!

03.07.2012, 13:08 Uhr

EON zahlt also nun weniger für sein Gas. Die Öl-Gaspreiskopplung ist also hinfällig.
Was hat der Kunde davon?

Anteilseigner

03.07.2012, 13:26 Uhr

Was soll das Gejammer??
Kaufen Sie sich doch einfach EON-Aktien!
Das Wunderbare an einem freien Markt ist doch gerade, dass er allen offensteht... KEINER hindert sie daran, selbst zu profitieren!

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