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02.03.2006

10:19 Uhr

Preisanstieg

Strom belastet Stahlhersteller

VonMarkus Hennes

Die deutsche Stahlindustrie drängt angesichts des starken Anstiegs der Strompreise auf eine Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Kernkraftwerke und auf eine temporäre Aussetzung des Emissionshandels. „Die Bundesregierung erkennt immer mehr, dass exorbitant steigende Strompreise mit industrieller Dynamik unvereinbar sind“, sagte Branchenpräsident Dieter Ameling am Mittwoch auf der Handelsblatt Jahrestagung „Stahlmarkt 2006“.

DÜSSELDORF. Da die Energieversorger nicht im internationalen Wettbewerb stünden, könnten sie die ihnen kostenlos zugeteilten CO2-Zertifikate zu ihrem vollen Marktwert in die Strompreise einkalkulieren, kritisierte Ameling. Seit Beginn des Emissionshandels 2005 sind die Preise für Strom und CO2-Zertifikate deshalb fast im Gleichklang gestiegen. Während die deutschen Stromkonzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall Europe zusätzliche Gewinne von fünf Mrd. Euro erzielten, hätten allein die energie-intensiven Branchen Aluminium, Stahl, Zement, Papier und Chemie Mehrbelastungen von mehr als einer Mrd. Euro pro Jahr zu tragen. Diese zusätzlichen Kosten engten den Spielraum für notwendige Investitionen empfindlich ein. Ein vorzeitiger Ausstieg aus der Kernenergie würde den Strompreis um etwa 10 Euro pro Megawattstunde oder etwa 18 Prozent erhöhen.

Außerdem setzte sich Ameling für eine Verschiebung des zweiten nationalen Allokationsplans um „mindestens ein halbes Jahr“ ein. Nach dem bisherigen Zeitplan müssen die Unternehmen bis zum 30. Juni ihren Bedarf an CO2-Zertifikaten für die Jahre 2008 bis 2012 nach Brüssel melden. Ameling plädiert hingegen dafür, solange mit der Ausgestaltung des zweiten nationalen Allokationsplans abzuwarten, bis die Erfahrungen aus der Probephase des Emissionshandels auf europäischer Ebene ausgewertet seien: „Die Unternehmen in Deutschland brauchen eine bedarfsgerechte Ausstattung mit Emissionsrechten, um dieselben Wachstumschancen zu haben wie ihre Wettbewerber in anderen EU-Ländern.“ Nach einer Prognose der Wirtschaftsvereinigung Stahl wird die Rohstahlproduktion in Deutschland 2006 wieder um 3,5 Prozent auf 45,7 Mill. Tonnen wachsen. Im Vorjahr war sie um vier Prozent auf 44,5 Mill. Tonnen gesunken. Bei den Rohstoffen entspanne sich die Situation nach dem starken Preisanstieg im Vorjahr.

Der größte deutsche Stahlhersteller Thyssen-Krupp sondiert alternative Expansionsmöglichkeiten, sollte die geplante Übernahme des kanadischen Konkurrenten Dofasco scheitern. Der Kauf von Dofasco, der im Zuge einer Übernahme des Branchenzweiten Arcelor durch die Nummer eins Mittal Steel möglich wäre, sei weiter die „optimale Variante“ für die künftige Nordamerika-Strategie von Thyssen-Krupp, betonte Spartenchef Karl-Ulrich Köhler auf der Handelsblatt-Tagung. Dofasco sei aber nur eine von drei möglichen Szenarien. Die beiden anderen Varianten seien der Neubau von Anlagen im Nafta-Markt oder Kooperationen. Im Mai werde der Aufsichtsrat darüber entscheiden.

Köhler unterstrich die Bedeutung einer Expansion in Nordamerika für den Konzern. Dadurch wolle sich Thyssen-Krupp langfristig unter den fünf weltweit führenden Stahlherstellern positionieren. Zu den Chancen seines Unternehmens bei Dofasco äußerte er sich nicht. Mit den Mittal-Plänen erreiche der Konsolidierungsprozess in der Branche eine neue Dimension, sagte Köhler. Der neue Konzern werde mit einer Produktion von 110 Mill. Tonnen Rohstahl Kunden und Lieferanten „auf Augenhöhe“ gegenüberstehen können.

Rohstoffpreise haben Zenit überschritten

Hoffnung: Nach den starken Preissteigerungen im Vorjahr gehen die Stahlhersteller zuversichtlich in die Verhandlungen mit den Rohstoffkonzernen. So sind die Spotmarktpreise für Kokskohle gegenüber 2005 um zehn Prozent gefallen. Koks hat sich um mehr als die Hälfte verbilligt. Allein Erz dürfte 2006 nochmals um zehn Prozent teurer werden.



Erleichterung: Drei Viertel der Erzeugungskosten entfielen 2005 auf Rohstoffe. In diesem Jahr gehen die Belastungen wieder spürbar auf das Niveau von 2004 zurück.

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