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13.01.2005

08:05 Uhr

Preise im Freiverkehr unter Druck

Kohlendioxid-Handel kommt auf Touren

VonUdo Rettberg

Gut sechs Wochen vor dem Start des Kassa-Handels mit Verschmutzungsrechten ist der Preis für den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) drastisch gesunken. Energiebörsen von Leipzig bis Amsterdam rüsten sich nun für den Wettbewerb.

FRANKFURT. Im Freiverkehrsmarkt kostete das Recht, eine Tonne CO2 freizusetzen, 6,35 Euro. Das waren rund 25 Prozent weniger als noch zu Jahresanfang. Der Preisverfall belege, dass die Emissionsrechte von der Politik recht großzügig an die Unternehmen verteilt worden seien, erklärten Fachleute.

Die Industriebetriebe in der Europäischen Union (EU) müssen seit dem 1. Januar ihren CO2-Ausstoß kontrollieren. Dabei sind den Unternehmen auf der Basis bisheriger Werte unterschiedliche Verschmutzungsrechte zugeteilt worden. Überschreiten sie diese Werte, müssen sie Emissionsrechte zukaufen. Im anderen Fall können sie Emissionsrechte verkaufen. Das Umweltverhalten der Firmen schlägt sich also direkt in deren Bilanz nieder.

Am 28. Februar sollen alle energieintensiven Unternehmen in den 25 EU-Staaten, die ihren C02-Ausstoß kontrollieren müssen, ihre Emissionsrechte auf entsprechenden Konten vorfinden. Am 1. März beginnt dann der Kassa-Handel auf elektronischen Plattformen und an Börsen. Banken, Broker und Börsen wie die European Energy Exchange (EEX) in Leipzig werden dann versuchen, sich einen möglichst großen Teil des Kuchens zu sichern.

Im Freiverkehr kommt der Handel bereits auf Touren. Allein in der ersten Handelswoche des neuen Jahres wurden 885 000 Tonnen Kohlendioxid gehandelt. Das entspricht fast zehn Prozent des Volumens, das seit dem Start des außerbörslichen Handels im März 2003 den Besitzer gewechselt hat. Am Freiverkehrsmarkt haben Energieversorger, Broker und auch Banken einen Terminhandel mit CO2-Emissionsrechten organisiert. „Das an diesem Markt gehandelte Volumen hat seit Beginn im März 2003 die Marke von zehn Millionen Tonnen Kohlendioxid überstiegen“, sagt Armin Sandhövel von der Dresdner Bank.

Die Preise der Emissionsrechte gerieten seit Jahresbeginn weiter unter Druck. Noch zu Beginn der vorigen Woche war für eine Tonne Kohlendioxid zur Emission im Jahr 2005 ein Preis von 8,40 Euro gezahlt worden; bis gestern fiel der Preis auf 6,35 Euro je Tonne. Auch die Preise für Emissionsrechte der Jahre 2006 und 2007 rutschten weiter ab. Dass sich die Preise für 2005er-Emissionsrechte vom Hoch bei 13 Euro je Tonne Anfang 2003 inzwischen mehr als halbiert haben, wird bei Fachleuten nicht zuletzt mit den üppigen Zuteilungen der einzelnen EU-Staaten an die Unternehmen des jeweiligen Landes begründet – im Rahmen der so genannten Allokationspläne.

Auch Banken sind am Emissionshandel interessiert. Einige Häuser sehen in diesem politisch bestimmten Markt ein lukratives Betätigungsfeld. Auf europäischer Ebene haben sich HSBC, Barclays und Fortis durch frühzeitige Aktivitäten einen Wettbewerbsvorsprung verschafft. In Deutschland nehmen die Dresdner Bank und die Hypo-Vereinsbank eine führende Rolle ein. „Es macht keinen Sinn, den Emissionshandel in Frage zu stellen“, sagt Otto Steinmetz, Vorstand der Dresdner Bank.

Das Kyoto-Protokoll zum weltweiten Klimaschutz tritt in diesem Jahr in Kraft und macht damit die Zusagen der EU zur Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen wie CO2 völkerrechtlich verbindlich. „Diese Herausforderungen können Motor des technischen Fortschritts sein und zu einem wesentlich effizienteren Umgang mit Rohstoffen führen“, begründet Günther Berger von der Hypo-Vereinsbank das Interesse seiner Bank am Emissionshandel.

„Die Akteure sind startklar“, sagt Dresdner-Fachmann Sandhövel. Sowohl die Unternehmen als auch die Intermediäre (Broker und Banken) sowie zumindest sechs Börsen in Europa seien bereit. Die Energiebörse in Leipzig berechnet bereits seit Wochen einen CO2-Preisindex, der den allgemeinen Preistrend reflektiert. „Auch wir sind bereit“, sagt Ludwig Nießen von der österreichischen Strombörse EXAA in Graz. Darüber hinaus haben die Mehrländerbörse Euronext und auch die Börse in Barcelona den Einstieg angekündigt. Norwegens Strombörse Nord Pool hat den geplanten Handelsstart von Januar auf Februar verschoben. Grund: bislang fehlendes Interesse der Marktteilnehmer.

Wegen der jahrelangen Erfahrungen der Mutterbörse Chicago Climate Exchange (CCX) werden der neu gegründeten European Climate Exchange in Amsterdam – einer Tochter der CCX und der britisch-amerikanischen International Petroleum Exchange (IPE) – gute Chancen auf eine führende Rolle im europäischen CO2-Emissionshandel zugetraut.

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