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03.04.2013

06:57 Uhr

Preiserhöhungen

Carsharing soll aus den roten Zahlen rasen

VonLukas Bay

Mit Lockangeboten und Preisnachlässen haben die Autohersteller die Kundenzahlen ihrer Carsharing-Angebote hochgetrieben. Nun soll sich das Investment für die Hersteller auszahlen.

Die DriveNow-Flotte soll profitabler werden. PR

Die DriveNow-Flotte soll profitabler werden.

DüsseldorfDie urbane Mittelschicht fährt wieder Auto. Schuld daran sind vor allem die Carsharing-Angebote der Autohersteller in deutschen Großstädten: Mehr als 453.000 Autofahrer waren im vergangenen Jahr mindestens einmal mit einem Carsharing-Fahrzeug unterwegs. Das Konzept, ein Auto minutengerecht zu mieten, ohne sich Gedanken um Versicherung oder Parkgebühren machen zu müssen, lockt insbesondere junge Kunden an, die sich eigentlich kein Auto leisten können oder wollen.

Das Wachstum ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer ausgeklügelten Marketingstrategie. In der Fußgängerzone, auf Musikfestivals und auf Schnäppchenportalen im Internet - wo immer die junge Zielgruppe zu finden ist, werben die Hersteller mit Freiminuten und Preisnachlässen für ihre Carsharing-Töchter.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Mit ihrer offensiven Werbung haben die Hersteller das Carsharing aus der Ökonische befreit. Seit BMW, Daimler und Citroën mitmischen, haben die Mitgliederzahlen in den deutschen Großstädten rasant zugenommen: Sie stiegen binnen eines Jahres bis Ende 2012 um fast 500 Prozent auf rund 183.000 - und überflügeln das Wachstum der ökologisch motivierten Carsharing-Pioniere. Doch bei aller Freude über die wachsende Beliebtheit haben die Hersteller ein Problem. Durch die hohen Investitionen und Lockangebote ist bisher keines ihrer Angebote rentabel. Das soll sich nun ändern.

Innerhalb einer Woche haben alle großen Hersteller angekündigt, ihre Preisstruktur zu überarbeiten. Besonders DriveNow, das Carsharing von BMW und Sixt, hat die Preise dabei deutlich erhöht. Im normalen Tarif, der immer noch den Großteil des Geschäfts ausmacht, wurden die Preise um mindestens zwei Cent pro Minute angehoben. „Die Kosten für Benzin und Parkplätze haben sich erhöht“, begründet BMW die Entscheidung.

Dabei ist die vermeintlich kleine Tarifumstellung ein Paradigmenwechsel: Pakete, die einen günstigen Minutenpreis möglich machen, sind künftig nur noch 30 Tage gültig. Das ungenutzte Guthaben verfällt nach Ablauf des Stichtags. Ohne Kündigung wird jeden Monat wieder abgebucht. Faktisch hat BMW damit ein Abomodell eingeführt, wie man es von Mobilfunkanbietern kennt.

Kommentare (10)

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zeitkom

03.04.2013, 07:06 Uhr

Solange die Autos nicht vernünftig saubergehalten werden, wird das nichts. Schon normale Mietwagen sind oft eine Zumutung, wenn der Dreck in den Poren sitzt - auch bei den Top-Anbietern. Und die werden nach jeder Rückgabe gereinigt. Wenn dann ein Carsharing-Auto wochenlang nicht geputzt wird und alle Autos im Umkreis Online den Zustand :-( vermelden, steigt man lieber in den Bus.

toni

03.04.2013, 08:56 Uhr

man sieht ja an drive now, wie die preise steigen, die kunden aber auch nicht jede preiserhöhung mitmachen. ich nutzte die car-sharing dienste gelegentlich, um den auch ungepflegten öffentlichen zu entgehen, aber das preis-leistungs-verhältnis muss stimmen. denn im hinterkopf habe ich immer den preis des öffentlichen nahverkehrs. und wenn´s zu teuer wird, dann bleibt auch das car-sharing auto für mich stehen.

Stinksauer

03.04.2013, 09:34 Uhr

35 Mille für einen halbwegs gut ausgestatteten Golf, der die meiste Zeit in der Tiefgarage steht! Da kommt man schon ins Grübeln, ob es überhaupt noch einmal ein eigenes Auto sein muss. Zumal der Carsharer ums Eck alles, was das Herz begehrt, zu moderaten Preisen in seinem Programm hat.

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