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13.01.2011

08:45 Uhr

Premiere im Fernverkehr

Intercitys mit Doppelstockwagen

VonSilke Kersting, Eberhard Krummheuer

Im Regionalverkehr sind Doppelstockzüge schon zur Gewohnheit geworden. Jetzt sollen auch im Fernverkehr Züge mit höherer Kapazität zum Einsatz gebracht werden. Dann gibt es zwar mehr Platz, die neuen Züge werden aber deutlich langsamer fahren.

Bald fahren auch im Fernverkehr Doppelstockzüge. dpa

Bald fahren auch im Fernverkehr Doppelstockzüge.

BERLIN, DÜSSELDORF . Die Deutsche Bahn hat bei Bahntechnik-Marktführer Bombardier 27 neue Doppelstockzüge mit 137 Waggons im Wert von 360 Millionen Euro bestellt. Sie sollen ab Ende 2013 Teile der bis zu 40 Jahre alten Intercity-Flotte ersetzen. Das sagte Personenverkehr-Vorstand Ulrich Homburg gestern in Berlin. Bislang werden Doppelstockwagen bei der Bahn ausschließlich im Regionalverkehr eingesetzt. Im Rahmen einer mehrjährigen Option will die Bahn insgesamt 800 Wagen kaufen.

Die nur 160 Stundenkilometer schnellen Züge – Intercitys fahren bis zu 200 km/h – sollen auf weniger nachgefragten Randstrecken zum Einsatz kommen. Dort will die Bahn mit den modernen Fahrzeugen neue Kunden gewinnen. Welche Strecken das sein werden, sagte Homburg nicht. Die neuen Züge sollen in puncto Ausstattung und Design ICE-Zügen entsprechen.

Parallel dazu will die Bahn alte IC-Waggons noch einmal modernisieren und damit ihre Fahrzeugreserve im Fernverkehr stärken. Die bereits Ende Dezember erfolgte Bestellung ist auch eine Reaktion auf die sich seit Monaten zäh hinziehenden Preisverhandlungen mit Siemens für eine neue Großserie von ICX-Triebzügen, die die Fernverkehrsflotte ersetzen sollen.

Selbst bei einem Abschluss in den nächsten Monaten könnten erste Züge der neuen Bauart frühestens 2016 eingesetzt werden, so Homburg. "Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Anfälligkeit sinkt“, sagte er auch mit Blick auf die zurückliegenden Wintertage, während derer eine Vielzahl von Zügen ausgefallen war. Kritisch bleibt das laufende Jahr 2011 – sowohl für diesen Winter als auch den nächsten. Schotterflug und durch eindringenden Schnee ausgelöste Kurzschlüsse seien nach wie vor Schwachstellen. „Diese beiden Themen müssen wir bis zum nächsten Winter lösen", sagte Homburg. Mitte 2012 sei mit einer Entspannung der Kapazitäten im Fernverkehr zu rechnen, weil dann der mit der Industrie vereinbarte Austausch der Achsen beim ICE 3 abgeschlossen sei. Dann will die Bahn die vom Eisenbahnbundesamt angeordneten sehr kurzen Wartungsintervalle wieder strecken und kann über mehr Züge verfügen.

In den Verträgen mit Bombardier sei die Nutzung der Doppelstockwagen auch bei extremen Wetterverhältnissen festgeschrieben, sagte Homburg. Im Regionalverkehr hätten die Züge bisher gut funktioniert. Er sei "vorsichtig optimistisch", dass Bombardier die neuen Doppelstock-Züge so zuverlässig baue wie bisher.

An den heftigsten Tagen des Winters hat die Bahn zum Teil kaum mehr als 20 Prozent ihrer Fernzüge pünktlich gefahren, berichten Bahnkreise. Trotz der Behinderungen durch Schnee, Eis, umgestürzte Bäume und zerstörte Oberleitungen seien wenigstens 95 Prozent der täglichen Züge gefahren – im Umkehrschluss bedeutet das aber, dass an manchen Tagen fast 1 500 Züge ausgefallen sind. "Und das, obwohl wir uns technisch und personell wie nie zuvor auf den Winter vorbereitet hatten. Es war immer noch nicht genug", sagte ein Bahn-Manager.

Außerdem habe es einen zusätzlichen Fahrgastansturm gegeben. Im Fernverkehr kamen bis zu zehn Prozent mehr Passagiere; die hätten zusätzlichen Umsatz von fast 40 Millionen Euro gebracht, heißt es inoffiziell im Konzern. Allerdings muss sich die Bahn auch mit Regressforderungen von etwa 100 000 Kunden auseinandersetzen.

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