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18.04.2015

11:24 Uhr

Pressestimmen

Der Machtkampf bei VW geht weiter

VonFinja Seroka, Tanja Könemann

Martin Winterkorn bleibt VW-Chef – zumindest vorerst. Der Aufsichtsrat hat sich für Winterkorn entschieden und sich damit gegen Aktionär Ferdinand Piëch gestellt. So kommentieren die Medienhäuser die Entscheidung.

Entschieden - aber nur vorerst: Für die Vertreter der Presse ist der Machtkampf bei VW noch nicht vorüber. ap

Entschieden - aber nur vorerst: Für die Vertreter der Presse ist der Machtkampf bei VW noch nicht vorüber.

DüsseldorfDer mächtige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat im Ringen an der Führungsspitze des Konzerns eine ungewöhnliche Schlappe erlitten. Trotz der Attacken Piëchs bleibt Martin Winterkorn (67) als VW-Chef im Amt. Sein bis Ende 2016 laufender Vertrag soll sogar verlängert werden. Bei einem Krisentreffen des innersten Machtzirkels stand Piëch, der am Freitag 78 Jahre alt wurde, isoliert da. Pressevertreter sehen den Machtkampf alles andere als entschieden an.
Welt.de schreibt:
„Sage noch einmal jemand, Wirtschaft sei nicht spannend. Das Schauspiel, das in der vergangenen Woche rund um die Volkswagen-Führungsspitze gegeben wurde, hatte beste Soap-Qualität. (…)
Inklusive des "Cliffhangers" – denn das Drama um die Macht bei Deutschlands größtem Autobauer ist längst nicht wirklich beendet.“

Spiegel.de analysiert die Hintergründe:
„Vordergründig ist es der Machtkampf zweier Männer in fortgeschrittenem Alter. (…) Im Kern geht es um etwas anderes. Die Marke Volkswagen hat gewaltige Probleme.
(…)
Man kann Piëch nachsagen, dass es ihm um Macht geht, vielleicht auch um Eitelkeiten. Aber man kann nicht abstreiten, dass er jetzt die Zukunft des Unternehmens in Gefahr sieht und deshalb aktiv wird. Das ist die Aufgabe des Aufsichtsratsvorsitzenden, auch wenn die Art, in der er sie ausübt, manchen frösteln lässt.“

Volkswagen in Zahlen

Umsatz

108,8 Milliarden Euro im 1. Halbjahr 2015 (+10,1 Prozent)

Auslieferungen an Kunden

5,039 Millionen Fahrzeuge (-0,5 Prozent)

Gewinn nach Steuern

5,663 Milliarden Euro (-0,9 Prozent)

Mitarbeiter

597.800 am 30. Juni 2015 (+0,9 Prozent im Vergleich zum 31. Dezember 2014)

Mitarbeiter im Inland

273.900 (+1,0 Prozent)

Werke

118 (Vorjahr: 106)

FAZ.net schreibt über die beiden Kontrahenten:
„Bei Winterkorn weiß man immer, woran man ist. Er kann sich nicht verstellen. Das ist ein großer Unterschied zu Ferdinand Piëch. Der mächtige VW-Aufsichtsratsvorsitzende ist wie eine Sphinx. Piëch wahrt stets die Contenance und spricht selbst dann leise und monoton, wenn er einen aus seiner Sicht unfähigen Manager vorführt und verbal hinrichtet. Winterkorn ist ähnlich autoritär wie Piëch, er agiert aber nicht so kalt und erbarmungslos wie sein Chefaufseher, wenn es darum geht, in Ungnade gefallene Führungskräfte auszusortieren.“

Kehrt jetzt Frieden ein bei Volkswagen? Nein, lautet die Antwort der Süddeutschen Zeitung:

„Am Freitagnachmittag melden sich die ersten Kritiker zu Wort. In der Erklärung fehle eine Entschuldigung des Patriarchen, wird moniert. "Dann wäre es rund gewesen, dann wäre es eine wirkliche Befriedung", sagt einer, der nah dran ist.

(...)

Dass der Strippenzieher Piëch keinen Plan B hat, ist unwahrscheinlich. Dafür ist die Lage zu ernst. Seit Monaten soll es nun schon diese Entfremdung geben zwischen Piëch und seinem Zögling. Zu dominant, zu wichtig sei Winterkorn im Konzern geworden, sagen Eingeweihte. Andererseits hat er die Probleme von VW auf dem amerikanischen Markt zu verantworten, die schwachen Gewinne der Stammmarke VW. Und dann ist da noch die offene Frage, wer Piëch an der Aufsichtsratsspitze ersetzen könnte. Er wollte seine Frau Ursula - das wollen die anderen nicht. Winterkorn wollte selbst gerne - das aber wollte Piëch nicht. Zumindest das hat Piëch vereitelt.“

Winterkorn habe einen hohen Preis gezahlt, heißt es in der Märkischen Zeitung:

„Der Manager zahlt für diese zweite Chance allerdings einen hohen Preis. Die mächtige IG Metall und der Betriebsrat werden den 67-Jährigen häufig daran erinnern, dass sie ihm in schwieriger Zeit beigestanden haben. Er steht in der Schuld des Arbeitnehmerlagers. Als harter Sanierer, der in Deutschland Tausende teurer Stellen streicht oder unprofitable Werke stilllegt, dürfte Winterkorn in der Spätphase seines Schaffens kaum mehr auffallen.“

Wiwo.de spekuliert über Winterkorns Nachfolger:
„Die Bühne ist also für die jüngeren Spitzenkräfte bei Volkswagen geebnet. Herbert Diess ist einer von ihnen – oder besser gesagt wird einer von ihnen: Denn der ehemalige Entwicklungsvorstand von BMW muss erst einmal seinen Dienst in Wolfsburg antreten.
(…)
Was für Diess gilt, trifft auch auf Andreas Renschler zu. Im Machtkampf bei einem deutschen Autobauer unterlegen, exzellenter Ruf in der Branche und als Vorstand nach Wolfsburg geflüchtet. Renschler ist nur ein Jahr älter als Diess, die Konstellation ist ähnlich.“

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