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06.02.2013

17:17 Uhr

Prinovis

Bertelsmann schließt Druckerei und streicht 1000 Jobs

Prinovis hat die Schließung seiner Druckerei in Itzehoe im kommenden Jahr beschlossen. Dabei verlieren rund 1000 Mitarbeiter ihren Job. Das Werk wird aus Wettbewerbsgründen dichtgemacht.

Das Todesurteil für die Prinovis-Druckerei in Itzehoe (Schleswig-Holstein) ist beschlossen. dpa

Das Todesurteil für die Prinovis-Druckerei in Itzehoe (Schleswig-Holstein) ist beschlossen.

HamburgDie Krise der Druckbranche fordert ihr nächstes großes Opfer. Der Medienkonzern Bertelsmann schließt seine Druckerei im holsteinischen Itzehoe mit mehr als 1000 Beschäftigten. Damit fallen bei der Konzerntochter Prinovis - Europas größtem Tiefdruckkonzern - mehr als ein Viertel der 3800 Stellen weg. Itzehoe, wo der "Spiegel", der "Stern" sowie Kataloge für Ikea und Otto gedruckt werden, arbeite nicht mehr wirtschaftlich, teilte Prinovis am Mittwoch mit.

"Noch nie ist in Deutschland eine so große Druckerei an einem solchen Standort geschlossen worden", sagte Fachbereichsleiter Martin Dieckmann von der Gewerkschaft Verdi dem NDR. Arbeitnehmer und Management wollen nun rasch Verhandlungen über einen Interessenausgleich und eine Sozialplan aufnehmen. Der Betrieb an dem 130 Jahre alten Standort soll in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres auslaufen. Itzehoe ist eine der Wurzeln des Bertelsmann-Zeitschriftenverlags Gruner + Jahr.

Die Zeitungskrise

Deutschland, Zeitungsland

Trotz aller Hiobsbotschaften aus der Medienbranche ist Deutschland immer noch ein Zeitungsland: Nach aktuellen Angaben des Bundesverbandes deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gibt es hier 315 lokale und regionale Abonnementzeitungen, 10 überregionale Blätter sowie 8 Straßenverkaufszeitungen, vor allem die „Bild“.

Die Auflagen sinken

Doch die meisten Blätter verlieren von Jahr zu Jahr an Auflage. Im zweiten Quartal 2013 wurden pro Erscheinungstag 20,64 Millionen Tageszeitungen verkauft, wie aus einer Erhebung der IVW hervorgeht. Das sind rund 4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Darin sind rund 0,38 Millionen E-Paper-Ausgaben enthalten. Bei den Wochenzeitungen zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab: Die verkaufte Auflage sank um rund 20.000 auf 1,73 Millionen Exemplare.

Der Werbemarkt schwächelt

Die sinkende Auflage trifft die Zeitungen gleich doppelt: Zum einen sinken die Vertriebserlöse, wenn die Verlage den Verkaufspreis nicht anheben (was in den letzten Jahren aber viele getan haben). Zum anderen verdienen sie weniger mit den Anzeigen – deren Preis richtet sich nach der Reichweite. Während der Gesamtwerbemarkt 2012 um 0,9 Prozent schrumpfte, verzeichneten die Zeitungen einen Umsatzrückgang von 9,1 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Fürs laufende Jahr erwartet der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft, dass die Verlage maximal eine schwarze Null erreichen.

Rubrikenmärkte wandern ins Netz ab

Mit Kleinanzeigen, Stellenausschreibungen und Autoanzeigen haben die Verlage jahrzehntelang gutes Geld verdient. Doch die Rubrikenmärkte sind weitgehend ins Internet abgewandert – viele der Portale gehören nicht Verlagen, sondern anderen Akteuren. Hier gibt es nur wenige Ausnahmen. Im Online-Geschäft sehr aktiv ist beispielsweise der Axel-Springer-Verlag, ihm gehören das Immobilienportal Immonet und das Stellenportal Stepstone.

Digitale Produkte gleichen Minus nicht aus

Die große Hoffnung auf den Verkauf digitaler Ausgaben hat sich bislang nicht erfüllt. Zwar verkaufen sich E-Paper immer besser, im zweiten Quartal 2013 waren es rund 380.000 Exemplare. Doch das ist zu wenig, um den Rückgang der Printauflage aufzufangen. Die Reichweite der Web-Portale steigt zwar, doch die Werbeeinnahmen gleichen das Umsatzminus nicht aus. Viele Verlage hoffen, mit Bezahlmodellen im Netz mehr Geld zu erwirtschaften.

Hoffnung auf die große Reichweite

„Gedruckt, online und mobil erreichen die Zeitungen aktuell ein Publikum, das so groß ist wie nie zuvor“, erklärt der BDZV. Auf diese Reichweite hoffen die Verleger. Als Chancen nennt der Verband das Digitalgeschäft, aber auch neue Geschäftsfelder wie Aus- und Weiterbildung oder Veranstaltungsmanagement. Allerdings haben viele Verlage mit diversen Sparrunden das Personal stark ausgedünnt – das erschwert die Umsetzung neuer Ideen.

Bezahlinhalte als Ausweg?

Immer mehr Verlage hoffen, mit Bezahlinhalten den Umsatz steigern zu können. Beim „metered model“, das etwa die „Welt“ verwendet, dürfen die Leser nur eine bestimmte Zahl an Artikeln kostenlos lesen – danach müssen sie ein Abo abschließen. Und die „Bild“ stellt nur einen Teil der Artikel kostenlos ins Netz, andere Beiträge bekommen nur zahlende Kunden zu sehen.

Auf die Aufträge dürfen sich nun die übrigen Druckereien des Konzerns Hoffnungen machen, die ebenfalls mit schwindender Auslastung kämpfen. Das Unternehmen, an dem auch Axel Springer beteiligt ist, betreibt neben Itzehoe weitere Druckereien im benachbarten Ahrensburg, in Dresden und Nürnberg sowie im britischen Liverpool. Ende 2008 schloss Prinovis bereits seine Druckerei im hessischen Darmstadt.

Prinovis erwartet durch die in der zweiten Jahreshälfte 2014 geplante Schließung nachhaltige Einsparungen von rund 20 Millionen Euro. Dem stünden Restrukturierungskosten in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe gegenüber.

In der Druckbranche tobt seit Jahren wegen Überkapazitäten ein harter Preiskampf. Angesichts der steigenden Internet-Nutzung schrumpfen die Auflagen von Zeitungen sowie Zeitschriften und Katalogen. Hochglanzmedien waren traditionell eine Domäne des aufwendigen Tiefdruckverfahrens, auf das der Betrieb in Itzehoe spezialisiert ist. Diese Rolle machen ihm zunehmend Druckereien mit dem billigeren Offset-Verfahren streitig, das in den vergangenen Jahren perfektioniert wurde.

Der Wettbewerb zwang schon einige in der Branche in die Knie. Europas zweitgrößte Druckereigruppe Schlott ging vor zwei Jahren Pleite und wurde anschließend zerschlagen. 2008 ging auch der Branchenriese Arquana zugrunde. Unter den Branchenausrüstern sieht es nicht besser aus: Der Druckmaschinenbauer Manroland wurde nach der Insolvenz ebenfalls aufgeteilt. Der Rivale Heidelberger Druck schreibt trotz einer Schrumpfkur seit Jahren Verluste.

Von

rtr

Kommentare (6)

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IgnatzHubertus

06.02.2013, 19:07 Uhr

"...arbeite nicht mehr wirtschaftlich, teilte Prinovis am Mittwoch mit."

Irgendwie verstehe ich dieses komische Ding nicht.
Gell ihr wisst schon was ich meine...
Dieses "Soziale Marktwirtschaft" mein ich doch...

Supermann

06.02.2013, 19:35 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

alias0163

06.02.2013, 22:42 Uhr

Bertelsmann kann seine teuren buchreihen nicht mehr unters volk bringen angebliche geldanlagen ich lach mich tot klar dass sie am personal sparen.

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