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04.01.2010

12:06 Uhr

Privatkundenmarkt

RWE will am Energiesparen verdienen

VonJürgen Flauger

Die neue Effizienz-Tochter des Energiekonzerns strebt schnell positive Beiträge an - auch im Geschäft mit Elektroautos. Außerdem steigt der Konzern in den Markt für Hausautomatisierung ein. Damit wagt sich RWE als erster Versorger im großen Stil auf den Privatkundenmarkt mit dem Energiesparen.

Ein digitaler Stromzähler von RWE. Der Energiekonzern steigt als erster Versorger im großen Stil ins Privatgeschäft mit dem Energiesparen ein. (Quelle: rwe) RWE

Ein digitaler Stromzähler von RWE. Der Energiekonzern steigt als erster Versorger im großen Stil ins Privatgeschäft mit dem Energiesparen ein. (Quelle: rwe)

DÜSSELDORF. RWE will im neuen Geschäft mit Energiesparen und Elektromobilität zügig Geld verdienen. "In jedem unserer drei Bereiche, der Elektromobilität, dem Informationsportal Energiewelt.de und der Hausautomatisierung wollen wir innerhalb von drei Jahren positive Beiträge erwirtschaften", sagt Norbert Verweyen, Geschäftsführer der neuen Tochter RWE Effizienz GmbH, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Große Hoffnungen setzt das Unternehmen unter anderem auf den Einstieg in den Markt für Hausautomatisierung, wo es schon im kommenden Herbst eine computergestützte Steuerung für Heizung und Strom anbieten will.

RWE hatte die neue Gesellschaft, die sich um das Thema Energieeffizienz kümmern soll, im Juli gegründet. EU-Kommission und Bundesregierung propagieren vehement Maßnahmen zum Energiesparen, um den Klimaschutz voranzutreiben. Experten sehen allein bei Heizungen in Privathaushalten Einsparmöglichkeiten von rund 40 Prozent.

Das zunehmende Sparbewusstsein der Verbraucher setzt Energieversorger unter Druck. "Was passiert, wenn wir den Kunden nicht Angebote zum Energiesparen unterbreiten? Dann wechseln sie den Versorger", sagt Verweyen. "Mir ist ein Kunde, der nur noch 60 oder 70 Prozent verbraucht, lieber als ein verlorener Kunde." Für RWE sei das Geschäft aber nicht bloß der Versuch, Kunden zu binden, sondern ein Wachstumsmarkt: "Wir wollen mit Energieeffizienz Geld verdienen, und das soll ein wichtiges Geschäftsfeld werden."

Für den Privatmarkt brauchen Versorger standardisierte Produkte

Für den Energieexperten Berthold Hannes von der Unternehmensberatung Bain ist der Ansatz richtig. "Es ist für Versorger wichtig, das Thema zu besetzen, sonst drohen durch Effizienzmaßnahmen deutliche Geschäftseinbrüche." Die Ansprüche der Kunden würden sich ändern. Auch nach Ansicht von Stephan Werthschulte von Accenture wird das Thema in den kommenden Jahren die Agenda bestimmen: "Das Wachstumspotenzial ist erheblich, allerdings benötigt man dafür einen langen Atem." Das Engagement koste zunächst Geld, die Margen seien auch eher klein.

Schon lange kümmert sich die Energiebranche bei Großkunden um die Effizienz. Viele Versorger haben Abteilungen oder Sparten, die Energiedienstleistungen für Industrie und Gewerbe anbieten. Sie beraten Unternehmen, wie sie ihre Versorgung mit Strom, Gas und Prozessdampf sparsamer organisieren können. Das Geschäft mit Unternehmen ist allerdings sehr beratungsintensiv.

RWE ist nun der erste Versorger, der sich im großen Stil und mit einer spezialisierten Tochter an das Geschäft mit den Privatverbrauchern wagt. "Dafür braucht man standardisierte Produkte, die man in derselben Form mehrmals verkaufen kann", sagt Verweyen. RWE konkurriert hier vor allem mit Elektronikherstellern, die einzelne Automatisierungen anbieten.

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