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13.01.2014

19:42 Uhr

Probleme in den USA

Volkswagen fährt ins Abseits

VonLukas Bay, Axel Postinett

Volkswagen will die Nummer 1 werden – und hat ausgerechnet auf dem wichtigen US-Markt Probleme. Die Modellpalette des deutschen Autobauers trifft den Nerv der Amerikaner nicht. Ein neuer SUV soll die Probleme lösen.

Ausgebremst: Volkswagen kommt in den USA vom Erfolgsweg ab. Getty Images

Ausgebremst: Volkswagen kommt in den USA vom Erfolgsweg ab.

Detroit/San FranciscoDie Vollbremsung kam überraschend. Nach Jahren einer rasanten Aufholjagd mit zweistelligen Wachstumsraten ist Volkswagen in den USA zurück in den Realität. In einem wachsenden Markt haben die Wolfsburger den Anschluss verloren. „Amerika ist der weltweit härteste Automarkt“, erklärte VW-Chef Martin Winterkorn zum Auftakt der Detroit Autoshow. Allerdings trifft das vor allem auf Volkswagen zu. Der Marktanteil ist auf 2,6 Prozent geschrumpft. General Motors (Marktanteil: 17,9 Prozent) und Toyota (Marktanteil 12,2 Prozent) sind in ganz anderen Absatzsphären unterwegs. Zuletzt wurde VW im vergangenen Jahr sogar von der Nischenmarke Subaru überholt.

Auch der Trend spricht gegen Volkswagen: Im Jahresverlauf lief das VW-Geschäft immer schlechter. Das gipfelte im Dezember in einem Einbruch von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. „VW ist in den USA austauschbar, ohne Profil, ohne klare Positionierung“, sagt Automobilprofessor Ferdinand Dudenhöffer vom Center of Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg-Essen. Statt eines klaren Konzeptes regiere der Aktionismus.

Deswegen wird auch das Management neu aufstellt: Erst vergangenen Monat war US-Chef Jonathan Browning durch Michael Horn ersetzt worden. Der neue Chef spart nicht mit Kritik an der Mutter in Wolfsburg: VW müsse „die Geschwindigkeit erhöhen, mit der neue Modelle und Innovationen in den Markt gebracht werden“, erklärte er in Detroit gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Im Vergleich zur amerikanischen Konkurrenz erneuert Volkswagen seine Modelle langsamer. Darin sehen Marktbeobachter einen der Gründe für das schlechte Abschneiden von Volkswagen in den Qualitätsstatistiken. Beim Zuverlässigkeits-Ranking der Marktforscher vor JD Power belegte Volkswagen im vergangenen Jahr mit 174 Problemen bei 100 Fahrzeugen den fünftletzten Rang. Mitte November 2013 geriet VW dann noch mit einem gewaltigen Rückruf in die Schlagzeilen: Auf einen Schlag wurden mehr als 2,6 Millionen Autos in die Werkstatt beordert.

Die Folge: Der US-Passat steckt im seinem zweiten Jahr in der Krise und verkauft sich selbst mit hohen Rabatten nur noch schlecht. Ein Facelift und ein neuer Dieselmotor sollen dem Modell neuen Schwung geben. Der neue Golf, produziert im mexikanischen Puebla, soll folgen. Doch die Kompaktmodelle dürften den Absatz alleine nicht retten. Denn die Lust der Amerikaner auf geräumige Spritfresser scheint derzeit ungebrochen. Mit dem Ford F-150 und dem Chevrolet Silverado führen zwei Dickschiffe die Zulassungsstatistik an, die in Europa schon wegen der Spritpreise keine Chance hätten. Bisher kann der Volkswagen Amarok in diesem Pick-Up-Segment nicht mithalten.

Die schlechtesten Autokonzerne im US-Qualitätsranking

Methodik

Seit 26 Jahren erheben die US-Konsumforscher von JD Powers die Qualität von Neuwagen in den 90 Tagen nach der Auslieferung. Dafür werden die Konstruktionsprobleme und -mängel sowie Störungen pro 100 Fahrzeuge ermittelt. Die Initial Quality Study (IQS) gilt für US-Konsumenten als Kompass bei der Kaufentscheidung.

Platz 34

Smart (Deutschland)

Die Kleinstwagen von Daimler liegen auf dem letzten Platz im US-Qualitätsranking. Mit 151 Beschwerden auf 100 Kleinwagen ist nur eine Marke gleich schlecht.

Platz 33

Fiat (Italien)

Weil der heimische Absatzmarkt schwächelt, setzen die Italiener große Hoffnung auf den US-Markt. Das schlechte Abschneiden im Ranking ist ein schwerer Schlag für die Strategie von Konzernchef Sergio Marchionne. Auch die Italiener kommen auf 151 Beschwerden auf 100 verkaufte Wagen.

Platz 32

Mini (Großbritannien)

Die BMW-Tochter kämpft ebenfalls mit massiven Qualitätsproblemen. 139 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind deutlich verbesserungswürdig.

Platz 31

Volkswagen (Deutschland)

Groß war die Enttäuschung in der VW-Zentrale als die Ergebnisse der Studie bekannt worden. Die Qualitätsoffensive in den USA hat noch nicht gefruchtet. 124 Beschwerden auf 100 Neuwagen bescheren den Wolfsburgern einen der hinteren Plätze im Ranking.

Platz 30

Mitsubishi (Japan)

Die ehemaligen Partner von Daimler haben in den Staaten qualitativ abgebaut und landen mit 124 Beschwerden auf 100 Neuwagen ebenfalls weit hinten im Ranking.

Platz 29

Dodge (USA)

Die Chrysler-Tochter ist berühmt für ihre Pickups, aber nicht für ihre Qualität. Mit 124 Beschwerden auf 100 Neuwagen schneidet kein US-Hersteller schlechter ab.

Platz 28

Land Rover (Großbritannien)

Eigentlich leben die Geländewagen von ihrem Ruf gegen alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Offenbar sehen die US-Verbraucher das anders. 119 Beschwerden auf 100 Neuwagen ist deutlich über dem Durchschnitt.

Platz 27

Ford (USA)

Die Traditionsmarke setzte als erste auf die Massenproduktion von Automobilen. Ihren Ruf gefährdet sie durch eine hohe Problemquote von 118 Störungen auf 100 Neuwagen.

Platz 26

Scion (USA)

Die US-Tochter des japanischen Toyota-Konzerns wurde erst 2003 gegründet und soll vor allem junge Kunden ansprechen. Mit 117 Beschwerden auf 100 Neuwagen liegt die Marke ebenfalls im unteren Drittel des Rankings.

Platz 25

Chrysler (USA)

Die Fiat-Tochter schneidet in der Bewertung der US-Konsumenten deutlich besser ab als der Mutterkonzern. Auch wenn die wirtschaftliche Krise überwunden wurden, gibt es bei der Qualität Nachholbedarf. 116 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind immer noch mehr als der Durchschnitt.

Platz 24

Suzuki (Japan)

Die Zusammenarbeit mit Volkswagen haben die Japaner jüngst beendet. In den USA schneiden sie besser ab als der ehemalige Partner, allerdings immer noch schlechter als der Durchschnitt. Suzuki kommt auf eine Problemquote von 115 Beschwerden auf 100 Neuwagen.

Platz 23

Jeep (USA)

Die Geländewagen von Chrysler wollen vor allem das Geschäft in China ausbauen. Im Heimatmarkt wird die Qualität dieses Jahr eher schlecht bewertet. 110 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind überdurchschnittlich viele.

Platz 22

Subaru (Japan)

Die Japaner fertigen mit einem eigenen Werk in den USA in Ohio. Auf die Qualitätsbewertung durch die US-Konsumenten hat das keine Auswirkungen. 109 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind ein eher mittelprächtiges Ergebnis.

Platz 21

Volvo (Schweden)
Die Skandinavier leben von ihrem Qualitätsversprechen. In den USA schneiden sie allerdings schlechter ab als der Durchschnitt. Sie kommen auf 108 Beschwerden auf 100 Neuwagen.

Kommentare (10)

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HaetteHaetteSteuerkette

13.01.2014, 20:07 Uhr

VW hat auch erhebliche Qualitätsprobleme mit den TSI-Motoren, deren Steuerkette zum Totalschaden führt.
Der viel beschworene Service sind nur leere Worte,
denn Rückrufaktionen gab es nicht, man legte lieber den Deckmantel des Schweigens über alles, allerdings das Internet vergißt nichts.
Steuerkettenprobleme bei Skoda, Schirocco, Audia3, ...

yoski

13.01.2014, 20:23 Uhr

Wie es um die Qualitätsprobleme von VW in den USA bestellt ist kann man hier nachlesen:
http://www.truedelta.com/ bzw.
http://www.truedelta.com/Volkswagen-Golf/reliability-279
http://www.truedelta.com/Volkswagen-Passat/reliability-282
http://www.truedelta.com/Audi-A4/reliability-7
Das ist hoechstens mittelpraechtig. Stammkunden gewinnt man so garantiert nicht.

Account gelöscht!

13.01.2014, 20:28 Uhr

VW ist ziemlich träge.

Was ist mt dem Bluesport, was mit dem Beetle Dune?

Warum wird der Amarok in den USA nicht angeboten?

Was ist mit dem Taigun für Europa? Eine echte Alternative für die alte A-Klasse.

Warum kommt der neue Tiguan erst 2015?

Immer nur Studien, Concept Cars und neue Modelle irgendwann 2015, 2016 und letztlich kommen sie doch nicht.

2016 erst der Cross Blue, wenn überhaupt. Das ist viel zu spät! Volkswagen wird in den USA weiter den Bach runtergehen.

Soviele deutsche Unternehmen könnten dank ihres Potenzials, die Konkurrenz an die Wand drücken, bleiben letztlich aber phlegmatisch.

Manchmal glaube ich, Unternehmergeist und Kämpfertum sind nicht mehr erwünscht. Sozialistische Züge machen sich in manchen Unternehmen schon gefährlich breit.

Ist wahrscheinlich auch so gewünscht. Der EU sei dank.

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