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19.01.2009

13:21 Uhr

Produkt-Vermarktung

Pharma pocht auf Direktverkauf

VonPeter Thelen

Die deutschen Arzneimittelhersteller sollen ihre Produkte in Zukunft immer auch über den Arzneimittelgroßhandel vermarkten. Dies sehen Pläne der Bundesregierung vor. Die Pharmaindustrie fühlt sich in ihrer Freiheit eingeschränkt und will an den Direktlieferungen festhalten.

Um die Großhandelsmarge zu umgehen, wollen Pharma-Hersteller künftig Arzneien selbst ausliefern. Foto: ap Quelle: ap

Um die Großhandelsmarge zu umgehen, wollen Pharma-Hersteller künftig Arzneien selbst ausliefern. Foto: ap

BERLIN. „Dies wäre ein unangemessener Eingriff in die Freiheit der Vertriebspolitik unserer Unternehmen“, der zudem durch EU-Recht nicht gedeckt sei, warnte der Vorsitzende des Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH), Hans-Georg-Hoffmann im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Nach geltendem Recht können Arzneimittelhersteller die Apotheken auch direkt - also unter Umgehung des Großhandels – mit ihren Waren beliefern. Davon machen immer mehr Unternehmen vor allem bei hochpreisigen Medikamenten Gebrauch. Laut Marktforschungszahlen haben die Direktlieferungen der Pharmaindustrie im vergangenen Jahr rund 17 Prozent des Arzneimittelmarktes erreicht.

Beim Großhandel, der für jedes von ihm an die Apotheken gelieferten Medikament nur eine gesetzlich vorgegeben prozentuale Handelsspanne erhält, hat dies zu einem deutlichen Verfall der Margen geführt. Seit Jahren klagt die Branche, die für rund 22,5 Mrd. Euro Umsatz steht, deshalb, dass sie bei einer weiteren Ausdehnung des Direktvertriebs ihren gesetzlichen Auftrag, die flächendeckende Versorgung mit Medikamenten sicher zu stellen, nicht mehr erfüllen könne.

Diesen Sorgen will Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) nun auch auf Drängen von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) Rechnung tragen, und einen Belieferungsanspruch des Handels gegenüber den Herstellern ins Arzneimittelgesetz schreiben. Die Anhörung zu dem Entwurf dieser 15. Novelle ist für den morgigen Dienstag angesetzt. Vor diesem Termin will sich der Verband der Pharmagroßhändler (Phagro) denn auch nicht öffentlich zu dem Thema äußern, hieß es gegenüber dem Handelsblatt.

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