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20.06.2017

16:05 Uhr

Produktion in China

Teslas großer Sprung nach vorn

VonLukas Bay, Stephan Scheuer

Tesla will seine Elektroautos künftig offenbar auch in China bauen. Dort lockt den US-Pionier ein riesiger Markt. Daher scheint der Schritt für Firmenchef Elon Musk nur logisch – birgt aber auch einige Risiken.

Obwohl das Model S in China besonders teuer ist, hat der Absatz zuletzt deutlich zugelegt. AP

Interesse in China steigt

Obwohl das Model S in China besonders teuer ist, hat der Absatz zuletzt deutlich zugelegt.

Peking, DüsseldorfDonald Trump dürfte derzeit nicht allzu gut auf Tesla-Gründer Elon Musk zu sprechen sein. Öffentlichkeitswirksam verließ der Elektropionier vor einigen Wochen das Beratergremium des Präsidenten, weil Trump das Pariser Klimaabkommen aufgekündigt hatte. Und nun könnte Musk auch Trumps Parole „America First“ unterlaufen. Denn offenbar steht Tesla kurz davor, eine eigene Produktion in China aufzubauen.

Der größte Automarkt der Welt soll in den kommenden Jahren mit Rückendeckung der chinesischen Regierung einen Elektroboom erleben. Bis 2020 – so plant es das Zentralkomitee – soll sich der Absatz von aktuell auf fünf Millionen verkaufte Elektroautos verzehnfachen. Von diesem Sprung will auch Musk profitieren. Noch diese Woche könnte Tesla eine Vereinbarung mit der Stadtverwaltung von Schanghai treffen, berichtet der Finanzdienst Bloomberg. Dort soll dann die erste lokale Fertigung des Elektroautobauers in Asien entstehen.

Ein Werk in China scheint der nächste logische Schritt für den Elektroautobauer zu sein. Denn zuletzt liefen die Geschäfte gut: Innerhalb eines Jahres hat sich der Umsatz von Tesla in China auf rund eine Milliarde Dollar verdreifacht. Bis 2020 soll der Absatz in Fernost auf 500.000 Teslas steigen. Um in den chinesischen Massenmarkt vorzudringen, müssten allerdings die Preise sinken. Das geht nur mit einer lokalen Produktion.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Denn als Importprodukt werden die Elektroautos der Kalifornier bislang nicht gefördert – sondern sogar mit einem Importzoll von 25 Prozent belegt. Selbst die Einstiegsvariante des Model S kommt so auf einen Preis von umgerechnet über 100.000 Dollar. „Wir haben in China Probleme, weil wir noch nicht lokal produzieren“, klagte Musk bereits vor zwei Jahren im Interview mit dem Handelsblatt – und warb für fairen Handel.

Weitere Freihandelsabkommen zwischen China und den USA sind unter dem US-Präsidenten Donald Trump nicht zu erwarten. Wahrscheinlicher ist, dass sich der Handelskonflikt zwischen den beiden Weltmächten in den kommenden Jahren zuspitzt. Auch deswegen treibt Musk seine China-Offensive nun voran.

China lockt zwar mit einem rasant wachsenden Markt. Peking hat jedoch strenge Regeln für die Automobilbranche aufgestellt. Trotz aller Beteuerungen von Präsident Xi Jinping, sein Land weiter zu öffnen, schreibt ein rund 40 Jahre altes Gesetz vor, dass internationale Autobauer Minderheitspartner in Joint-Venture-Firmen mit chinesischen Partnern werden müssen. Bislang haben die großen globalen Autofirmen auf die Zusammenarbeit mit chinesischen Autobauern gesetzt. Doch Tesla scheint einen anderen Weg einzuschlagen.

Tesla-Chef Elon Musk: Visionär auf der Überholspur

Tesla-Chef Elon Musk

Premium Visionär auf der Überholspur

Tesla liefert so viele Autos aus wie nie zuvor, im Juli läuft das erste Model 3 vom Band, das Tesla zum Massenhersteller wandeln soll. Ganz wesentlich geholfen haben Elon Musk Technik und Management aus Deutschland.

Auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die Kooperation habe Elon Musks Firma keine chinesischen Autofirmen angesprochen, sondern auf Unternehmen aus der Technologie- und Energiebranche gesetzt, berichtet die chinesische Zeitung „Pengpai“ unter Berufung auf Insider. 

Mit dem US-Technologieunternehmen Tencent hat Tesla zwar einen Großaktionär aus Fernost, der zuletzt massiv in Mobilitätsunternehmen investierte. Der Internetkonzern betreibt bisher aber noch keine eigene Fahrzeugproduktion. Das chinesische Medium erwartet daher, dass sich Tesla für einen anderen Partner beim Autobau entscheiden wird: Shanghai Electric.

Der Staatskonzern ist erst 13 Jahre alt und produziert Energieanlagen und Windkraftanlagen, aber auch Schwermaschinen, Verpackungsmaschinen und Werkzeugmaschinen. In Deutschland gehört der Firma der Luft- und Raumfahrtzulieferer Broetje-Automation in Rastede bei Oldenburg. Die Gespräche zwischen Tesla und Shanghai Electric seien weit fortgeschritten. Noch sei aber keine Kooperation vertraglich besiegelt, schreibt „Pengpai“. Keines der Unternehmen stand auf Anfrage für eine Stellungnahme zur Verfügung.

Die Lokalisierung in China würde für Tesla große Vorteile bringen. Denn nur lokal Hergestellte Fahrzeuge können in den Genuss der vollen staatlichen Kaufprämien von umgerechnet bis zu 16.000 Euro pro Fahrzeug. Bislang werden Modelle von internationalen Fahrzeugbauern noch nicht mit den vollen Subventionen gefördert. Herstellern wie BMW ist es zumindest gelungen, auch für importierte Wagen einen Teil der Förderung zu bekommen.

Kommentare (17)

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Rainer von Horn

20.06.2017, 16:10 Uhr

Macht denn Tesla nun mit jedem verkauften E-Mobil Gewinn oder beteiligen sich die Chinesen an einer weiteren Kapitalerhöhung, die dann als Absatzförderung in China dient?

Enrico Caruso

20.06.2017, 17:35 Uhr

Von "Gewinn" im kaufmännischen Sinn ist Tesla weit entfernt. Sie machen bekanntlich pro verkauftem Fahrzeug einen Verlust von 5.000-6.000 Euro. Je weniger sie also verkaufen, desto besser geht es dem Unternehmen. Und es geht ihnen gut - sie verkaufen ja fast nichts.

Ihr Geschäftskonzept lautet daher klugerweise: Wir gehen dahin, wo es Subventionen gibt. Und genau das ist auch der Grund für die neue Chinabegeisterung bei Tesla.

Herr Jürgen Clasen

20.06.2017, 18:24 Uhr

Das alles ist ziemlich balla balla. Woher nehmen die Chinesen den Strom für diese
Autos? Aha, kommt aus neuen Kohlekraftwerken. Shanghai wird eine interessante
Stadt. Aus Millionen Wohnungen hängen dann die Ladekabel runter...Die Saudis
lassen sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Sie sorgen gerade dafür, das der
Ölpreis massiv fällt. Ziel 30 Dollar oder noch weniger, ideal 20 Dollar. Dann scheitert
die E-Mobilität nicht an den nicht vorhandenen Ladestationen, sondern weil sie
schlicht unwirtschaftlich sind.

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