Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.01.2007

10:27 Uhr

Produktionszahlen

BP enttäuscht die Märkte erneut

Der Ölkonzern BP findet nicht auf den Wachstumspfad zurück. Auch die vorläufigen Produktionsdaten für das vierte Quartal 2006, die das Unternehmen am gestrigen Dienstag veröffentlichte, blieben hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Vor der zweiten Jahreshälfte erwarten sie nun kaum Besserung.

dih LONDON. Die Öl- und Gasförderung des drittgrößten westlichen Energiekonzerns sank im Jahresvergleich um fünf Prozent auf 3,82 Millionen Barrel (159-Liter-Fass) am Tag. Die meisten Analysten hatten mit einer Zahl zwischen 3,9 und vier Millionen Barrel am Tag gerechnet. Vor der zweiten Jahreshälfte erwarten sie nun kaum Besserung.

Der Öl- und Gasausstoß von BP ist damit nun schon im sechsten Quartal nacheinander gesunken. „Es wird langsam zur Gewohnheit, dass BP eher negativ überrascht“, sagte Colin Morton, Fondsmanager bei Rensburg. Er rechne nun vor Ende 2007 oder 2008 nicht mit höherer Produktion. In der Tat hatte der britische Konzern nach glänzenden Jahren mit Rekordumsätzen und -gewinnen 2006 eine schwarze Serie. Vor allem in den USA erntete er massive Kritik nach einer folgenschweren Explosion in der Raffinerie Texas City und Öllecks in Alaska. Die Aktien des Unternehmens sanken um mehr als acht Prozent, während die des Konkurrenten Royal Dutch Shell um knapp ein Prozent zulegten.

Produktionsunterbrechungen in Alaska und Verzögerungen bei Projekten im Golf von Mexiko rissen Lücken, die der wachsende Ausstoß neuer Felder in Aserbaidschan und Nordafrika nicht auszugleichen vermochte. Auch aus dem russischen Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP bekamen die Briten weniger Lieferungen, nachdem sie Ölfelder verkauft hatten. Das russische Engagement macht etwa ein Viertel der Produktion bei BP aus.

Neben der Produktion ist im vierten Quartal auch der Weltmarktpreis für Öl kräftig gesunken, nachdem er im dritten Quartal Rekordstände erreicht hatte. Zu Jahresanfang setzt sich der Preisverfall fort, so dass die Zeit enormer Gewinnschübe in der Ölbranche zu Ende gehen dürfte.

Auch aus den anderen BP-Sparten kamen am Dienstag negative Nachrichten. Die Raffineriemargen verfielen weltweit, so dass die Gewinne aus der Ölverarbeitung sinken. Mit 6,30 Dollar je Barrel lagen sie im weltweiten Schnitt nur noch halb so hoch wie im zweiten Quartal. In Westeuropa fielen sie gar unter 2,50 Dollar. Im Handel mit Gas, Strom und erneuerbaren Energien schrumpften die Margen ebenfalls.

Eine Reihe von Analysten bezeichneten die vorläufigen Daten von BP als Enttäuschung. Trotz spezieller Probleme bei dem Konzern geben sie auch Hinweise darauf, wie das Quartal für die ganze Branche gelaufen ist. Der US-Konzern Conoco Phillips hatte letzte Woche bereits mit der Information enttäuscht, dass seine Produktion im vierten Quartal ähnlich war wie im dritten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×