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14.01.2010

09:53 Uhr

Produktverlagerung

Frankreichs Regierung knöpft sich Renault vor

VonTanja Kuchenbecker

Die französische Regierung will den Autohersteller Renault offenbar an die kurze Leine nehmen. Staatspräsident Nicolas Sarkozy bestellte Renault-Chef Carlos Ghosn zu einem Treffen am Samstag ein. Dabei soll es um die Überlegungen des Konzerns gehen, die neue Version des Kleinwagens Clio möglicherweise in der Türkei statt in Frankreich produzieren zu lassen.

Renault-Chef Carlos Ghosn möchte den neuen Clio in der Türkei produzieren. Das findet Frankreichs Präsident Sarkozy keine gute Idee. dpa

Renault-Chef Carlos Ghosn möchte den neuen Clio in der Türkei produzieren. Das findet Frankreichs Präsident Sarkozy keine gute Idee.

PARIS. Laut Medienberichten könnte die Frankreichs Regierung, die mit 15 Prozent an Renault beteiligt ist, zudem mehr Sitze im Verwaltungsrat des Unternehmens beanspruchen. Denkbar sei, dass der Staat sechs Vertreter in das 18-köpfige Gremium entsende, bisher sind es lediglich zwei. Der Elyséepalast wollte die Berichte nicht bestätigen.

Regierungsmitglieder machten am Mittwoch massiv Front gegen die mögliche Verlagerung. "Wir lassen es nicht zu, dass der Clio IV in der Türkei produziert wird", sagte Industrieminister Christian Estrosi. Auch Budgetminister Eric Woerth schaltete sich ein und bezeichnete die Überlegungen als "nicht akzeptabel". Der Präsident beobachte dieses Thema ganz genau, hieß es im Elyséepalast. Es sei "normal", dass ein Repräsentant eines Großaktionärs seine Vorstellungen mitteile.

Estrosi traf sich bereits am Mittwoch mit Renaults Generaldirektor Patrick Pélata. Pélata deutete nach dem Treffen Kompromissbereitschaft an: Es würden weiter Clios in Frankreich produziert, wie auch immer das Szenario aussehen werde, sagte er. Allerdings ließ Pélata offen, ob er sich dabei auf den Clio III oder den Nachfolger IV bezog. Bisher sei keine Entscheidung über den Produktionsstandort des Clio IV gefallen. Allerdings müsse das Modell wettbewerbsfähig bleiben. Pariser Analysten erklärten, sie wären "nicht überrascht", wenn die Autos im Ausland gebaut würden. Das entspreche der Strategie Renaults seit einigen Jahren und auch der Praxis mehrerer Konkurrenten, vor allem für kleinere Modelle.

Der Clio III wird bereits teilweise in der Türkei und in Spanien gebaut. Das neue Modell soll allerdings erst in drei Jahren auf den Markt kommen. Zudem ist der französische Clio-Produktionsort Flins bei Paris laut Renault nicht gefährdet, dort sollten in Zukunft dann verstärkt Elektroautos gebaut werden. Der Clio ist allerdings eng an Flins geknüpft, wo 1990 schon die ersten Autos der Baureihe vom Band liefen. Doch auch schon der Clio I wurde an sechs verschiedenen europäischen Standorten gebaut. Und 2009 wurden in der Türkei mehr Clios produziert als in Flins. Ohnehin werden nur noch 25 Prozent der Renaults in Frankreich hergestellt, wo sich aber 45 Prozent der Arbeitsplätze befinden.

Die Regierung macht auch deshalb verstärkt Druck, weil die französischen Autohersteller Renault und PSA Peugeot-Citroën in der Wirtschaftskrise Staatshilfen bekommen haben: Insgesamt flossen sechs Mrd. Euro, davon die Hälfte an Renault. Im Gegenzug hatte Sarkozy im vergangenen Februar von den Herstellern gefordert, keine Arbeitsplätze in Frankreich abzubauen und ins Ausland zu verlagern. Zudem sollten sie vor allem bei französischen Zulieferern einkaufen. Allerdings galt das nur für die aktuelle Produktion und nicht für zukünftige. Und trotz der Milliardenhilfen hatten die Autohersteller angekündigt, Tausende von Arbeitsplätzen zu streichen.

Sarkozys Forderungen hatten europaweit für Aufregung gesorgt. Frankreich wurde Wirtschaftsprotektionismus vorgeworfen, vor allem die Forderung, Produktionsstätten nach Frankreich zurückzuverlagern, wurde kritisiert und schließlich aufgegeben.

Kommentare (1)

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Türkoglu

14.01.2010, 18:57 Uhr

warum eigentlich ist der kleine Sarkozy sauer? Frankreich ist ein träges Monster geworden. Die "Grande Nation" ist ein Grande bLUFF. Jeder der hinter die Fassade schaut bekommt das schnell heraus.Die Türken sind fleissiger , produktiver und in Sachen Qualität längst auf einem höheren Niveau als italien oder Frankreich.

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