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26.01.2016

07:53 Uhr

Prognose angehoben

Siemens startet stark ins neue Jahr

Siemens übertrifft die Erwartungen: Umsatz, Gewinn und die Prognose zeigen deutlich nach oben. Joe Kaeser bekommt für seine „Vision 2020“ Rückenwind – und leistet sich direkt einen Zukauf für fast eine Milliarde Dollar.

Vor allem das Kraftwerkssegment bringt Siemens nach vorne. dpa

Zugpferd für Kaeser

Vor allem das Kraftwerkssegment bringt Siemens nach vorne.

MünchenSiemens-Chef Joe Kaeser kann recht entspannt in die Hauptversammlung gehen. Für die Aktionäre hat er mehrere gute Nachrichten mitgebracht: Die Ziele 2015 wurden erreicht, das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres ist sehr gut gelaufen, und in den USA verstärkt sich der Konzern mit dem Kauf der Software-Firma CD-Adapco.

Besonders gespannt waren Anleger und Analysten diesmal auf die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2015/16. Kaeser hat versprochen, dass sich der radikale Konzernumbau in diesem Jahr positiv in den Zahlen niederschlagen soll. In Sachen Wachstum will sich Siemens besser schlagen als die Konkurrenz. Leicht wird das nicht, das Umfeld ist unsicher: Nicht nur in China schwächen sich die Wachstumsraten ab, zudem leidet auch Siemens als Ausrüster der Förderer unter dem niedrigen Ölpreis.

Diese Effekte konnte der Konzern in den vergangenen Monaten zumindest gut kompensieren. Der Umsatz stieg – auch dank Zukäufen und der Wechselkurseffekte – um 8 Prozent auf 18,89 Milliarden Euro. Der Gewinn ging mit einem Plus von 42 Prozent nach oben. „Wir haben ein starkes Quartal geliefert und sind mit der Umsetzung unserer Vision 2020 auf gutem Weg“, sagte Konzernchef Joe Kaeser.

Bilanzcheck Siemens: Die Stunde der Wahrheit für Joe Kaeser

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2015 hat Siemens seine wenig ambitionierten Ziele erreicht – doch nur die Hälfte der Divisionen schaffte die Margenziele. Jetzt muss Wachstum her. Der Siemens-Chef weiß, dass er dabei die Profitabilität im Blick behalten muss.

Aufgrund dieser Zahlen hat Siemens auch seine Gewinnprognose angehoben. Je Aktie rechnet das Management im Geschäftsjahr 2015/16 nun mit einem Gewinn zwischen 6 und 6,40 Euro, wie das Dax-Unternehmen bereits am Montagabend mitteilte. Bislang waren 5,90 bis 6,20 Euro geplant.

Siemens schlug sich auch gut im Vergleich mit dem Erzrivalen General Electric. Die Amerikaner sind noch stärker als Siemens im Ölgeschäft aktiv. Im Weihnachtsquartal sanken die Erlöse im Industriegeschäft bei GE um ein Prozent auf 31,4 Milliarden Dollar. Der operative Gewinn sank hier sogar um acht Prozent auf 5,52 Milliarden Dollar. Im Geschäft mit der Förderindustrie und der Petrochemie brachen Umsatz und Gewinn sogar um ein Sechstel ein.

Das sind die größten Baustellen von Siemens

Energiesparte

Hier hat Siemens den Trend zu dezentralen Lösungen verpasst. Die Münchener ließen sich für ihre riesige Weltmeister-Gasturbine der H-Klasse feiern. Doch in Zeiten der Energiewende waren vor allem kleine Modelle gefragt, die die Konkurrenz im Portfolio hatte. Auch in Sachen Innovationskraft verlor Siemens den Anschluss. Mit teuren Akquisitionen, einem Stellenabbau und mehr Investitionen in Forschung & Entwicklung versuchen Joe Kaeser und Energievorstand Lisa Davis gegenzusteuern.

Wachstumsschwäche

Vor einer guten Dekade war Siemens doppelt so groß wie BMW. Inzwischen ist der Autobauer an dem Technologiekonzern vorbeigezogen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen trennte sich Siemens immer wieder von Geschäftssparten, ohne im gleichen Maß zuzukaufen. Zudem war Siemens auch organisch in den meisten Jahren wachstumsschwach und fiel hinter die besten Konkurrenten zurück. Kaeser setzt auf mehr Innovationen und einen besseren Kundenzugang. Ab dem Geschäftsjahr 2016 soll Siemens schneller wachsen als die Wettbewerber.

Ertragsschwäche

Kaesers Vorgänger Peter Löscher wähnte Siemens schon in der Champions League der weltbesten Unternehmen. Doch nach einem Zwischenhoch bröckelten die Renditen wieder ab. Für das Geschäftsjahr 2014/15 hatte Kaeser eine operative Umsatzrendite von zehn Prozent im Industriegeschäft versprochen. Angesichts der Kosten für den Umbau ist das ordentlich. Doch die besten Konkurrenten wie General Electric sind in vielen Bereichen besser. Durch kürzere Hierarchiewege, eine Sanierung der renditeschwachen Bereiche und den Abbau von Stellen will Kaeser mit seiner „Vision 2020“ Boden gut machen.

Dresser-Rand

Der Kauf des US-Kompressorenherstellers für zunächst 7,6 Milliarden Dollar war einer der größten Zukäufe in der Unternehmensgeschichte. Kaeser hatte sich, auch von seinem Vorgänger Peter Löscher, in einen Bieterwettbewerb treiben lassen. Doch seit der Übernahme ist der Ölpreis drastisch gefallen, die Förderer stellen ihre Investitionen zurück. Der Kaufpreis war im Nachhinein viel zu hoch. Nun muss Kaeser auf eine Erholung der Ölpreise hoffen und Dresser-Rand wenigstens erfolgreich integrieren.

Autor: ax

Kaeser schärft außerdem weiter das Portfolio. Für rund 300 Millionen Euro verkauft der Konzern seine Restbeteiligung an der ehemaligen Siemens-Hörgerätesparte an den Finanzinvestor EQT. Wie geplant abgeschlossen wurde zudem der Verkauf der 49-Prozent-Beteiligung an Unify an den französischen Atos-Konzern. „Diese Transaktion markiert einen Meilenstein in der Geschichte von Siemens und die vollständige Trennung vom Telekommunikationsgeschäft“, sagte Kaeser am Dienstag.

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