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10.08.2012

09:36 Uhr

Prognose bestätigt

Thyssen kruppt sich durch die Krise

Die Investoren von Thyssen-Krupp müssen weiter starke Nerven haben. Wegen der Flaute auf dem europäischen Stahlmarkt sinkt das Ergebnis spürbar. Immerhin: Einige hatten noch Schlimmeres erwartet.

Expertengespräch

Thyssen Krupp lässt kräftig Federn

Expertengespräch: Thyssen Krupp lässt kräftig Federn

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EssenThyssen-Krupp kämpft jetzt auch in Europa mit immer größeren Problemen im Stahlgeschäft. Bislang hatte vor allem die amerikanische Stahlsparte mit ihren Verlusten auf dem Konzern gelastet. Im dritten Quartal brach aber der operative Gewinn der Stahlschmieden in Europa auf 52 Millionen ein, ein Jahr zuvor standen noch 322 Millionen Euro in den Büchern.

Dies trug maßgeblich dazu bei, dass auch im Gesamtkonzern der um Sondereffekte wie Veräußerungsergebnisse bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 122 Millionen von 570 Millionen Euro zusammenschmolz, wie Thyssen-Krupp am Freitag mitteilte. Dennoch bestätigte das Unternehmen seine Prognose für das im September endende Geschäftsjahr 2011/12.

„Die schwache konjunkturelle Entwicklung und insbesondere die allgemeine Unsicherheit infolge der ungelösten Staatsschuldenkrise machen sich in unseren Märkten zunehmend bemerkbar“, erläuterte Vorstandchef Heinrich Hiesinger bei der Vorlage der Zahlen. Im Stahlgeschäft spüre der Konzern die Zurückhaltung der Kunden. Thyssen-Krupp habe hierauf maßvoll reagiert. Der Konzern hatte Anfang dieses Monats mehr als 2000 Stahlbeschäftigte in Kurzarbeit geschickt.

Das Leben des Berthold Beitz

Eine Verbeugung

Berthold Beitz hat nicht nur den Krupp-Konzern umgewandelt und deutsche Wirtschaftsgeschichte geschrieben, sondern ist vor allem eine der größten Persönlichkeiten unserer Zeit. Der Historiker Joachim Käppner hat eine Biografie über Beitz geschrieben, die dessen Leben umfangreich aufarbeitet. Es folgt eine Zusammenfassung.

Geburt in Pommern

Berthold Beitz wird am 26. September 1913 in Zemmin in Pommern geboren. Mutter Erna ist Kindermädchen, Vater Erdmann spielt im Militärorchester Trompete. Als Berthold ein Jahr alt ist, reitet der Vater mit Lanze und Gewehr in den Krieg. Er sieht seinen Sohn nur während der kurzen Fronturlaube. Im September 1916 kommt das zweite Kind der Familie zur Welt, Brunhild.

Sonnige Jahre der Schulzeit

Nach dem Krieg zieht die Familie nach Demmin. Erdmann findet Arbeit im Finanzamt. Es folgen weitere Umzüge 1920 und 1925, als die Familie im schönen Greifswald landet. Berthold ist ein recht fauler Schüler, der sogar einmal sitzen bleibt. Obwohl der Vater dies nicht gern sieht, haben sie ein gutes Verhältnis.

Banker statt Arzt

Der junge Mann würde gern Medizin studieren, doch nach dem Börsencrash 1929 fehlen der Familie die finanziellen Mittel, da im Zuge dessen die Gehälter gesunken sind. Also heißt es Geld verdienen und das tut Berthold Beitz von 1934 an dank der guten Verbindungen des Vaters in der Zentrale der Pommerschen Bank in Stralsund. Für 30 Mark im Monat beginnt er seufzend eine Banklehre.

Das Leben genießen

Der Job ist langweilig, aber das Privatleben spaßig. Berthold Beitz ist ein fröhlicher junger Mann, der das Leben genießt. Am liebsten hört er Jazzplatten. Die Fahrten ins leicht zu erreichende Berlin werden zum Highlight. Hier hat er eine Freundin und hier gibt es richtige Jazzclubs, vor allem das „Delphi“.

Die unbeschwerte Zeit ist vorüber

1937 beginnt der Ernst des Lebens so richtig: Seine Vorgesetzten sind von dem 25-Jährigen so angetan, dass sie ihn befördern. Dank seiner zupackenden Art wird Beitz stellvertretender Leiter der Filiale in Demmin. Angesichts seiner Herkunft ist allein dies schon ein viel versprechender Aufstieg. Beitz hat große Pläne: Ihn reizt die große Welt, Pommern ist ihm zu klein geworden. Er will nach New York oder Brasilien oder China. Doch seine Mutter stoppt den Drang, schließlich ist er der einzige Sohn und müsse daher in Deutschland bleiben.

Wechsel in die Industrie

Anfang 1938 wird Beitz zum Vorstellungsgespräch bei der Rhenania Ossag Mineralölwerke eingeladen, einer Tochter von Royal Dutch Shell. Im Mai 1938 zieht er schließlich nach Hamburg, seinem „Tor zur Welt“ und wird kaufmännischer Angestellter in der Revisionsabteilung der Deutschen Shell.

Die große Liebe

Und hier begegnet Beitz seiner großen Liebe. Die blonde Kollegin heißt Else Hochlein und ist damals gerade einmal 18 Jahre alt, also sieben Jahre jünger als Berthold. Kennengelernt haben sich die beiden beim Tennis. Sie werden jahrzehntelang ein Paar bleiben.

Neuanfang in Hamburg

In Hamburg wohnt Beitz in der Baracke bei den Schwiegereltern. Im Spätsommer gelingt der schwangeren Else mit Tochter Barbara eine dramatische Flucht in den Westen. Die Familie lebt nun auf engstem Raum in Hamburg. Berthold verdingt sich als Landdarbeiter und in einer Konservenfabrik. Doch dann sorgt eine schicksalhafte Begegnung für die große Wende zum Guten.

Die große Wende zum Erfolg

Nicht als Zufall: Als Berthold Beitz 1946 durch Hamburg schlendert, erkennt ihn eine alte Freundin seiner Frau wieder: Evelyn Döring arbeitet inzwischen für die Briten und besorgt ihm einen Job im Amt zur Aufsicht der Versicherungen in der britischen Zone. Überlebende aus Boryslaw bescheinigen Beitz, dass er kein Nazi war und so bekommt er den nötigen Ausweis der Entnazifizierungsbehörden und den Job. Hier requiriert er ehemalige Nazis, da ihm ansonsten geeignetes Personal fehlt.

Der Aufstieg des Unternehmers

Beitz bringt die Versicherungsbehörde auf Vordermann. Die Familie wohnt längst in einer passenden Wohnung am Rande der Stadt. Die Briten sind mit ihm nach zwei Jahren so zufrieden, dass sie ihm eine Beamtenstelle auf Lebenszeit anbieten. Doch Beitz lehnt ab und wechselt im Juni 1948 in den Vorstand der Iduna-Germania-Versicherung. Der Titel des Generaldirektors und das Gehalt von damals beachtlichen 3500 D-Mark sind allzu verlockend.

Im Gesamtkonzern gingen die Erlöse von April bis Ende Juni auf 10,71 Milliarden von 11,51 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum zurück. Von Reuters befragte Analysten hatten allerdings im Durchschnitt lediglich mit Erlösen von 10,66 Milliarden Euro gerechnet und auch das bereinigte Ebit nur auf 78,9 Millionen Euro taxiert.

„Die Zahlen sehen auf den ersten Blick ganz gut aus“, sagte ein Händler. Gerade wegen der Probleme in der Stahlsparte sei das nicht zu erwarten gewesen. Im frühen Geschäft von Lang & Schwarz legten die Aktien des Mischkonzerns um 0,6 Prozent zu.

Kommentare (3)

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Lutz

10.08.2012, 08:50 Uhr

Die richtige Krise beginnt doch gerade erst.

Account gelöscht!

10.08.2012, 10:46 Uhr

Sehr lustiger Titel :-)

FriMen

10.08.2012, 11:39 Uhr

Ihr Artikel ist gut geschrieben und mit den Informationen, die vor einiger Zeit -besonders Brasilien- veröffentlicht wurden, äußerst interessant!

Mit freundlichen Grüßen
Joachim Frieß

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