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16.01.2007

15:58 Uhr

Prognose für 2007

Chemieboom verliert an Schwung

VonS. Hofmann und S. Grass

Mit gebremstem Optimismus ist die Chemiebranche in das neue Jahr gestartet. Fachleute gehen davon aus, dass die Branche 2007 weiter zulegen kann. Allerdings dürften sich sowohl das Umsatzwachstum als auch die Ertragsentwicklung gegenüber dem Vorjahr verlangsamen.

FRANKFURT / DÜSSELDORF. In Teilen der Branche, so lautet die Erwartung, könnten die Margen vom aktuellen hohen Niveau aus unter Druck geraten. „Insbesondere im Bereich der Petrochemie dürfte es schwer fallen, das hohe Ertragsniveau zu halten“, schätzt Tobias Mock, Chemieexperte der Ratingagentur Standard & Poor’s.

Teilweise hat sich diese Entwicklung bereits in den bisher vorliegenden Zahlen aus der Branche angedeutet. Während das Gros der Unternehmen in den ersten neun Monaten 2006 noch kräftige Gewinnsteigerungen auswies, lagen die operativen Gewinne bei den US-Konzernen Dow Chemical und Dupont unter Vorjahresniveau. Branchenführer BASF legte auf Konzernebene zwar weiter zu und hat am gestrigen Montag seine Prognose für 2006 bekräftigt. Im angestammten Chemiegeschäft, das heißt ohne seine starke Öl- und Gas-Sparte, dürfte der Ludwigshafener Konzern aber ebenfalls Ertragsrückgänge verbucht haben.

Analysten der Investmentbanken rechnen für die großen Chemiefirmen im Schnitt für 2007 mit Gewinnsteigerungen von gut acht Prozent, nach mehr als dreißig Prozent im abgelaufenen Jahr. Das Branchenfachblatt ICIS spricht von einer „weichen Landung“. Allerdings gibt es auch etwas skeptischere Stimmen. JP Morgan etwa warnte vor kurzem, die Konsens-Prognosen seien möglicherweise übertrieben optimistisch. Die Ratingagentur Fitch sprach jüngst davon, dass sich die global operierenden Chemiefirmen auf ein schwächeres Jahr einstellen müssten. 2007 sei sicherlich ein profitables Jahr für die Branche, könne aber niedrigere Preise und Margen bringen.

Unsicherheiten resultieren aus einer leicht abflauenden Weltkonjunktur in Kombination mit volatilen Rohstoffpreisen. So dürfte vor allem die erwartete Abkühlung der US-Konjunktur gewisse Spuren hinterlassen. Der amerikanische Branchenverband American Chemistry Council (ACC) schätzt, dass die US-Chemieproduktion (ohne Arzneimittel) 2007 nur noch um knapp zwei Prozent zulegen wird nach mehr als vier Prozent im vergangenen Jahr.

Der europäische Chemieverband Cefic prognostiziert ein leicht schwächeres Produktionswachstum von 2,2 Prozent gegenüber 2,5 Prozent im Vorjahr, während der deutsche Branchenverband VCI mit einem Rückgang der Wachstumsrate von dreieinhalb auf nur noch zwei Prozent rechnet. Bei dem traditionell eher behutsamen Ausblick des VCI dürfte nach Einschätzung von Branchenkennern allerdings auch eine Rolle spielen, dass man mit Blick auf die gerade angelaufenen Tarifverhandlungen keine Begehrlichkeiten wecken will.

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