Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.01.2009

13:19 Uhr

Prognosen für 2009

Tapfer stemmen sie sich gegen die Krise

VonUlf Sommer

Tristesse auf allen Kanälen. Bei den Prognosen unserer Unternehmen und Branchen für 2009 ist wenig Lichterglanz oder gar strahlendes Feuerwerk zu spüren, dafür umso mehr winterliche Kälte. Deutschlands Unternehmen stellen sich auf Ertragseinbrüche ein. Und doch wollen viele weiter kräftig investieren und ihr Personal halten.

Transportband mit BMW 3er-Karossen in Leipzig: Die Autobauer haben die größte Angst vor dem kommenden Jahr, planen aber zugleich die höchsten Investitionen. Foto: dpa Quelle: dpa

Transportband mit BMW 3er-Karossen in Leipzig: Die Autobauer haben die größte Angst vor dem kommenden Jahr, planen aber zugleich die höchsten Investitionen. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Selbst in Zeiten tiefster Skepsis scheint in den Einschätzungen von 43 Branchen hier und da eines kleines Hoffnungslichtlein zu schimmern. Dieser zaghafte Optimismus zeigt sich weniger als Erwartung eines raschen Aufschwungs nach der Krise, sondern eher als Vertrauen auf ein robustes Immunsystem gegenüber dem sich anbahnenden Fiebersturm der Weltwirtschaft im neuen Jahr.

Fakt ist: Die Firmen haben die aus dem vergangenen Aufschwung gespeiste Zuversicht verloren. Wie in jedem Jahr befragte das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) auch diesmal ihre Mitglieder. Und das Ergebnis fällt erwartungsgemäß nicht nur schlecht, sondern auch so miserabel wie noch nie aus: Von 43 befragten Wirtschaftsverbänden geben 41 an, dass die Stimmung in ihrer Sparte schlechter ist als vor zwölf Monaten. Einzig der ohnehin seit Jahrzehnten arg gebeutelte Einzelhandel und die genossenschaftlichen Volksbanken analysieren für sich immerhin eine ebenso gute Stimmung wie noch beim vergangenen Jahreswechsel. Die einen profitieren von einer niedrigen Vergleichsbasis, die anderen von ängstlichen und abwanderungswilligen Kunden der finanzkrisengeschädigten Großbanken.

Längst steckt die miserable Gemütslage auch die Realität an. "Die globale Wirtschaftsflaute schlägt sich zunehmend in den Umsatzerwartungen nieder", sagt IW-Direktor Michael Hüther. Mehr als die Hälfte der befragten Branchen (24) kalkuliert mit geringeren Umsätzen und einer niedrigeren Produktion. Die angeschlagene Automobilbranche rechnet sogar mit starken Rückgängen. Gerade mal drei Bereiche - Elektrotechnik, Groß- und Außenhandel und Investment - halten ein Plus für wahrscheinlich.

So viele Molltöne überraschen kaum. Schließlich schwören uns Politiker und Volkswirte seit Wochen darauf ein, wie schlecht 2009 alles wird. Forschungsinstitute liefern sich einen erbitterten Wettstreit um die schlechteste Wachstumsprognose. Den Vorschlag des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die Olympiade der Pessimisten zumindest kurzzeitig zu unterbrechen, konterte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IW) mit der düstersten Prognose für Deutschland und einem Wirtschaftseinbruch von 2,7 Prozent. Damit war den Nordlichtern einen Tag vor Heiligabend Platz eins in den Nachrichten sicher. So viel Aufmerksamkeit vermag jetzt nur noch zu toppen, wer rasch die Marke von einem dreiprozentigen Minus knackt.

Zweifellos droht Deutschlands Unternehmen angesichts des Gleichschritts der weltweiten Rezession der schlimmste Gewinn- und Renditeeinbruch seit vielen Jahrzehnten. Rückgänge beim Nettogewinn von 70 und mehr Prozent erscheinen wahrscheinlich. Schließlich brachen schon in der vergleichsweise milden Rezession 2001/02 bei den 30 größten deutschen börsennotierten Firmen die Überschüsse unterm Strich um mehr als die Hälfte ein. Zwar verzerrten damals Sonderabschreibungen das Bild. Doch dazu kommt es in Abschwungjahren eigentlich immer - auch diesmal. Das bewies bereits Ende 2008 der Mischkonzern Siemens mit seiner Milliardenabschreibung nach umfangreichen Konzernumbauten. Viele Banken und Industriekonzerne werden in den nächsten Quartalen folgen und sich so eine niedrige Ausgangsbasis für die Zeit danach verschaffen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×