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27.06.2012

12:51 Uhr

Protektionismus

Deutsche Firmen fühlen sich in China benachteiligt

VonFinn Mayer-Kuckuk

Der chinesische Markt gilt deutschen Unternehmen als unverzichtbarer Standort mit guten Wachstumsraten. Doch einige empfindliche Probleme machen ihnen im Alltag das Leben schwer.

Deutsche Unternehmen wie VW investieren weiter in China. dapd

Deutsche Unternehmen wie VW investieren weiter in China.

PekingDeutsche Unternehmen leiden in China zunehmend unter den immer noch vorhandenen Handelsbarrieren in dem Schwellenland. „Der Protektionismus findet sich weiterhin unter den größten Herausforderungen“, sagte Ulrich Walker, Präsident der deutschen Außenhandelskammer in Peking, bei der Vorstellung einer aktuellen Geschäftsklima-Umfrage unter Firmen im Chinageschäft. Ein Fünftel mehr Unternehmen als bei einer vergleichbaren Umfrage vor fünf Jahren fühlen sich beim Marktzugang benachteiligt.

Weiterhin große Sorgen macht auch die hohe Fluktuation der chinesischen Arbeitnehmer. Im Vergleich zum Vorjahr nennen fünf Prozent mehr Firmen die Beschaffung von geeignetem Personal als Problem. Mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmen sehen hier eine große Herausforderung. Steigende Arbeitskosten entwickeln sich ebenfalls zu einem der größten Probleme.

Dax-Konzerne in China

Adidas

China wird neben den USA und Russland der wichtigste Wachstumstreiber in den nächsten Jahren sein. Der fränkische Sportartikel-Hersteller plant 2011 währungsbereinigt wieder mit einem Umsatzplus von mindestens zehn Prozent und will dort die Marke von einer Milliarde Euro übertreffen. Adidas war nach den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking aus der Spur gekommen, weil der Markt im Vorfeld mit extrem vielen Produkten überschwemmt wurde. Viele Quartale mit Umsatzrückgängen waren die Folge, der lokale Rivale Li Ning machte den Franken zu schaffen. 2011 sollen mindestens neue 500 Franchise-Läden von Adidas ihre Pforten öffnen - dann wären es in China knapp 6200. Mittelfristig soll Nike die Marktführerschaft im Reich der Mitte abgenommen werden. China verändert derweil sein Gesicht: Es ist nicht mehr nur die billige Werkbank für Unternehmen, sondern immer wichtiger als Absatzmarkt. Die Produktion ist vielfach in noch billigere asiatische Länder abgewandert, zum Beispiel nach Vietnam.

Audi

Die VW-Tochter Audi ist seit rund 20 Jahren in China aktiv und dort der erfolgreiche deutsche Premiumhersteller. Im laufenden Jahr dürfte die Volksrepublik, wo die Ingolstädter im vergangenen Jahr 228.000 Fahrzeuge verkauften, den deutschen Heimatmarkt als wichtigsten Absatzmarkt des Konzerns ablösen. Audi-Chef Rupert Stadler rechnet auch in den kommenden Jahren mit kräftigem Wachstum und baut deshalb die Produktion im nordostchinesischen Changchun aus, wo künftig 300.000 Wagen pro Jahr vom Band laufen sollen. Audi betreibt das Werk zusammen mit der Wolfsburger Mutter und der chinesischen First Automobile Works (FAW).

BASF

Der Chemieriese BASF gehört zu den großen ausländischen Investoren in China. Mehrere Milliarden Euro flossen im vergangenen Jahrzehnt in den Aufbau neuer und die Erweiterung bestehender Standorte. Auch in den nächsten Jahren will BASF sein Engagement kräftig ausbauen. Dazu will der Konzern unter anderem zusammen mit dem chinesischen Petrochemiekonzern Sinopec seinen großen Chemiestandort in Nanjing erneut erweitern. Zusammen wollen beide rund eine Milliarde Dollar dort investieren. Zudem soll für rund 860 Millionen Euro eine neue Großanlage zur Produktion des Kunststoff-Vorprodukts MDI im Chongqing im Landesinneren entstehen. Ziel von BASF ist es, in der gesamten Asien-Region bis 2020 den Umsatz jährlich um sieben bis acht Prozent auf 20 Milliarden Euro zu steigern. China spielt dabei eine zentrale Rolle. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern dort mit fast 7000 Beschäftigten rund 5,8 Milliarden Euro Umsatz

Bayer

Bayer-Chef Marijn Dekkers will das Geschäft des Leverkusener Pharma- und Chemiekonzerns in China in den kommenden Jahren kräftig ausbauen. So sind unter anderem am Standort Shanghai bis 2016 Investitionen von rund einer Milliarde Euro geplant. Bis 2015 will Bayer seinen Umsatz in China auf rund sechs Milliarden Euro in etwa verdoppeln. Die Kunststoffsparte MaterialScience soll einen großen Teil dazu beitragen. Im vergangenen Jahr erzielte Bayer einen China-Umsatz von 2,9 Milliarden Euro. Der Konzern ist auch mit seinem Pflanzenschutzbereich sowie der Gesundheitssparte in China aktiv. Die Produktion von Aspirin etwa begann bereits 1936 in Shanghai. China soll im Arzneigeschäft des Konzerns bald noch mehr Gewicht bekommen. So will Bayer sein Geschäft mit Allgemeinarzt-Medikamenten künftig von Peking aus steuern.

Daimler

Daimler will zusammen mit seinen Partnern in den nächsten Jahren drei Milliarden Euro in China investieren. Unter anderem soll die Produktion von Pkw und Nutzfahrzeugen ausgebaut und die Entwicklung von Elektroautos vorangetrieben werden. Bis 2015 will der Konzern 300.000 Autos in China verkaufen, wovon mindestens 200.000 vor Ort produziert werden sollen. Die Stuttgarter haben den Absatz in China zuletzt kräftig ausgebaut, ihr größter Absatzmarkt ist aber weiter Deutschland gefolgt von den USA. Autos produziert Daimler zusammen mit dem chinesischen Partner BAIC in Peking, Lieferwagen mit Fujian. Mit dem Auto- und Batteriehersteller BYD entwickelt Daimler Elektroautos. Demnächst will der Konzern zudem mit Beiqi Foton Lkws bauen.

Siemens

Der Technologiekonzern Siemens blickt auf eine lange Tradition in China zurück. Die ersten Produkte lieferte das Unternehmen bereits 1872 dorthin. Vorstandschef Peter Löscher sonnt sich gern in dem Ausspruch des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao, Siemens sei ein chinesisches Unternehmen. Im Reich der Mitte beschäftigt der Konzern rund 26.000 Menschen, zusammen mit allen Minderheitspaketen an Joint Ventures sind es 43.000 Mitarbeiter.  Der Umsatz lag im vergangenen Geschäftsjahr bei 5,5 Milliarden Euro. China ist damit nach den USA und Deutschland der drittgrößte Markt für den Dax-Konzern. Zuletzt ergatterten die Münchner erstmals aus China einen Auftrag zur Lieferung von Windrädern - der Einstieg in den nächsten rasant wachsenden Zukunftsmarkt.

Volkswagen

Volkswagen hat als erster deutscher Autokonzern den Sprung nach China gewagt und dort 1984 ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Hersteller SAIC gegründet. 1988 riefen die Wolfsburger ein zweites Joint Venture mit dem Autobauer FAW ins Leben. Gegenwärtig hat Volkswagen neun Werke auf dem neben den USA größten Automarkt der Welt, bis zum Jahr 2013 sollen zwei weitere hinzukommen. Mehr als 20 Modelle der Konzernmarken VW, Audi und Skoda werden lokal produziert. Mittelfristig wollen die Deutschen die lokalen Produktionskapazitäten auf drei Millionen Fahrzeuge im Jahr erhöhen - doppelt soviel wie derzeit. In den Jahren 2011 bis 2015 sollen die Gemeinschaftsunternehmen insgesamt 10,6 Milliarden Euro investieren.

Mehr als der Hälfte der deutschen Unternehmen bereitet der Umfrage zufolge auch die grassierende Korruption große Sorgen. Währungsrisiken spielen dagegen eine geringere Rolle als bei früheren Umfragen: Da die Firmen zunehmend sowohl im Inland produzieren als auch absetzen, ergibt sich immer mehr ein geschlossener Kreislauf. Auch beim Schutz geistigen Eigentums zeigt die Umfrage eine Verbesserung der Lage. Im Vergleich zu 2007 nennen 18 Prozent weniger Firmen den Ideenklau aus nennenswertes Problem.

Trotz der genannten Schwierigkeiten gilt China den Unternehmen vor Ort als unverzichtbarer Standort. Eine Mehrheit der Befragten rechnet mit steigendem Umsatz und Gewinn und will weiter kräftig investieren. Eine Eintrübung des BIP-Wachstums in dem Schwellenland nehmen die Manager vor Ort zwar wahr, doch sie verhagelt ihnen keineswegs das Geschäft. Die deutsche Wirtschaft zieht dabei zunehmend ins bisher unterentwickelte Inland. Zwei von drei Neuinvestments gehen in den rückständigeren Teil des Landes.

Insgesamt hat die Attraktivität des Standorts seit dem Vorjahr um zehn Prozent zugenommen. „Das Absatzpotential bleibt der Haupttreiber“, sagt Walker. Einen steilen Anstieg hat die Bedeutung Chinas als Asienhauptquartier erfahren – sie ist seit vergangenem Jahr um 40 Prozentpunkte hochgeschossen. Für mehr als ein Zehntel der Firmen ist China bereits der weltweit wichtigste Gewinnbringer, so die Studie.

Die Rolle Chinas unterliegt dabei einem Wandel, der auch auf die anhaltenden Wirtschaftskrisen im Westen zurückgehen. „Viele deutsche Unternehmen berichten, dass China sich vom Produktionsstandort zum Absatzmarkt entwickelt hat“, sagte Alexandra Voss, Delegierte der Deutschen Wirtschaft. Eine klare Mehrheit der befragten Unternehmen rechnet damit, seine Ziele im Chinageschäft in diesem Jahr zu erreichen oder zu übertreffen – trotz Wachstumseintrübung in China.

Insgesamt zeigt sich an der Umfrage auch eine Reifung der Firmen im Chinageschäft. Sie wandeln Gemeinschaftsunternehmen und Repräsentationsbüros zunehmend in hundertprozentige Töchter um und berichten mehrheitlich davon, bereits mehrjährige Erfahrung im Markt zu haben.

Kommentare (1)

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Joker1

27.06.2012, 14:08 Uhr

In Europa werden Arbeitslose gezüchtet.
Aber China ist halt IN!
Deutschland und die anderen Europäer sollen "Dreck" fressen; Hauptsache man kann reisen und das eigene
Säckel ist immer voll. Das Volk muss gedemütigt und kurz
gehalten werden!
Ihr werdet schon sehen wohin das führen wird.
Die Währungsunion ist tot und viele neue Gemeinheiten
warten schon!

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