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20.02.2012

11:15 Uhr

Protest gegen Stilllegung

Arbeiter besetzen Werk von Arcelor Mittal

Arbeiter haben aus Protest ein Werk des Stahlkonzerns Arcelor Mittal in Ostfrankreich besetzt. Die Mitarbeiter befürchten die endgültige Schließung des Anfang Oktober vorübergehend abgeschalteten Hochofens.

Der Hochofen in Florange ist seit Oktober nicht mehr in Betrieb. dpa

Der Hochofen in Florange ist seit Oktober nicht mehr in Betrieb.

FlorangeAus Protest gegen die Abschaltung des letzten Hochofens in Lothringen haben an die 200 Arbeiter am Montag ein Werk des Stahlkonzerns Arcelor Mittal in Ostfrankreich besetzt. Nach Angaben eines Reporters der Nachrichtenagentur AFP drangen sie am frühen Morgen in das Werk im lothringischen Florange ein, wo sie sich in den Räumen der Direktion niederließen. Zu der Aktion hatten mehrere Gewerkschaften aufgerufen.

„Wir wollen der Direktion Kurzarbeit verpassen“, sagte Edouard Martin von der pro-sozialistischen Gewerkschaft CFDT. „Wir bleiben in den Büros der Direktion, bis der Hochofen wieder angefahren wird“. Die Vertreter der Werksleitung waren den Angaben zufolge nicht anwesend. Martin kündigte weitere Protestaktionen bis zum 6. Mai an - dem Tag, an dem der zweite Durchgang der Präsidentschaftswahl in Frankreich stattfindet.

Anfang Oktober hatte Arcelor Mittal seinen letzten Hochofen in Florange abgeschaltet. Dem Konzern zufolge handelt es sich um eine vorübergehende Maßnahme. Begründet wird sie mit der sinkenden Nachfrage nach Stahl wegen der Wirtschaftskrise.

Ursprünglich hatte es geheißen, der Hochofen solle im Januar wieder hochgefahren werden, was aber nicht geschah. Die Gewerkschaften fürchten nun eine endgültige Schließung des 1948 gegründeten Werks, in dem bisher jährlich rund drei Millionen Flüssigstahl und Stahlbleche - etwa für die Autoindustrie - hergestellt wurden.

Die einst florierende Schwerindustrie in der ostfranzösischen Grenzregion ist seit den 1980er Jahren im Niedergang. Die Förderung von Kohle und Eisenerz wurde eingestellt, die meisten Hochöfen und Walzstraßen wurden stillgelegt.

Von

afp

Kommentare (1)

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Profit

20.02.2012, 13:23 Uhr

Da kann mal sehen unter welchem Realitätsverlust diese Gewerkschaftler leiden. "Wir bleiben in den Büros, bis der Hochofen wieder angefahren wird!" Das Problem: Dieser Hochofen wird niemals mehr angefahren. Die Region ist vollkommen ausgepowert. Wer einmal durch Elsaß-Lothringen fährt, merkt schnell, in welchem Niedergang sich die Region befindet. Und man versteht, warum das Saarland 1955 schnell unter das Dach der Bundesrepublik geschlüpft ist. Gegen das benachbarte Lothringen ist die Saar eine goldene Region, trotz Strukturwandel, den es auch hier gegeben hat. Für die Lothringer Arbeiter ins Stammbuch: Paris hat immer viel versprochen, aber nie etwas gehalten. Lothringen ist ein Armenhaus Europas geworden. Wenn man die geschichtliche Bedeutung dieses Landstrichs berücksichtigt, eine französische Schande!

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