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06.03.2017

13:09 Uhr

PSA-Chef Carlos Tavares

„Opels Kehrtwende müssen Opel-Leute schaffen“

Der Opel-Kauf durch PSA ist perfekt: Die Franzosen legen für den deutschen Autobauer eine Milliardensumme hin. PSA-Chef Tavares will einen „europäischen Auto-Champion“ schaffen – und durch Synergien viel Geld sparen.

Fusion in der Autobranche

Opel wird französisch – GM sagt nach 88 Jahren Goodbye

Fusion in der Autobranche: Opel wird französisch - GM sagt nach 88 Jahren Goodbye

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Paris/RüsselsheimDer französische Autokonzern PSA hat sich mit General Motors (GM) auf die Übernahme des Herstellers Opel verständigt. Der Kaufpreis für die GM-Europasparte mit den Marken Opel und Vauxhall liegt bei 1,3 Milliarden Euro, wie die Unternehmen am Montag mitteilten. PSA mit seinen bisherigen Marken Peugeot, Citroën und DS will damit zu einem „europäischen Auto-Champion“ und zur Nummer Zwei hinter Volkswagen aufsteigen.

Neben dem Automobilgeschäft erwirbt PSA in einem Joint Venture mit der Großbank BNP Paribas auch das europäische Finanzierungsgeschäft GM Financial, dieses wird mit 0,9 Milliarden Euro bewertet. Insgesamt liegt das Transaktionsvolumen damit bei 2,2 Milliarden Euro, davon entfallen 1,8 Milliarden auf Peugeot.

Für GM ist der Verkauf dennoch ein Verlustgeschäft. Der Deal werde zu außerordentlichen Aufwendungen in Höhe von vier bis 4,5 Milliarden Dollar führen. GM zieht sich mit dem Verkauf von Opel aus dem verlustreichen Europa-Geschäft zurück und kappt damit nach 88 Jahren die Verbindung zu Opel.

Was bedeutet der Verkauf für die Zukunft von Opel?

Die Aktien des französischen Autobauers Peugeot stiegen in Paris bei überdurchschnittlichen Umsätzen um bis zu 5,2 Prozent und waren mit 20,06 Euro so teuer wie zuletzt vor fünfeinhalb Jahren. Die in Frankfurt notierten Titel von GM gewannen 1,3 Prozent.

„Wir sind zuversichtlich, dass der Turnaround von Opel/Vauxhall mit unserer Unterstützung deutlich beschleunigt wird“, erklärte PSA-Chef Carlos Tavares. „Gleichzeitig respektieren wir die Verpflichtungen, die GM gegenüber den Mitarbeitern von Opel/Vauxhall eingegangen ist.“ Für Montagvormittag war auch eine Pressekonferenz in Paris angekündigt.

Peugeot und Opel im Vergleich

Opel - Ergebnis

Der deutsche Autobauer kam auch 2016 nicht aus den roten Zahlen. 257 Millionen Dollar Jahresverlust verbuchte die US-Mutter General Motors in ihrem Europa-Geschäft, was einer Verbesserung von rund 600 Millionen Dollar gegenüber 2015 entspricht. Opel wies bei der Vorlage der Zahlen darauf hin, dass ohne das Brexit-Votum und den Absturz des britischen Pfunds ein positives Jahresergebnis erreicht worden wäre. Der Umsatz des Opel/Vauxhall-Geschäfts betrug im vergangenen Jahr 17,7 Milliarden Euro.

PSA Group - Ergebnis

Dank radikaler Sanierung verdoppelte der französische Autobauer seinen Nettogewinn 2016 fast auf 1,7 Milliarden Euro. Gespart wurde bei Einkauf, Produktion und Verwaltung, auch höhere Preise trugen zum Anstieg bei. Der Umsatz verringerte sich im vergangenen Jahr um ein Prozent auf 54 Milliarden Euro.

Opel - Absatz

Die Marke mit dem Blitz verkauft im Jahr rund eine Million Autos. 2016 erzielte der Hersteller mit einem Absatz von fast 997.000 Fahrzeugen einen Marktanteil von 6,6 Prozent in Westeuropa. Opel befindet sich nach eigenen Angaben in der größten Modelloffensive seiner Geschichte: Die Rüsselsheimer wollen bis 2020 insgesamt 29 neue Fahrzeuge und 17 neue Motoren auf den Markt bringen.

PSA - Absatz

Die Franzosen verkauften 2016 weltweit mehr als drei Millionen Fahrzeuge ihrer drei Marken Peugeot, Citroen und DS. In Westeuropa, wo sie mit fast 1,5 Millionen Autos rund die Hälfte ihres Absatzes erzielen, hat der Konzern einen Marktanteil von 9,7 Prozent. Damit lagen sie 2016 hinter Platzhirsch Volkswagen mit 24,1 Prozent und dem französischen Konkurrenten Renault mit 10,1 Prozent auf dem dritten Platz. Zusammen mit Opel will PSA den zweitgrößten Autobauer in Europa nach dem VW-Konzern schmieden und auf einen Marktanteil von 17 Prozent kommen. Peugeot hat angekündigt, in Europa 28 neue Modelle bis 2021 auf den Markt zu bringen.

Opel - Mitarbeiter

Opel beschäftigt gut 38.000 Mitarbeiter. Mehr als 19.000 davon arbeiten in Deutschland, vor allem in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach.

PSA - Mitarbeiter

Die PSA Group ist mit weltweit 184.000 Mitarbeiter deutlich größer als Opel.

Quelle: Unternehmensangaben/Reuters

Tavares will nach der Übernahme von Opel insgesamt 1,7 Milliarden Euro jährlich einsparen. „Wir glauben, dass wird mit diesem Deal die Effizienz auf ein höheres Level bringen können“, sagte er am Montag in einer Telefonkonferenz für Analysten. Als Beispiele nannte Tavares Mengeneffekte beim Einkauf, die Zusammenführung der Fahrzeug-Plattformen und eine effizientere Produktion. Die vollen Einspareffekte sollen 2026 wirksam werden. Tavares erneuerte seine Ansage, dass Opel seine Sanierung weitgehend selbst gestalten müsse: „Die Kehrtwende von Opel muss von den Opel-Leuten und dem Opel-Management geschaffen und umgesetzt werden.“

Die Übernahme verschafft den Rüsselsheimern nach Einschätzung von Opel-Chef Karl-Thomas Neumann neue Wachstumschancen. „Aus der heutigen Ankündigung entsteht die Chance, einen wirklichen europäischen Champion zu schaffen“, betonte Neumann in einer Botschaft an die Opel-Mitarbeiter. „Fast 17 Prozent gemeinsamer Marktanteil – das bedeutet Rang zwei in Europa. Wir würden von der neuen Größe profitieren, aber auch von einer gemeinsamen Fahrzeugentwicklung und der Stärke zweier Unternehmen mit hoch motivierten und hoch qualifizierten Mitarbeitern.“

Das Geschäft unterliege noch Bedingungen und Behördengenehmigungen und soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden. „Opel/Vauxhall wird auch weiterhin von den Urheberrechtslizenzen von GM profitieren, bis die Fahrzeuge in den kommenden Jahren nach und nach auf PSA-Plattformen gebaut werden“, teilten die Unternehmen mit. GM behält einen großen Teil der Pensionsverpflichtungen in seiner Bilanz. Verpflichtungen im Wert von 3 Milliarden Euro werden an PSA übertragen, dies wird aber vollständig von GM finanziert. Ein Teil des Kaufpreises wird auch mit Optionsscheinen auf PSA-Aktionen im Wert von 0,65 Milliarden Euro bezahlt.

Frankreichs Präsident François Hollande hat die Vereinbarung zur Opel-Übernahme als „Geburt eines europäischen Champions der Automobilindustrie“ begrüßt. „PSA, dessen Sanierung heute abgeschlossen ist, beweist mit dieser Operation, dass es jetzt zur Konsolidierung des Autosektors in Europa beitragen kann“, teilte der Élysée-Palast am Montag mit.

Kommentare (10)

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Herr Holger Narrog

06.03.2017, 08:57 Uhr

Ich vermute, dass Opel sehr schnell französisch wird. Sobald diverse Standort- und Arbeitsplatzgarantien auslaufen werden diese auf den Prüfstand gestellt.

PSA/Opel hat Überkapazitäten. Diese werden üblicherweise zu Lasten des Übernommenen bereinigt. Opel und PSA bauen ähnliche Autos. Ich nehme an die Technik wird zu Lasten von Opel bereinigt.

Das Opel Händler- und Vertriebsnetz ist in Deutschland gut und dicht. Ich nehme an man wird die Opel Blitze in Kürze mit Peugeot und Citroen ergänzen.

Aufgrund des Wettbewerbsdrucks aus Japan, Südkorea etc. wird der gemeinsame Marktanteil mit der Zeit zurückgehen.

Herr Toni Ebert

06.03.2017, 10:10 Uhr

Qualitativ passen diese Marken gut zusammen und mit staatlicher, französischer Hilfe wird es auch irgendwie weiter gehen.

Ich wünsche den Mitarbeitern von Opel alles Gute und eine sichere und erfolgreiche Zukunft

Account gelöscht!

06.03.2017, 10:13 Uhr

Jährliche Verluste von 200 bis 500 Mio. EURO in den letzten 15 bis 20 Jahren und dann einen KP von 1,3 Mrd.

Auto Champion. Schlimmstenfalls zahlt nun der europäische (deutsche) Steuerzahler und steht für die Verluste in obligo.

Das nennt man wohl in Zukunft europäisches Business und dafür kassieren die Verantwortlichen alledem jährlich üppige Saläre.

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