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11.03.2017

10:42 Uhr

PSA übernimmt Opel

Experten erwarten Express-Sanierung

Der Autobauer Opel wird nach Einschätzung eines Experten schnell saniert werden. Dabei werden die neuen französischen Eigentümer durchregieren und das Sparen nicht allein dem deutschen Management überlassen.

PSA will Opel bis 2020 wieder in die Gewinnzone bringen. dpa

Zurück zu glanzvollen Zeiten

PSA will Opel bis 2020 wieder in die Gewinnzone bringen.

Frankfurt/GeislingenBei der Sanierung des defizitären Autoherstellers Opel-Vauxhall wird der französische PSA-Konzern nach Einschätzung eines Branchenexperten sehr zügig vorgehen. Er halte es nicht für realistisch, dass allein das Opel-Management den Umbau gestalten werde, sagte der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft (ifa) in Geislingen, Willi Diez, der Deutschen Presse-Agentur. „Das hat noch bei keiner Übernahme funktioniert“, sagte er unter Hinweis auf die schmerzlichen Erfahrungen des Daimler-Konzerns bei der längst wieder rückabgewickelten Übernahme des US-Herstellers Chrysler.

Nach seiner Überzeugung habe PSA-Chef Carlos Tavares ein klares Konzept, wie Opel bis 2020 wieder in die Gewinnzone zu bringen ist. „Die Franzosen werden sehr schnell vorgehen. Tavares hat PSA in den vergangenen Jahren zügig saniert und wird auch Opel schnell auf eine „schwarze Null“ steuern.“ Das sei absehbar mit klaren Direktiven aus Paris und dem Einsatz französischer Manager bei Opel verbunden. „Die müssen genau wissen, wie PSA tickt.“

Inhaltlich werde es vor allem darum gehen, die gesamte Modellpalette der verschiedenen Konzernmarken Peugeot, Citroën, DS und Opel schnell auf einheitliche Plattformen zu stellen und mit möglichst vielen identischen Bauteilen, sogenannten Gleichteilen, auszustatten. Damit erreiche man hohe Skaleneffekte bei Einkauf und Produktion.

Die Autobauer im Vergleich

General Motors

Der US-Konzern hat im vergangenen Jahr 10.008.000 Autos verkauft. Das waren knapp 50.000 Einheiten mehr als 2015. In Europa stieg das Volumen mit den Hauptmarken Opel und Vauxhall um über 30.000 Fahrzeuge auf 1,207 Millionen Stück.
Der Konzernumsatz in Höhe von 166,4 Milliarden US-Dollar (ca. 155,6 Millionen Euro) übertraf zwar das Vorjahresergebnis um 9,2 Prozent, der Gewinn ging jedoch auf 9,4 Milliarden Dollar (-2,7 Prozent) zurück.
Die Hoffnungen der Opel Group, zu der auch die britische Firmenschwester Vauxhall gehört, nach über 15 Jahren wieder die Gewinnzone zu erreichen, erfüllten sich nicht. Das Ergebnis fiel jedoch um rund 600 Millionen Dollar besser aus als 2015. Unterm Strich verblieb aber noch ein Minus von 257 Millionen Dollar.

Opel und Vauxhall

Der deutsche Autobauer und die britische Schwestermarke haben in Europa im vergangenen Jahr rund 1,16 Millionen Autos verkauft. Das entspricht einem Zuwachs von rund 46.000 Fahrzeugen (+4 Prozent) und ist der höchste Wert seit 2011. Der Marktanteil der beiden Marken blieb nahezu unverändert bei 5,73 Prozent.
Zum Anstieg der europaweiten Verkäufe trug vor allem der neue Opel Astra bei. Er stieg mit über 285.000 Neuzulassungen (+25 Prozent) in den vergangenen zwölf Monaten zum meistverkauften Modell des deutschen Autoherstellers auf.
Zwei neue Modelle von Opel, die in diesem Jahr auf den Markt kommen, stammen aus einer Kooperation mit PSA, unter anderem das SUV Crossland X.

Groupe PSA

Der Konzern mit den Marken Citroën, Peugeot und DS hat 2016 Jahr weltweit 3,146 Millionen Autos abgesetzt. Das sind 5,8 Prozent mehr als 2015. In Europa lagen die Verkaufszahlen bei 1,93 Millionen Fahrzeugen (+3,6 Prozent). Peugeot und Citroën steigerten sich dabei um 4,4 bzw. 4,3 Prozent.
2015 hatte PSA erstmals seit fünf Jahren wieder einen Gewinn eingefahren. Der Konzern verbuchte 2015 ein Nettoergebnis von 1,2 Milliarden Euro nach einem Verlust von rund 550 Millionen Euro. Europas zweitgrößter Fahrzeughersteller mit den Marken Peugeot, Citroën und DS verkaufte 2015 Jahr rund drei Millionen Autos.

Skeptisch zeigte sich der Autoexperte zu Erwartungen, dass Opel-Autos schnell auf bislang versperrten Auslandsmärkten verkauft werden könnten. „Opel ist eine sehr deutsche und europäische Marke, die in China oder den USA kaum jemand kennt.“ Es sei auf diesen hart umkämpften Märkten sehr schwierig und kostspielig, eine neue Marke zu etablieren. Die Kosten dafür würden häufig unterschätzt. Opel solle sich daher zunächst auf europäische Teil-Märkte konzentrieren, die man bislang noch nicht ausreichend bearbeitet habe. Auch Russland werde sich in naher Zukunft positiv entwickeln, meinte Diez.

Dem Opel-Entwicklungszentrum mit fast 8.000 Ingenieuren in Rüsselsheim werde PSA wie schon unter der Mutter General Motors die Verantwortung für einzelne Baureihen übertragen, sagte der Experte. Es sei aber klar, dass zwischen 30 und 50 Prozent der Entwicklungsleistung eingespart werden können, wenn man ein neues Auto nicht von Grund auf, sondern von einer vorgegebenen Plattform aus entwirft. Auch der Einkauf könne zentral erledigt werden, wenn man über einheitliche Produkte verfüge.

Sicher werde PSA beim Personalabbau die natürliche Fluktuation nutzen, und auch Abfindungsprogramme halte er nicht für ausgeschlossen, sagte Diez. Die Opel-Beschäftigten sind noch bis Ende 2018 tariflich vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt.

Die Zukunft der deutschen Opel-Werke sehe er nicht so schwarz, sagte der Wissenschaftler. „Rüsselsheim ist sicherlich gesetzt, und Eisenach gehört zu den produktivsten Opel-Werken.“ Zum Komponentenwerk Kaiserslautern äußerte sich Diez nicht. Der Konzern müsse sicher einen Standort zum Zentrum für die Zukunftstechnologie der Elektroantriebe machen.

PSA hatte am Montag die Übernahme der bisherigen GM-Tochter Opel für 1,3 Milliarden Euro bekanntgegeben. Für die GM-Europa-Finanztochter werden weitere 900 Millionen Euro fällig. Das Geschäft soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Opel beschäftigt mit seiner britischen Schwestermarke Vauxhall in sieben europäischen Ländern mehr als 38.000 Mitarbeiter, davon rund die Hälfte in Deutschland.

Von

dpa

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