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24.01.2007

10:59 Uhr

Pünktliche Auslieferung

Beim Boeing Dreamliner drohen Probleme

Nachdem schon Erzrivale Airbus massive Probleme bei der Auslieferung der ersten A380 einräumen musste, droht nun auch der Zeitplan des US-Flugzeugherstellers Boeing bei der Auslieferung des neuen 787 Ziviljets aus den Fugen zu geraten. Entsprechende Spekulationen ließen den Börsenkurs um über drei Prozent einbrechen. Gegenmaßnahmen soll der Konzern bereits getroffen haben.

je PORTLAND. Neu aufgeflammte Spekulationen darüber, dass Boeing die ersten Exemplare des neuen 787 Ziviljets nicht pünktlich liefern kann, ließen den Börsenkurs des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns im nachbörslichen Handel am Montag um über drei Prozent einbrechen. Ein Analyst der Investmentbank Wachovia Capital Markets hatte die Aktie auf „neutral“ zurückgestuft und dies damit begründet, dass Erstkunden in Japan bereits über Verzögerungen informiert worden seien. Erzrivale Airbus hat ebenfalls massive Probleme bei der Auslieferung der ersten A380 einräumen müssen.

Es war der schärfste Rückgang für den Boeing-Kurs seit den Spekulationen über die 787 im Juli 2006. Die Aktie legte in den vergangenen zwölf Monaten aber um fast ein Drittel zu und erholte sich auch am Dienstag bereits wieder.

Boeing-Sprecherin Yvonne Leach erklärte gegenüber dem Handelsblatt, bisher sei kein Kunde über mögliche Verzögerungen informiert worden: „Wir sind fest entschlossen, das Datum für die Aufnahme des kommerziellen Dienstes für die 787 im Mai 2008 einzuhalten.“ Sie räumte ein, dass Teile des riesigen Programms hinter dem Zeitplan zurückliegen. Deshalb habe Boeing jedoch bereits zusätzliche Mittel bereitgestellt und die Arbeiten beschleunigt.

Wachovia-Analyst Joe San Pietro schreibt in seinem Bericht, dass Boeing-Chef James McNerney die Forschungs- und Entwicklungsausgaben für Ziviljets um insgesamt eine Mrd. Dollar aufgestockt habe. Ein wesentlicher Teil sei für die bessere Koordinierung der Zulieferer für die 787 vorgesehen. Mit 70 Prozent ihrer Komponenten ist die 787 „Dreamliner“ wie bisher noch kein anderes Flugzeug von Fremdzulieferungen abhängig. Große Teile wie Tragflächen aus Japan und Rumpfsektionen aus Italien sollen mit einem eigens entwickelten Großraumfrachter, dem „Dreamlifter“, zum Zusammenbau nach Everett bei Seattle transportiert werden. Nach Auskunft von Leach gäbe es auch keine Probleme mit der Zertifizierung des Dreamlifters: „Die Flugerprobung läuft planmäßig und wir rechnen in den nächsten zwei Monaten mit der Zulassung.“

Nach dem Bericht von Pietro lägen sowohl Mitsubishi Heavy Industries, die für die Tragflächen zuständig ist, als auch vor allem die italienische Finmeccanica, deren Tochter Alenia zusammen mit Vought Aircraft Rumpfteile baut, hinter dem Zeitplan zurück.

Mike Bair, Boeing-Projektleiter für die 787, der in regelmäßigen Konferenzen die Öffentlichkeit über den Fortgang der Arbeiten informiert, machte in der Vergangenheit keinen Hehl aus verschiedenen Problemen, zum Beispiel mit dem Gesamtgewicht. Er und Boeing-Chef McNerney nannten indessen geringere Zusatzkosten für die Beseitigung von Problemen mit Zulieferern. Sie hätten im vergangenen Jahr für die 787 bei rund 300 Mill. Dollar gelegen. Die Fixierung auf Zeitpläne sei letztlich irrelevant, kommentierte Luftfahrtexperte Richard Aboulafia von der Teal Group: „Viel wichtiger ist, dass die 787 am Ende alle Leistungskriterien erfüllt.“

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