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12.02.2017

13:57 Uhr

Pyeonghwa Motors

Nordkoreas geplatzter Auto-Traum

Das Projekt war ehrgeizig: Nordkorea wollte einen eigenen Autoriesen aufbauen. Inzwischen stehen die Maschinen in den Werkshallen wohl still – die Fahrzeuge mit dem Friedenstauben-Logo werden aus China importiert.

Der Autobauer ist der einzige in Nordkorea, der Personenwagen herstellt. AP

Pyeonghwa-Modelle im Autohaus

Der Autobauer ist der einzige in Nordkorea, der Personenwagen herstellt.

PjöngjangIn der Luft liegt der unverwechselbare Neuwagengeruch, Verkäufer warten neben Hochglanzbroschüren auf Kundschaft. Rund ein Dutzend Autos, Limousinen und Geländewagen, bietet Pyeonghwa Motors in der Hauptstadt Pjöngjang an – alle mit dem markanten Logo mit den zwei Friedenstauben. Der Autobauer ist der einzige im Land, der Personenwagen herstellt. Allerdings kommt die Produktion derzeit über den Leerlauf nicht hinaus.

Im einzigen Werk von Pyeonghwa südlich von Pjöngjang könnten bis zu 10.000 Autos pro Jahr vom Band laufen. Experten gehen allerdings davon aus, dass derzeit dort überhaupt nicht gearbeitet wird und die angebotenen Fahrzeuge direkt aus China kommen. „Ich fürchte, dass dort seit November 2012 kein einziges Pyeonghwa-Fahrzeug produziert wurde“, sagt Erik van Ingen Schenau, ein Experte für den chinesischen Automarkt und Autor eines Buches über nordkoreanische Kraftfahrzeuge. „Die neueren Modelle mit den Pyeonghwa-Abzeichen wurden alle in China hergestellt.“

Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm (2016)

6. Januar 2016

Nordkorea führt seinen vierten Nukleartest aus. Nach eigenen Angaben wurde eine „miniaturisierte“ Wasserstoffbombe getestet. Experten ziehen die Angaben in Zweifel. (Quelle: AP)

7. Februar 2016

Nordkorea schießt nach eigenen Angaben eine Langstreckenrakete ins All.

9. März 2016

Machthaber Kim Jong Un erklärt, sein Land habe verkleinerte Atombomben entwickelt, die auf Raketen platziert werden können.

18. März 2016

Zum ersten Mal seit 2014 feuert Nordkorea eine Mittelstreckenrakete vom Typ Rodong ab. Das Geschoss fliegt rund 800 Kilometer weit, ehe es östlich des Landes ins Wasser fällt.

23. April 2016

Nordkorea schießt eine Rakete von einem U-Boot ab. Aus dem südkoreanischen Verteidigungsministerium heißt es daraufhin, das Geschoss habe eine Strecke von knapp 30 Kilometern zurückgelegt. Pjöngjang erklärt, der Start ziele darauf ab, die Atomsprengkopftechnologien voranzubringen.

22. Juni 2016

Washington und Seoul melden, dass Nordkorea zwei mutmaßliche Mittelstreckenraketen vom Typ Musudan abgefeuert hat. Diese Raketen könnten eines Tages in der Lage sein, weit entfernte Militärbasen der USA in Asien zu treffen. Pjöngjang gibt später bekannt, erfolgreich eine Mittelstreckenrakete getestet zu haben. Diese habe eine Höhe von 1400 Kilometern erreicht, bevor sie wie geplant in 400 Kilometer entfernten Gewässern gelandet sei.

19. Juli 2016

Nordkorea schießt drei Raketengeschossen ab. Zwei davon fliegen 500 bis 600 Kilometer weit. Die Tests sind nach Angaben der Führung in Pjöngjang Teil eines simulierten Präventivschlags auf südkoreanische Häfen und Flugplätze.

3. August 2016

Regierungsbeamten aus Südkorea und Japan zufolge legt eine nordkoreanische Mittelstreckenrakete einen Weg von rund 1000 Kilometern zurück und landet in der Nähe von japanischen Hoheitsgewässern. Es handelt sich vermutlich um eine Rodong-Rakete.

24. August 2016

Eine erneut von einem U-Boot abgefeuerte Rakete ist 500 Kilometer unterwegs, ehe sie nahe Japan ins Wasser stürzt. Kim erklärt, sein Land habe die Fähigkeit erlangt, einen vollausgerüsteten Atomangriff auszuführen. Auch das US-Festland befinde sich in Schlagdistanz.

5. September 2016

Wieder fliegen drei mutmaßliche Mittelstreckenraketen Nordkoreas fast 1000 Kilometer weit, ehe sie in Gewässern nahe Japan landen.

9. September 2016

Nordkorea hat nach eigenen Angaben einen nuklearen Sprengkopf erfolgreich zur Explosion gebracht.

Wenn in Nordkorea überhaupt an den Fahrzeugen gearbeitet wird, dann handelt es sich eher um kleinere Aufgaben, wie das Aufziehen der Reifen oder das Einsetzen der Batterien, da ist sich der Experte sicher. Satellitenbilder von Google Earth zeigten, dass auf den Parkplätzen um das Werk keine Autos stehen. Der Pkw-Markt in Nordkorea ist im besten Fall als ausbaufähig zu bezeichnen. Lange konzentrierte sich die Produktion auf Militärfahrzeuge und Lastwagen und nicht auf Fahrzeuge für Privatpersonen, die außerhalb von Pjöngjang immer noch selten auf den Straßen zu sehen sind.

Nur die Eliten können überhaupt an die Anschaffung eines solchen Luxusguts denken. Hinzu kommen die UN-Sanktionen, die im vergangenen März gegen Nordkorea verhängt wurden. Seitdem ist es für das Land noch schwerer geworden, die notwendigen Teile von den Zulieferern zu bekommen. Die Geschichte Pyeonghwas geht zurück in eine weniger angespannte Zeit.

Damals wollte Südkorea mit Investitionen die Beziehungen zum Nachbarn im Norden verbessern. Ein Ergebnis war die Gründung eines Joint Ventures mit dem Gründer der Vereinigungskirche, San Myung Moon. Das Unternehmen durfte als erstes und wahrscheinlich einziges auf Plakatwänden in Pjöngjang Werbung für sich machen. „Pyeonghwa wird die Führung übernehmen beim Bau einer Brücke zwischen dem Süden und dem Norden“, versprach der frühere Vorstandsvorsitzende Park Sang-kwon auf der Website des Unternehmens. Die Seite wurde seit 2012 nicht mehr aktualisiert.

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