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16.01.2012

13:56 Uhr

Qualitätssiegel

Wirtschaft giftet gegen EU-Pläne zu „Made in Germany“

Planspiele der EU-Kommission bringen die Wirtschaft in Rage: Unternehmen warnen vor dem Ende des Gütesiegels. Dabei will Brüssel bloß einen Mindestanteil von Wertschöpfung in Deutschland sichern.

Aufkleber der Europäischen Union: Brüssel will das Ursprungsrecht reformieren. dpa

Aufkleber der Europäischen Union: Brüssel will das Ursprungsrecht reformieren.

BrüsselDie deutsche Wirtschaft verschärft ihre Kritik an Plänen der EU-Kommission, die aus ihrer Sicht das Ende der Qualitätsbezeichnung „Made in Germany“ bedeuten könnten: Wie das Handelsblatt bereits im Oktober vergangenen Jahres berichtete, will Brüssel das sogenannte Warenursprungsrecht überarbeiten.

„Mit der geplanten Änderung gerät das Label „Made in Germany' in Gefahr. Denn wenn künftig Herkunft und Wert der Vormaterialien entscheidend sind, werden viele Produkte nicht mehr als deutsch gelten“, sagte jetzt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, der Zeitung „Die Welt“ (Montag).

Dies wäre seiner Ansicht nach ein immenser Schaden für die deutsche Wirtschaft und für die Verbraucher, denen eine wichtige Orientierungshilfe verloren ginge: „Ich warne ausdrücklich vor einem solchen Schritt. Das Gütesiegel „Made in Germany' bürgt weltweit für Qualität und beflügelt deutsche Exporte. Das geltende Ursprungsrecht ist unbürokratisch und international anerkannt, die Änderungspläne sollten daher schnell wieder in der Schublade verschwinden.“

Label im Wandel - "Made in Germany"

Video: Label im Wandel - "Made in Germany"

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Auch die Bundesregierung lehnt die geplanten Änderungen ab. „Die Bundesregierung stützt auf jeden Fall den Vorstoß der deutschen Wirtschaft“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums verwies darauf, dass sich Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) bereits in einem Brief an die EU-Kommission gegen Überlegungen gewandt habe, die Vergabe nationaler Herkunftssiegel für EU-Produkte an einen Wertanteil von mindestens 45 Prozent zu knüpfen.

Die wichtigsten Fakten zum deutschen Gütesiegel

Ursprung in Großbritannien

Die Bezeichnung „Made in Germany“ - in Deutschland hergestellt - war ursprünglich als Schutzmaßnahme für die britische Wirtschaft gedacht. Nach dem 1887 erlassenen britischen Handelsmarkengesetz mussten alle nach Großbritannien eingeführten Waren als ausländische Erzeugnisse gekennzeichnet sein.

Schutz vor den Deutschen

Das Gesetz zielte hauptsächlich gegen die aufstrebende deutsche Industrie, die britische Industriemarken kopierte. Dem britischen Käufer sollte so vermeintlich „schlechte und billige“ Massenware angezeigt werden, damit er sie schnell von einheimischer Ware unterscheiden konnte.

Symbol der Zuverlässigkeit

Schon bald wurde die Bezeichnung allerdings zu einem Symbol für Zuverlässigkeit und Qualität, gegen das auch das Motto „Buy British“ nicht ankam. Die deutsche Wirtschaft entschloss sich, das Qualitätssiegel „Made in Germany“ auch beim Export in Länder zu nutzen, die eine solche Ursprungsbezeichnung nicht forderten.

Die Zeit der Teilung

Die Teilung Deutschlands führte zu Problemen: Die Bezeichnung „Made in Germany“ wurde auch für DDR-Unternehmen zugelassen. Die West-Firmen wollten keine Verwechslung aufkommen lassen und änderten die Bezeichnung nach einem entsprechenden Urteil des Bundesgerichtshofs von 1974 in „Made in West Germany“. Einige Jahre nach der deutschen Einheit war der West-Hinweis wieder verschwunden.

Intervention aus Brüssel

Die Europäische Kommission stellte im Jahr 2004 nationale Herkunftsbezeichnungen wie „Made in Germany“ infrage. Doch Bundesregierung, Opposition und Wirtschaft sprachen sich einhellig für die Erhaltung des Gütesiegels „Made in Germany“ aus.

Wie bisher sollte das Kriterium an den letzten und wesentlichen Schritt der Be- und Verarbeitung von Produkten geknüpft bleiben, sagte die Sprecherin. Ansonsten drohe ein erheblicher Mehraufwand an Kosten und bürokratischen Lasten.

Kommentare (21)

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Baier

16.01.2012, 12:35 Uhr

ein Grund mehr, aus diesem Verein auszutreten. Eine Kooperation mit der Schweiz wäre sinnvoller.

Account gelöscht!

16.01.2012, 12:45 Uhr

Ich halte den EWR für sinnvoller als die EU. Raus aus der EU.

Regulator

16.01.2012, 12:49 Uhr

Es ist wirklich an der Zeit diesen EU-Bürokraten mal gewaltig, nicht gewalttätig, was einen Unterschied ausmacht, auf die Finger zu klopfen. Diese Herrschaften glauben, sie könnten Göttern gleich Herschaftsansprüche durchsetzten.
Sie werden sich in eine Lage versetzt sehen, in der sie nur noch als Hampelmänner wahrgenommen werden, die niemand mehr auch nur in irgendeiner Weise ernst zu nehmen sich verpflichtet fühlt.

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