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04.05.2012

08:07 Uhr

Quartalsbericht

Linde mit starkem Jahresauftakt

Die kräftige Nachfrage in den Schwellenländern und in Nordamerika hat den Gewinn bei Linde im Auftaktquartal steigen lassen. Konzernchef Reitzle kann vor der heutigen Hauptversammlung gute Zahlen melden.

Konzernchef Wolfgang Reitzle kann gute Zahlen präsentieren. dpa

Konzernchef Wolfgang Reitzle kann gute Zahlen präsentieren.

FrankfurtLinde ist vor allem dank der weiter großen Nachfrage in Asien und Amerika mit einem Plus bei Umsatz und Gewinn ins Jahr gestartet. Der Industriegase-Spezialist und Anlagenbauer steigerte zwischen Januar und März seinen Gewinn vor Steuern und Zinsen um fast 6 Prozent auf 537 Millionen Euro.

„Wir sind ganz ordentlich in das neue Geschäftsjahr gestartet und zuversichtlich, unsere Ziele zu erreichen“, teilte Konzernchef Wolfgang Reitzle am Freitag vor Beginn der Hauptversammlung des Dax-Konzerns in München mit. Unter dem Strich fiel der Zuwachs angesichts einer höheren Steuerlast allerdings etwas magerer aus.

Das sind die Stärken und Schwächen von Linde

Stärke 1: Konsequenter Schuldenabbau

Linde profitiert davon, dass die Schulden in den vergangenen Jahren systematisch reduziert wurden. Nach der kreditfinanzierten Übernahme des Konkurrenten BOC lag die Nettoverschuldung im Herbst 2006 bei 12,8 Milliarden Euro. Durch den Verkauf der Gabelstaplersparte Kion im selben Jahr zum stolzen Preis von vier Milliarden Euro an KKR und Goldman Sachs konnte sie deutlich reduziert werden. Seither baute Linde weiter Jahr für Jahr Schulden ab. Im vergangenen Jahr wurden die Nettoverbindlichkeiten weiter von 5,5 auf nun nur noch 5,1 Milliarden Euro gedrückt. Die Nettoverschuldung ist inzwischen nur noch 1,6- mal so hoch wie das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Im Jahr 2006 betrug das Multiple noch 4,8. Damit hat das Unternehmen nun Luft für weitere Zukäufe und andere Investitionen.

Stärke 2: Zukunftstechnologien

Das starke Engagement in neue Umwelttechnologien birgt viel Fantasie. Entwicklungsschwerpunkte sind Wasserstoff und Brennstoffzelle, wo Linde unter anderem mit Daimler kooperiert. Auch bei den neuartigen Verfahren zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid will Linde eine führende Rolle spielen. Den Markt für diese und ähnliche Umwelttechnologien, den Linde im Fokus hat, schätzt Reitzle für das Jahr 2030 auf 80 bis 140 Milliarden Euro. Wie viel davon sich Linde sichern will, lässt er offen. Doch es sollen schon "zig Milliarden Euro Umsatz zusätzlich im Jahr" sein, verspricht der Vorstandschef.

Schwäche 1: Historischer Nachholbedarf

In vielen wichtigen Zukunftsmärkten macht Linde gute Geschäfte. So sieht sich der Konzern in China zum Beispiel als Nummer eins. Doch auf dem aktuell mit einem Volumen von 16 Milliarden Euro noch größten Markt - nämlich in den USA - ist Linde vergleichsweise schwach vertreten. Hier erzielen die Münchener nur 20 Prozent ihrer Umsätze, dabei entfallen 30 Prozent des Markts auf Nordamerika. Das hat vor allem historische Gründe. In den USA spielt Wasserstoff für die Entschwefelung von Kraftstoffen in den Raffinerien eine große Rolle - ein Geschäft, in dem Linde noch nicht aktiv war, als es in den 60er-Jahren verteilt wurde.

Schwäche 2: IT-Wildwuchs

Die Vereinheitlichung der IT ist stets eine heikle Aufgabe. Meistens dauern solche Projekte länger als geplant, und die Kosten laufen aus dem Ruder. Bei Linde ist der Wildwuchs allerdings besonders üppig. Das ist eine Folge der Übernahmen in den vergangenen Jahren - wie zum Beispiel der Kauf des britischen Konkurrenten BOC.

Nach Steuern stieg der Gewinn um gut ein Prozent auf 287 Millionen Euro im ersten Quartal. Der Umsatz kletterte um 5,4 Prozent auf 3,51 Milliarden Euro. „Wenngleich sich die Weltwirtschaft in diesem Jahr nicht so dynamisch entwickeln wird wie 2011, gehen wir unverändert davon aus, den Konzernumsatz zu erhöhen und das operative Konzernergebnis im Vergleich zum Vorjahr zu verbessern.“

Auch für die kommenden Jahre sieht Reitzle sein Unternehmen auf Kurs. „Für 2014 streben wir ein operatives Konzernergebnis von mindestens vier Milliarden Euro an“, bekräftigte der Manager die mittelfristigen Ziel des Münchner Unternehmens. Dennoch stellt die Wirtschaftslage insgesamt auch die Münchner vor Herausforderungen.

Analyse: Reitzle peitscht Linde zu Höchstleistungen

Analyse

Reitzle peitscht Linde zu Höchstleistungen

Linde-Chef Wolfgang Reitzle ist sein Geld wert, so lautet die Devise bei dem Gasespezialisten. Und der Manager steht zu seinem Millionengehalt. Schließlich hat er den Konzern aus dem Dornröschenschlaf geweckt.

Linde produziert Industriegase, Flaschengase, Flüssiggas, aber auch Anlagen zur Herstellung von Stickstoff und Sauerstoff für die Erschließung von Öl- und Gasfeldern. Ein Wachstumsfeld für Linde ist der Bereich Gesundheit (Health Care). Hier kaufte Linde im vergangenen Jahr zu. Der Konzern beschäftigt weltweit inzwischen mehr als 50.000 Menschen.

Für das Gesamtjahr 2012 peilt der weltweit zweitgrößte Hersteller von Industriegasen nach der französischen Air Liquide an, seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr zu erhöhen und das operative Konzernergebnis zu steigern.

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