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31.01.2007

16:22 Uhr

Quartalsbilanz

Gerichtsstreit um Medikament belastet Eli Lilly

Hohe Kosten für gerichtliche Vergleiche und Sparprogramme haben den Gewinn des US-Pharmariesen Eli Lilly im vierten Quartal einbrechen lassen. Wegen eines Schizophrenie-Medikament kamen 18 000 Klagen.

HB NEW YORK. Der Überschuss fiel drastisch auf 132 Mill. Dollar von 701 Mill. Dollar vor Jahresfrist, wie der in Indianapolis ansässige Arzneimittelhersteller am Mittwoch mitteilte.

Allein rund eine halbe Milliarde Dollar an Sonderkosten verbuchte Eli Lilly im Schlussquartal für Vergleiche bei rund 18 000 Klagen zu seinem Schizophrenie-Medikament Zyprexa. Das Mittel ist Eli Lillys umsatzstärkstes Präparat. Die meisten Kläger werfen dem Unternehmen vor, im Beipackzettel nur unzureichend vor der Gefahr von Diabetes als Nebenwirkung von Zyprexa gewarnt zu haben. Der Konzern hat den Vorwurf zurückgewiesen.

Dazu kamen im vierten Quartal Aufwendungen für laufende Sparprogramme und Wertberichtigungen von rund 450 Mill. Dollar. Von dem Sparkurs ist auch Deutschland betroffen. So hatte der Konzern im Juni angekündigt, die Grundlagenforschung in Hamburg bis Ende Juni 2007 zu schließen.

Ohne die Sonderposten kam Eli Lilly im Zeitraum Oktober bis Dezember auf einen bereinigten Gewinn von 85 Cent je Anteilsschein, ein Plus von sechs Prozent. Analysten hatten im Schnitt nur 82 Cent erwartet. Im Gesamtjahr lag der bereinigte Gewinn je Aktie bei 3,18 Dollar, was einem Zuwachs von elf Prozent entspricht. Der Konzernumsatz stieg unter anderem dank kräftiger Nachfrage nach dem Präparat Cymbalta gegen Depressionen und Zyprexa um neun Prozent auf rund 4,25 Mrd. Dollar. Damit übertraf der Konzern ebenfalls die Erwartungen der Wall Street. Im Gesamtjahr 2006 kam der Pharmakonzern auf Erlöse von 15,69 Mrd. Dollar, ein Plus von sieben Prozent.

Lilly-Chef Sidney Taurel zog eine positive Bilanz: „Das Wachstum unseres bereinigten Gewinns je Aktie von elf Prozent gehörte zum besten in der Branche, was zu einem großen Teil dem Umsatzwachstum unserer neueren Produkte zu verdanken ist.“ Dazu beigetragen hätten aber auch die Sparanstrengungen im Konzern. „Nach vorne schauend auf 2007 ist Lilly gut positioniert, um unsere Erwartungen zu erfüllen,“ erklärte der Manager. Ohne Sonderposten stellte der Konzern für dieses Jahr einen Gewinn je Aktie von 3,25 bis 3,35 Dollar in Aussicht. Analysten gehen bislang im Schnitt von 3,34 Dollar aus.

Im Schlussquartal verzeichnete vor allem das Anti-Depressionsmittel Cymbalta einen Umsatzsprung von 85 Prozent auf 424 Mill. Dollar. Dass das Präparat zu einem Verkaufsschlager wurde, rührte nicht nur von dem kräftigen Nachfrageschub in den USA her. Lilly brachte das Medikament auch in weiteren Ländern auf den Markt. Der Umsatz mit Zyprexa stieg um zwölf Prozent auf 1,16 Mrd. Dollar, vor allem dank höherer Preise. Ein kräftiges Umsatzplus von 28 Prozent auf 269 Mill. Dollar verzeichnete auch der Viagra-Konkurrent Cialis. Mit der am Montag abgeschlossenen Übernahme der US-Biotechfirma Icos ist die Potenzpille nun inzwischen ganz im Besitz von Eli Lilly. Der Konzern hatte Konkurrent Pfizer einige Marktanteile abjagen können, da das Lilly-Produkt deutlich länger wirkt als Viagra.

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